Erfahrungsbericht
 
Dagmar und die Rüpelrentner

Die Pöbeleien wurden noch lauter. Jetzt bekamen alle Fahrgäste im Abteil mit, dass "diese Mütter heutzutage", auch "alles Durchgehen lassen" und "wo das nur hinführen soll". Die anwesenden Fahrgäste waren indes sehr beschäftigt: Ein Mann mittleren Alters, der mir gegenüber saß, vertiefte sich noch mehr in sein Buch "Sorge Dich nicht, lebe!". Eine junge Frau sah plötzlich sehr konzentriert aus dem Fenster und eine andere Dame hatte offensichtlich starkes Interesse an ihrem Nagelbett.

In mir stieg die Wut auf aber gleichzeitig fühlte ich mich auch peinlich berührt. Machte ich wirklich etwas falsch? Warum sagte denn niemand etwas von den anderen Fahrgästen? Ich dachte an "kinderfeindliches Deutschland" und daran, dass "mein Sohn die Rente dieser Nörgelgreise zahlen müsse" gleichzeitig wollte ich mich aber auf keinen Fall auf diese Ebene begeben. Also schwieg ich.

Dann stieg ein Rüpelrentner aus und ich dachte, `Gut so, jetzt hört das Mutter-und-Kind-Bashing endlich auf`aber es wurde noch schlimmer. Elias jauchzte gerade, als er einen riesengroßen Bagger auf einer der viel zu seltenen Baustellen entdeckt hatte, als mir das verbleibende Rentnerpaar ins Gesicht sagte: "Das ist ja nicht auszuhalten! Ihr Kind ist wie ein Brüllaffe!“ Jetzt reichte es mir. Ich forderte die Herrschaften auf, sich gefälligst woanders hinzusetzen, der Zug sei schließlich lang genug. Elias rief ganz laut "JAAAA!". Die Meckergreise schimpften daraufhin noch heftiger, zogen aber in Richtung hinteres Zugteil ab.

Dieser kleine, miese Vorfall ärgert mich auch jetzt noch: Ich ärgere mich über die Alten, die mit ihrem Nörgeln nur schlechte Laune produzieren. Ich ärgere mich über mich, dass ich solange nichts dazu gesagt habe. Und ich ärgere mich über die anderen Fahrgäste, die diese Pöbeleien duldeten.
Nur einer ärgerte sich nicht: Elias rief voller Freude ganz laut "DAAAA" als wir unsere Haltestelle endlich erreicht hatten.


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