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Rücksicht Wie man Kindern beibringt, keine Unterhaltungen zu unterbrechen

Rücksicht: Kind unterbricht ihren Vater
Geduld und Rücksicht können geübt werden, so dass Kinder lernen, ihre Eltern nicht zu unterbrechen.
© Westend61 / Getty Images
Kostet es dich auch Nerven, wenn dein Kind dir immer wieder ins Wort fällt? Mit der Sieben-Schritt-Anleitung zeigen wir dir, wie du deinem Nachwuchs beibringst, Rücksicht zu nehmen. 

Vielen wird es bekannt vorkommen, wenn das eigene Kind die Phase erreicht, in der es wenig Rücksicht nimmt und einem gerne mal ins Wort fällt. Das raubt Energie und ist auf Dauer ziemlich anstrengend. Falls du denkst, die Zeiten seien vorbei, in denen du dich in Ruhe mit deinem:r Freund:in unterhalten konntest, können wir dich beruhigen. Mit den folgenden Tipps kannst du deinem Nachwuchs beibringen, dass Mama oder Papa nicht ständig unterbrochen werden möchten.

So bringst du deinem Kind bei, Gespräche nicht zu unterbrechen:

Schritt 1. Versuche, dein Kind nicht zu unterbrechen

Niemand wird gerne unterbrochen – auch Kinder nicht! Wir empfehlen, es den kleinsten Kindern bereits vorzuleben, anderen nicht ins Wort zu fallen. Wenn dein Kind aufgeregt vom Tag berichtet, was es im Kindergarten erlebt hat, unterbrich es nicht, sondern lass es aussprechen und gib ihm Zeit beim Erzählen.

Schritt 2. Sei dir deiner Vorbildfunktion bewusst

Generell lernen Kinder am meisten durchs Beobachten. Wenn also dein Kind sieht, wie Mama und Papa in Ruhe ein Gespräch führen, sich gegenseitig aussprechen lassen und sich nicht unterbrechen, lernt es andere zu respektieren. Es sollte nur selten dazu kommen, dass du dein eigenes Kind unterbrechen musst. Manchmal ist es allerdings unvermeidbar. Wenn solche Situationen eintreffen, versuche Formulierungen wie diese zu verwenden:

  • "Entschuldige, darf ich dich kurz unterbrechen?"
  • "Ich weiß, der Zeitpunkt ist nicht optimal, aber ich muss dir kurz ins Wort fallen!"
  • "Ich sehe, ihr spielt gerade so schön. Entschuldige, dass ich euch störe. Wir müssen gleich gehen!" 
  • "Ich würde dir gerne etwas zeigen, ist das ein schlechter Zeitpunkt dich zu stören oder passt es kurz?"

Mit solchen Formulierungen lebst du deinem Kind Höflichkeit vor und zeigst ihm, wie man respektvoll miteinander kommuniziert. Wenn dir das gelingt, wird es automatisch deine respektvolle Sprache übernehmen.

Schritt 3. Kannst du die Bedürfnisse deines Kindes erkennen?

Ständig unterbrochen zu werden, bringt viele Eltern auf die Palme und im Alltagsstress führt es schnell dazu, dass man (vielleicht auch du) wütend wird. Absolut verständlich! Es wäre dennoch gut, wenn du vermeidest, Konsequenzen oder Befehle wie "Shhhhhh!" zu verwenden. Kinder unterbrechen einen meistens, weil sie ihren Bedürfnissen nachgehen und selten, weil sie unhöflich sein wollen. Versuche, diese zu erkennen. Du wirst merken, dein Kind wird sich zurücknehmen und dir die Zeit geben, die du brauchst, wenn es sich gesehen fühlt. Hier ein paar Sätze, die du sagen könntest:

  • "Ich bin gleich für dich da und höre dir zu." 
  • "Ich sehe, du willst mir etwas sagen. Der Zeitpunkt ist schlecht. Entschuldige, ich komme gleich zu dir." 
  • "Wenn ich mit dem Gespräch fertig bin, reden wir beide in Ruhe."
  • "Du kannst meine Hand halten, solange ich noch telefoniere. Ich werde gleich bei dir sein."
  • "Ich sehe, du möchtest mir etwas zeigen. Ich brauche noch fünf Minuten." 

Schritt 4. Geduld und Rücksicht können trainiert werden

In alltäglichen Situationen kannst du deinem Kind Geduld, das Warten und Rücksicht beibringen. Dabei wäre es gut, wenn du beachtest, dass dein Kind ein Erfolgserlebnis hat und genau versteht, warum du kurz mit etwas anderem beschäftigt bist. Aussagen wie: "Bitte unterbrich mich nicht, warte einen Moment!", funktionieren gut, wenn du deinem Kind erklärst, warum es warten muss. Wenn du ihm:ihr für einen Moment keine Aufmerksamkeit schenken kannst, bitte es respektvoll geduldig zu sein.

  • "Ich telefoniere noch ein paar Minuten mit meiner Freundin und im Anschluss können wir uns zusammen mit dem Puzzle beschäftigen."
  • "Der Tag war anstrengend, ich brauche 15 Minuten Ruhe und Zeit für mich. Womit könntest du dich in der Zeit allein beschäftigen? Hast du eine Idee oder soll ich dir dabei helfen?"
  • "Ich muss deiner Oma etwas erklären. Sie braucht Hilfe. Hier ist ein Block und Stifte. Mal einen Augenblick allein. Sobald ich fertig bin, schaue ich mir dein Kunstwerk an." 

Schritt 5. Den Unterbrechungen auf den Grund gehen

Hast du schonmal beobachtet, in welchen Momenten dich dein Kind unterbricht? Manchmal wollen Kinder auch einfach nur involviert werden. Hier kann körperliche Nähe guttun. Oft hilft es bereits, wenn Kinder einfach auf den Arm genommen werden, damit sie am Geschehen teilhaben können. 

Schritt 6. Ankündigungen und Handzeichen geben

Generell fällt es Kindern leichter, sich auf ein bestimmtes Verhalten einzustellen, wenn sie im Vorfeld informiert wurden. Wenn möglich, bereite dein Kind darauf vor, dass es ein wenig Geduld haben und sich allein beschäftigen muss, wenn du am Nachmittag eine wichtige Unterhaltung führst.

Ein super Tipp: Vereinbart Handzeichen, die dir dein Kind geben kann, wenn es dich im Notfall unterbrechen muss. So kann es dir leise ein Zeichen geben, indem es die Hand auf deinen Arm legt, ohne dich zu unterbrechen. Das Gleiche kannst du natürlich auch bei deinem Kind machen, wenn es dich unterbricht. Mit Signalen wie beispielsweise einem Handzeichen oder einem nickenden Gesicht, kannst du ihn:sie wissen lassen, dass es noch eine Weile dauert und es warten muss.

Schritt 7. Aufmerksamkeit im Voraus

Wenn du beispielsweise einen Telefontermin im Kalender stehen hast, versuche deinem Kind eine halbe Stunde vorher positive Aufmerksamkeit zu schenken. Eine andere Situation: Du triffst dich mit deinem:r Freund:in in einem Café, dein Kind ist dabei. Suche vorher einen Spielplatz in der Nähe auf. Dort beschäftigst du dich ausgiebig mit deinem Kind. So wird es spüren, dass es seine qualitative Zeit mit dir hatte und danach besser mit anderen teilen kann. Ein weiterer Vorschlag: Nimm Stifte und Papier mit. Dein Kind hat so die Möglichkeit, sich selbst zu beschäftigen, wird nicht zum Energieräuber und du hast einen ruhigen Moment mit deinem:r Freund:in. 

Verwendete Quellen: positiveparentingconnection.net

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