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Familienkolumne Vom Versuch, den Schnuller loszuwerden

Familienkolumne: ein kleines Kind mit Schnuller sitzt auf einem Teppich
© Krakenimages.com / Adobe Stock
Ihre Tochter soll schnullerfrei werden. Dabei merkt ELTERN-Autorin Kaja Godart schnell, wer wirklich schnullersüchtig ist.

Wir sitzen beim Kinderarzt, die U7a, kurz vor dem dritten Geburtstag. Alles bestens, genau wie es sein soll. Aber dann gibt es doch noch etwas: Der Schnuller muss weg! Jetzt! Und als würden mahnende Worte nicht reichen, schreibt der Arzt es auch noch dick mit Ausrufezeichen ins U-Heft.

Wissen wir ja, aber: Wie soll das gehen? Der Schnuller ist unser Rettungsanker, den wir zugegebenermaßen inflationär oft auswerfen. Es ist aber auch zu schön: Lange Autofahrten, Einkaufen, Einschlafen, Rumgenöle – Schnuller rein, und alles ist gut. Für unsere Tochter. Aber vor allem für uns Eltern. Zeitweise fliegen mindestens fünf Stück zu Hause rum, plus Ersatznuckel in irgendwelchen Taschen. Auf einen Kaputten kommen mindestens zwei neue, können wir ja nichts dafür, dass man die nur im Doppelpack kaufen kann. Jetzt plötzlich damit aufhören? Puh. Uns dämmert, dass nicht nur unser Kind, sondern vor allem wir Eltern massiv schnullersüchtig sind. Aber hilft ja nichts.

Erster Versuch, vom Schnuller loszukommen: Wir werden es unserer klugen Tochter einfach erklären! Also erzählen wir was von schiefen Zähnen und verformter Mundhöhle, hoffen, die Vernunft einer Dreijährigen reicht, um zu verstehen, dass sie jetzt wirklich damit aufhören muss – und schieben schon wenig später unserem wegen irgendwas weinenden Kind doch wieder den Trostschnuller zu. Wird die Mundhöhle schon verkraften, denken wir. Am nächsten Tag belehrt uns das Regal im Drogeriemarkt eines Besseren: Es gibt dort überhaupt keine Schnuller für Mundhöhlen nach dem 36. Lebensmonat!

Hilft der Schnullerentzug?

Neuer Versuch: knallharter Schnullerentzug. "Jetzt ist Schluss", verkünden wir groß und stecken alle Nuckel weg. Doch allein das Schnullersuchen unseres Kindes bricht uns das Herz und nach der zehnten verzweifelten "Snuller!"-Forderung brechen wir ein. Ist ja nur einer, denken wir. Aber können es trotzdem kaum fassen: Wie schwer kann es bitte sein, ein Plastikteil abzuschaffen? Und als wäre das nicht genug, erfahren wir beim Abholen in der Kita so nebenbei, dass unsere Tochter dort schon längst schnullerfrei ist. Wie bitte? Dort liegt das Ding den ganzen Tag im Schnullerfach? Uns wird klar: Unsere Tochter hat überhaupt kein Schnullerproblem! Sie würde vermutlich prima ohne leben können. Das eigentliche Problem sind wir Eltern, die sich ohne Schnuller kaum aus dem Haus trauen.

Nächster Versuch: Wir machen es so wie in der Kita – das Ding kommt in ein Schnullerfach und nur im Notfall wieder raus. Geht ungefähr zwei Tage gut, dann liegen alle Schnuller wieder in der Wohnung verteilt. Waren aber alles Notfälle. Wirklich!

Wir brauchen Hilfe. Vielleicht kann die Schnullerfee ran? Unser Kind findet die Idee, Schnuller gegen Geschenke zu tauschen, so gut, dass es freiwillig alle zur Haustür trägt.

Und dann sind die Schnuller weg. Die kindliche Freude über den Geschenkeberg ist groß, das Schnullervermissen verschwindend gering. Die Schnullerfee hat ganze Arbeit geleistet. Aber sie hat auch an uns Eltern gedacht: Statt die ausrangierten Teile zu entsorgen, wurden sie sicherheitshalber ganz oben im Küchenschrank für uns verstaut. Nur für den Notfall natürlich.

ELTERN

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