Erste Hilfe bei Verbrennung
 
Verbrennungen bei Kindern

Vorsicht, heiß! Warnen ist gut, die Gefahren vermeiden noch viel besser. Denn kleine Kinder sind neugierig und müssen beim Erforschen ihrer Umgebung erst noch lernen, wo Gefahren lauern. Eine heiße Tasse Tee oder der brodelnde Kochtopf: Verbrennungen passieren oft schneller, als Eltern gucken können.

Erste Hilfe bei Verbrennung: Verbrennungen bei Kindern
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Jedes Jahr verbrühen oder verbrennen sich 6.000 Kinder in Deutschland so schwer, dass sie stationär in einem Krankenhaus behandelt werden müssen.

Klar ist: Unfälle mit Verbrennungen geschehen schnell und können jede Familie treffen. Doch mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen lassen sich viele Unfälle im Haushalt vermeiden.

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Verbrühungen durch heißes Wasser: Gefahren im Badezimmer

Am Abend in der Badewanne zu planschen ist für die Kleinen oft der schöne Abschluss eines aufregenden Tages. Aber gerade im Badezimmer lauern Gefahren: Zu heißes Wasser führt zu Verbrühungen, denn schon eine Temperatur ab 52 Grad Celsius kann die Haut beschädigen. Ein paar Handgriffe können hier Schlimmeres verhindern:

  • Lassen Sie im Bad Thermostat-Armaturen montieren, mit ihnen können Sie die Wassertemperatur auf maximal 50 Grad Celsius begrenzen
  • Lassen Sie Wasserregler nie auf "heiß" eingestellt
  • Lassen Sie Eimer und Wannen mit heißem Wasser für Fußbäder oder zum Putzen nicht unbeaufsichtigt
  • Füllen Sie Badewannen erst mit kaltem Wasser, lassen Sie danach das heiße Wasser ein und überprüfen Sie die Temperatur vor dem Baden
  • Füllen Sie Wärmflaschen für Kinder nur mit Wasser bis 50 Grad Celsius und achten Sie auf einen dichten Verschluss

In der Küche: Verbrennungen beim Kochen und Essen

Die Küche ist oft der zentrale Treffpunkt der Familie. Beim Kochen und Essen kann es aber auch mal hektisch zugehen. Doch bei allem Trubel sollten Sie einige Dinge beachten, um Ihre Kinder vor Verbrennungen und Verbrühungen zu schützen:

  • Heiße Getränke nicht an die Tischkante stellen, Kinder könnten sie herunterreißen
  • Herunterhängende Tischdecken laden zum „dran ziehen“ ein
  • Heißen Tee und Kaffee nicht mit Kind auf dem Arm oder dem Schoß trinken
  • Kabel von Wasserkochern und Tauchsiedern dürfen nie in Reichweite von Kindern geraten
  • Herd mit Gitter absichern
  • Töpfe und Pfannen mit dem Griff nach hinten auf den Herd stellen
  • wenn möglich überwiegend die hinteren Herdplatten benutzen
  • Brennendes Fett nie mit Wasser löschen, sondern mit dem Deckel ersticken
  • Brei und Fläschchen aus der Mikrowelle fühlen sich außen oft lauwarm an, sind aber in Wirklichkeit heiß: Vor dem Füttern also immer gut umrühren und probieren

Kerzen & Co: Verbrennungen durch Feuer

Geburtstagskerzen, Weihnachtsbäume, Silvesterknaller oder Haushaltsgeräte: Offenes Feuer begleitet uns durch das ganze Jahr. Umso wichtiger ist es, die Gefahrenquellen zu kennen:
  • Kinder nie mit offenem Feuer oder brennenden Kerzen unbeaufsichtigt lassen
  • Streichhölzer und Feuerzeuge sollten für Kinderhände unerreichbar sein
  • Weihnachtsbäume mit elektrischen Lichterketten schmücken
  • Böller und Raketen nur gemeinsam anzünden
  • Wunderkerzen können durch ihre Funken schnell Kleidung entzünden und sind erst für Kinder ab sechs Jahren geeignet.
  • Beim Verlassen des Raumes immer das Bügeleisen ausschalten
  • Lampen nicht mit Decken oder Tüchern abdunkeln
  • Keine Heizdecken in Kinderbetten legen
  • Seien Sie beim Grillen geduldig und gießen Sie weder Brennspriritus noch Brandbeschleuniger auf das Feuer

Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen

Wenn sich Ihr Kind verbrannt hat, rufen Sie laut nach Hilfe. Sollte niemand in Ihrer Nähe sein, versuchen Sie - auch wenn es schwer fällt - sich zu sammeln und folgende Dinge zu beachten:

  • Entflammte Kleidung mit einer Decke ersticken
  • Bei Verbrennungen Kleidung anlassen, da sie meist in die Wunde eingebrannt ist
  • Bei Verbrühungen Kleidung entfernen, um einen Hitzestau zu vermeiden
  • Bei Verbrennungen im Gesicht: Aufrecht hinsetzen, um Atmung zu erleichtern
  • Nur die betroffene Stelle unter handwarmen, fließenden Wasser mindestens zehn Minuten kühlen
  • Nicht mit Eiswürfeln kühlen, es drohen Unterkühlung und Gewebeschäden
  • Bei großflächigen Verletzungen droht Auskühlung, deshalb sollte man das Opfer an den unverwundeten Stellen mit einer Decke wärmen
  • Auf gar keinen Fall sollten Sie Hausmittel wie zum Beispiel Mehl oder Öl verwenden oder die Wunde mit Watte abdecken
  • Notarzt rufen 112: Sagen Sie, wer Sie sind und wo Sie sich befinden
  • Immer das nächst liegende Krankenhaus anfahren und von dort gegebenenfalls eine Spezialklinik aufsuchen
  • Wenn mehr als 10% der Körperoberfläche oder des Gesichts, der Hände, Genitalien oder Füße verbrannt sind, sollte das Kind in ein auf Verbrennungen spezialisiertes Krankenhaus gebracht werden
  • Lassen Sie das verletzte Kind nicht allein, denn es hat starke Schmerzen und steht unter Schock

Schweregrade von Verbrennungen

Brandverletzungen oder Verbrühungen können unterschiedlich schwer sein. Das Ausmaß der Verletzung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nach Tiefe der Verbrennung unterscheidet man zwischen Verbrennungen ersten, zweiten und dritten Grades.

  • 1. Grades: oberflächliche Rötung, heilt ohne weiteren Eingriff in fünf bis zehn Tagen
  • 2. Grades: (2 a oberflächlich) anfängliche Rötung, dann Blasenbildung mit feuchtem Wundgrund, sehr schmerzhaft, heilt nach zwei bis drei Wochen
  • (2b tief) Blasenbildung, grau-weißliche Verfärbung, trockener Wundgrund, OP notwendig, Narbenbildung
  • 3. Grades: grau-weiß verfärbte, ledrige Haut, trockene Wunden, OP notwendig, Narbenbildung
  • Weitere entscheidende Kriterien für die Schwere einer Verbrennung:
  • Wie hoch war die Temperatur?
  • Über welchen Zeitraum wurde die Haut beschädigt?
  • Wie groß ist die betroffene Hautpartie?

Kinder über mögliche Gefahren aufklären

Kinder sind neugierig. Bei ihren Entdeckungstouren können sie aber mögliche Gefahren oft nicht richtig einschätzen. Sie müssen erst lernen, wo Gefahr droht und wie sie sich im Notfall verhalten sollen. Mit kleinen Übungen und Gesprächen können Sie Ihrem Kind dabei helfen.

  • Üben Sie mit Ihrem Kind das Anzünden und Löschen von Kerzen und Streichhölzern
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass es bei Feuer fliehen muss und um Hilfe schreien soll
  • Zeigen Sie ihm immer wieder Fluchtwege
  • Bei Rauchentwicklung auf dem Boden kriechen
  • Rauchmelder anbringen
  • Denken Sie immer daran, dass Verbote vieles erst interessant machen
  • Aber am wichtigsten ist: Gehen Sie mit Vorbild voran und handeln Sie verantwortungsbewusst im Umgang mit Gefahrenquellen

"Paulinchen" - Intitiative für brandverletzte Kinder e. V.

Adelheid Gottwald, Gründerin von "Paulinchen - Initiative für brandverletzte Kinder e. V.", engagiert sich seit langem in der Präventionsarbeit und begleitet Familien mit betroffenen Kindern. Die Gründerin und Vorsitzende des Vereins kennt viele Leidensgeschichten und leistet mit wichtige Informationsarbeit, um die Zahl der Unfälle zu verringern.
Aus Ihrer Erfahrung heraus weiß sie, dass Gefahrensituationen oft falsch eingeschätzt werden und rät Eltern deshalb: "Die Reichweite von kleinen Kindern ändert sich ständig. Bei einem bewussten Rundgang durchs Haus sollten sich Eltern fragen, wo Gefahren lauern könnten."
Gerade kleine Kinder im Alter bis zu fünf Jahren sind extrem gefährdet, sich zu verbrühen: "Wenn das Kind erst an der Tischdecke zieht, ist es oft nicht möglich schnell genug zu reagieren."
Was viele Eltern nicht wissen: Schon der Inhalt einer Tasse Tee oder Kaffee kann bis zu 30 Prozent der zarten Haut eines Babys oder Kleinkindes verbrühen. Die angenehme Trinktemperatur bei heißen Getränken liegt etwa zwischen 55 und 65 Grad Celsius. Da Flüssigkeiten bereits ab einer Temperatur von 52 Grad Celsius die Haut schädigen, muss der Kaffee also gar nicht frisch aufgebrüht sein, um großen Schaden anzurichten. "Solche Unfälle sind eine Katastrophe für die Familie", so Adelheid Gottwald. Die Vereinsvorsitzende von Paulinchen e. V. rät im Notfall: "Handwarmes Wasser nur über die betroffenen Stellen laufen lassen und sofort den Notarzt zu Hilfe rufen!"