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Kindergesundheit Kinderohren - Wissenswertes von A bis Z

Kindergesundheit : Kinderohren - Wissenswertes von A bis Z
© Felix Winterle
Fast jedes Kind kennt sie: Ohrenschmerzen. Alles Wissenswerte zum Thema Kinderohren haben wir hier für Sie zusammengestellt: Von A wie Arztbesuch bis Z wie Zwiebelwickel.

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Ohrenschmerzen kennt fast jedes Kind, denn Kinderohren sind um ein vielfaches empfindlicher als Ohren bei Erwachsenen. Meistens hat das anatomische Gründe, denn Kinderohren sind noch nicht ausgewachsen, so dass Sekret oft nicht abfließen kann und sich schmerzhaft entzündet. Erfahren Sie hier viele wissenswerte Details zum Thema Kinderohren und wie Sie bei Ohrenschmerzen richtig reagieren.

Arztbesuch

Wenn Ihr Kind starke Ohrenschmerzen hat muss es zum Arzt. Denn nur der Experte kann beurteilen, ob und wie sehr ein Kind unter Mittelohrentzündung (Otitis media) leidet, ob es deshalb schlecht hört (was bei Kindern schon nach wenigen Tagen Sprache und Sprechenlernen beeinträchtigt) oder ob Komplikationen wie eine Mastoiditis (s. dort) drohen.
 

Bakterien

Bakterien verursachen zwar nicht die meisten, aber die schwersten Mittelohrentzündungen. Am häufigsten beteiligt sind die Pneumokokken sowie der Haemophilus influenzae. Bei den meisten Kindern, die dagegen geimpft sind, muss eine Mittelohrentzündung seltener mit Antibiotika behandelt werden als bei Ungeimpften. Auch Gehörgangsentzündungen werden meist von Bakterien verursacht. Hier heißen die Hauptschuldigen Pseudomonas sowie Staphylokokkus aureus und Staphylokokkus epidermidis. Eine Impfung gegen diese drei gibt es nicht.
 

Chronische Mittelohrentzündung

Kann sich entwickeln, wenn sich infolge einer oder mehrerer akuter Entzündungen ein hartnäckiger Erguss im Mittelohr gebildet hat, der nicht ganz eintrocknet und immer wieder Nährboden für neue Keime ist. Ebenfalls typisch für eine solche chronische Entzündung: eine dauerhafte Öffnung im Trommelfell, durch die immer wieder Flüssigkeit austritt.
 

Drainage

– andere Bezeichnung für das sogenannte Paukenröhrchen. Dieses Mini-Rohr bekommen Kinder ins Trommelfell geschoben, die unter einem chronischen Erguss im Mittelohr leiden. Das Röhrchen sorgt auf zweierlei Weise für eine bessere Gesundheit im Mittelohr: Es leitet die keimfördernde und hörmindernde Flüssigkeit ab und sorgt gleichzeitig für eine bessere Belüftung der Paukenhöhle, wie das Mittelohr auch heißt. Das Drainage-Röhrchen besteht aus Plastik, Gold oder Titan, ist so winzig, dass man es nicht spürt, und entsorgt sich nach sechs bis zwölf Monaten selbst.
 

Eustachische Röhre

– auch Ohrtrompete, Paukengang oder Tuba auditiva Eustachii genannt. Sie verbindet den Nasen-Rachen-Raum mit dem Mittelohr und spielt bei Entzündungen dort eine wichtige Rolle. Zum einen, weil sie bei Infekten Keime in Richtung Mittelohr transportiert – ungünstig vor allem bei Babys und Kleinkindern, da ihre Ohrtrompete noch ziemlich kurz ist und die Keime es nicht weit haben. Zum anderen, weil die Eustachische Röhre für die natürliche Belüftung des Mittelohrs zuständig ist. Behindern Polypen, dicke Mandeln oder eine verstopfte Nase diesen Luftweg, steigt das Risiko für eine Mittelohrentzündung.
 

Fremdkörper im Ohr

– sind immer ein Fall für den HNO-Arzt. Nur der hat die nötigen Instrumente, um Erbse, Murmel, Playmobilteil schonend aus dem Ohr zu holen. Wer selbst darin herumstochert, läuft Gefahr, den Gegenstand nur noch tiefer ins Ohr zu schieben und das Trommelfell zu verletzen.
 

Gehörgangsentzündung

– auch Außenohrentzündung oder Otitis externa genannt, weil sie sich im äußeren Teil des Ohres abspielt: zwischen Trommelfell und Ohrmuschel. Ärzte sagen manchmal auch „Bade-Ohr“ dazu, denn ausgedehntes Planschen und Schwimmen gehören zu ihren Hauptursachen. Das viele Wasser nämlich „verdünnt“ und schwächt das Ohrenschmalz so sehr, dass es seine Aufgaben nicht mehr gut erfüllt: Keime zu bremsen und abzutransportieren. Viren, Pilze, Bakterien können sich auf diese Weise leicht ausbreiten und eine Entzündung entfachen. Dann beginnt der Gehörgang zu jucken, rötet sich, schwillt an, eitert eventuell, und manchmal blühen sogar äußerst schmerzhafte Furunkel. In solchen Fällen bitte gleich zum Arzt gehen! Damit nicht auch Trommelfell und Gesichtsnerven etwas abkriegen.
 

Hygiene

– die Ohrmuschel sanft mit etwas Wasser reinigen, mehr Hygiene muss nicht sein. Bitte auf keinen Fall mit Wattestäbchen oder spitz gedrehten Kosmetiktüchern im Gehörgang nach Ohrenschmalz fischen! Das bringt nichts und ist sogar schädlich; denn das Schmalz ist nichts, was man entfernen sollte, sondern ein Pflegemittel für das Ohr. Außerdem verletzen solche Aktionen leicht die Haut im Gehörgang oder sogar das Trommelfell.
 

Innenohr

– der Teil des Ohrs, in dem sich sowohl das Gleichgewichtsorgan als auch das Hörorgan befinden. Beide funktionieren nach ähnlichem Prinzip: Ein Reiz trifft ein und bringt eine zähe Flüssigkeit in Bewegung. Sinneshärchen registrieren das und informieren die zuständigen Nerven. Über Umwandlung in elektrische Signale erfährt dann das Gehirn, was der Körper gerade macht – oder hört.
 

Kissing Tonsils – so nennt man Gaumenmandeln, die so geschwollen sind, dass sie sich berühren. Davon betroffene Kinder können kaum noch durch die Nase atmen, leiden unter Würgereiz und Atemaussetzern sowie Appetitlosigkeit; und bekommen meist einen Erguss im Mittelohr.
 

Labyrinthitis – eine Entzündung im Innenohr, zum Beispiel als Komplikation einer Mittelohrentzündung. Die Folge: Schwindelgefühle, weil dabei das im Innenohr sitzende Gleichgewichtsorgan gereizt wird.
 

Mastoiditis

– dazu kommt es zum Glück nur bei etwa vier von 100 000 Mittelohrentzündungen: Die Infektion greift auf den hinter der Ohrmuschel gelegenen sogenannten Warzenfortsatz (= Mastoid) des Schläfenbeins über. Die betroffenen Kinder schreien vor Schmerz, wenn man ihr – dann oft abstehendes – Ohr berührt, und die Region hinter der Ohrmuschel ist rot und geschwollen. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich die Entzündung auf das Gehirn ausbreitet, das vom Mastoid nur durch eine dünne Knochenschicht getrennt ist.
 

Nasenspray

– kann, früh genug eingesetzt, eine beginnende Mittelohrentzündung ausbremsen. Denn schwillt die Nasenschleimhaut ab, wird das Mittelohr besser belüftet, und mehr Sekret kann in den Rachen abfließen. Dieser Effekt tut auch gut, wenn die Entzündung so schlimm ist, dass Antibiotika hermüssen. Denn sonst verschwinden aus dem Mittelohr nur die momentanen Keime, der Erguss aber bleibt und macht die Schleimhaut anfällig für weitere Entzündungen.
 

Otitis media (= Mittelohrentzündung)

– eine der häufigsten Krankheiten bei Kindern. Sie beginnt meist mit ein- oder beidseitigem, pulsierendem Ohrenweh, Ohrklopfen oder akuter Schwerhörigkeit. Kleinkinder jammern und zupfen sich am Ohr, Babys schreien mehr als sonst und fahren sich mit den Händen oft über Gesicht und Ohren. Nachts geht es den Kindern besonders schlecht. Schuld sind in bis zu 60 Prozent der Fälle Viren, denen man, vor allem anfangs, mit abschwellendem Nasenspray, Schmerzmittel, viel trinken, Schonung und Zwiebelwickeln beikommt. Kriegen die Viren Verstärkung durch Bakterien, kommt es oft zu massiven Entzündungen – dann wäre es fahrlässig, auf Antibiotika zu verzichten.
 

Parazentese

– kleiner Eingriff in Vollnarkose, um einen winzigen Schnitt ins Trommelfell zu setzen. Gemacht wird das zum Beispiel oft bei Kindern mit chronischem Mittelohr-Erguss. Durch das Löchlein im Trommelfell kann das Sekret abfließen und Luft hereinkommen. Damit sich die Öffnung nicht zu schnell wieder schließt, wird sie meist mit einer Drainage mehrere Monate lang offen gehalten.
 

Schwerhörigkeit

– und andere Hörstörungen zählen zu den häufigsten angeborenen Erkrankungen und sollten so früh wie möglich behandelt werden. Denn Kinder, die schlecht hören, lernen nicht gut sprechen. Und bekommen die Ohren in den ersten Jahren keine Hörreize, verkümmert der Hörsinn. In den meisten Fällen genügt die Anpassung eines oder zweier Hörgeräte. Hochgradig schwerhörigen bis gehörlosen Kindern kann ein Cochlea-Implantat, eine Art Innenohr-Prothese, helfen.
 

Trommelfell

– eine zarte Membran zwischen Gehörgang und Mittelohr. Sie überträgt Schallwellen auf die Gehörknöchelchen im Mittelohr, von wo sie ins Innenohr und dann weiter, in elektrische Signale übersetzt, ins Gehirn gelangen. Bei Mittelohrentzündungen sammelt sich so viel Schleim und Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, das es sich nach außen wölbt und sogar reißen kann.
 

Vertigo (= Schwindel)

– kann die verschiedensten Ursachen haben. Bei Kindern kommen Schwindelgefühle meist entweder von einer Labyrinthitis (s. dort) oder vom Druck eines massiven chronischen Ergusses im Mittelohr, der sogar im Innenohr bzw. im Labyrinth zu spüren ist.
 

Wattepusten mit der Nase

– verbessert die Funktion der für die Ohrgesundheit sehr wichtigen Eustachischen Röhre. Bei Kindern ist dieser Gang zwischen Nase und Ohr noch nicht ganz ausgereift, sondern relativ schlaff und oft sehr verschleimt. Das Pustetraining durch die Nase (mehrmals täglich abwechselnd ein Nasenloch zuhalten und mit dem anderen pusten) macht die Ohrtrompete muskulöser und widerstandsfähiger.
 

Xylit

– Süßstoff, der – in Kaugummi enthalten – die Vermehrung von Mundbakterien bremst. Weil dann auch weniger Keime über die Ohrtrompete ins Mittelohr wandern, kann man auf diese Weise Mittelohrentzündungen vorbeugen. Aber bitte erst ab drei Jahren, vorher ist Kaugummi nichts für Kinder.
 

Zwiebelwickel

– geschnittene Zwiebeln verbreiten durchblutungs- und abwehrsteigernde Dämpfe, die bei beginnender Mittelohrentzündung helfen: Zwiebel klein hacken, in einen dünnen Strumpf geben, im Backofen leicht erwärmen und mit Tuch, Mütze oder Stirnband auf dem Ohr fixieren. Zwei- bis dreimal am Tag wiederholen.

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