Altersgemischte Gruppen
 
Groß und Klein - zusammen besser?

Immer mehr Zweijährige gehen schon in den Kindergarten. Die großen Altersunterschiede in den Gruppen verändern den Alltag im Kindergarten. Viele Eltern fragen sich deshalb: Kommen die ganz Kleinen oder die Vorschulkinder dabei zu kurz?

Interview mit Kathrin Böhm, Kindergarten-Leiterin aus Lohmar

Altersgemischte Gruppen: Groß und Klein - zusammen besser?

Abgesehen von den beruflichen Möglichkeiten: Was bedeutet ein früher Kindergartenbesuch für Eltern und Kinder?

Früh bedeutet auch, dass ein Kind viele Jahre in den Kindergarten geht. In dieser Zeit erlebt es neben seinem Zuhause familiäre Strukturen, die ihm Geborgenheit und Sicherheit geben. Geschwister haben die Möglichkeit, die gleiche Gruppe zu besuchen, Einzelkinder finden in den Gruppen Ersatzgeschwister.

Und besonders intensive Freundschaften.

Das stimmt und gilt nicht nur für die Kinder, sondern auch ihre Eltern haben reichlich Zeit, ein Netzwerk aufzubauen. Das erleichtert das Familienmanagement.

Es heißt, Kinder würden sich in altersgemischten Gruppen schneller entwickeln?

Kinder entwickeln sich immer unterschiedlich schnell. Generell kann man aber sagen, dass Kinder, die schon früh eine altersgemischte Gruppe besuchen, besonders rasch Fortschritte machen, weil kleine Kinder intensiv von älteren Kindern lernen. Die beste altersgemäße Lernform heißt: beobachten, nachahmen, wiederholen und (anderen) zeigen, was man kann. Altersgemischte Gruppen sind wie dafür gemacht.

Und wie profitieren die Großen von den Kleinen?

Ältere Kinder finden es toll, den Jüngeren etwas beizubringen. Das macht sie selbstbewusst. Ganz nebenbei vertiefen sie durch die Lehrerrolle ihr eigenes Wissen und Können.

Was lernen Kinder in altersgemischten Gruppen?

Rücksicht zu nehmen, Kompromisse einzugehen, Konflikte zu bewältigen, Streit zu schlichten, fürsorglich und tolerant zu sein. Qualitäten, die in der Schule und im Leben wichtig sind.

Und wie sieht es mit speziellen Förderangeboten aus?

Die Erzieherinnen betreuen in altersgemischten Gruppen weniger Kinder. Dadurch können sie individuell besser fördern. Auf manch spezielle Angebote kann auch verzichtet werden, weil Kinder immer die Aktivität wählen können, die ihrem Entwicklungs- und Lerntempo entspricht. Es sind ja ältere und jüngere Kinder da, denen sie sich anschließen können. Dadurch verringert sich die Gefahr einer Über- oder Unterforderung.

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