Kindergarten
 
Kita: Mein Kind weint beim Abschied – was tun?

Die Unterlippe bebt, die kleinen Kinderaugen füllen sich mit Tränen: „Bitte nicht weggehen!“ Bei diesem Satz können selbst hartgesottene Eltern schwach werden. Der Abschied im Kindergarten oder in der Kita ist oft für beide Seiten nicht leicht. Aber was tun, damit er dennoch klappt? Wir haben Eltern- und Expertentipps für euch zusammengetragen.

Kind weint beim Abschied im Kindergarten
iStock, rollover
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Wie lange die Eingewöhnung konkret dauert, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.
  • Kleine Rituale und eine nicht zu lange Verabschiedung können dem Kind den Abschied leichter machen.
  • Wirken die Eltern bei der Verabschiedung entspannt und souverän, kann sich auch das Kind leichter trennen.
  • Bleibt der Abschied problematisch, bitten die Eltern am besten die Erzieherinnen um eine Einschätzung.

Trennungschmerz, Unsicherheit, freudige Aufregung: Ein neues Umfeld kann bei deinem Kind eine Vielzahl von Emotionen auslösen, angenehme und weniger angenehme. Ein Blick in unsere Foren verrät: Eltern fühlen sich schnell schuldig, wenn sie ihr Kind weinend in der Kita zurückgelassen haben. Die wenigsten raten zum knallharten Gehen. Und gerade wenn das Weinen über einen längeren Zeitraum anhält, hadern einige Eltern sogar ganz mit ihrer Entscheidung, ihr Kind überhaupt in einer Kita angemeldet zu haben.

Jan-Uwe Rogge ist Experte für Kindererziehung. Im Video (unten) erklärt er, dass es bei Kindern, die in dieser neuen Situation weinen, zwei Formen von Tränen gibt, die es zu unterscheiden gilt: Zum einen die Abschiedstränen, mit denen dein Kind berechtigt seine Gefühle zum Ausdruck bringen möchte und gleichzeitig Stresshormone abbaut, und zum anderen Tränen, die Aufmerksamkeit erzeugen sollen und als Druckmittel eingesetzt werden. Als Mama oder Papa eines weinenden Kindes ist es natürlich nicht immer leicht zu analysieren, um welche Art von Tränen es sich handeln könnte, und dann entsprechend zu reagieren.

singlePlayer

Wie reagiere ich, wenn mein Kind beim Abschied im Kindergarten weint?

In einem unserer Foren schreibt Miriam (Namen aller User geändert), wie ihre dreijährige Tochter von heute auf morgen nicht mehr in den Kindergarten gehen wollte. Bei der Trennung von ihrer Mutter weinte sie bitterlich. Sobald Miriam aber aus ihrem Sichtfeld verschwunden war, trockneten die Tränchen so schnell, wie sie gekommen waren. Miriam brach es dennoch das Herz. Kathrin, eine andere Userin und Mutter, hat Verständnis – auch ihre beiden jüngeren Kinder weinen derzeit noch beim morgendlichen Verabschieden. Bei ihrer älteren Tochter lief die Eingewöhnung aber zuvor gut. Sie setzte damals (und auch jetzt wieder) auf klare Rituale und ein schnelles Verabschieden, und rät dies nun auch Miriam.

Mit diesen Tipps liegt Kathrin, Experten zufolge, goldrichtig. Denn geht es um tränenreiche Abschiede im Kindergarten, empfehlen sie zu allererst, Rituale zu etablieren und die Verabschiedung selbst kurz zu halten. Grund dafür: Spürt das Kind erst einmal, dass Mama oder Papa mit Abschiedsschmerz zu kämpfen haben, führt es bei ihm zu einer grundlegenden Verunsicherung: Wenn Mama oder Papa sich nicht trennen wollen, dann sollte ich das vielleicht auch nicht? Kann ich den Betreuern wirklich vertrauen? Kommen meine Eltern überhaupt wieder?

Daher ist es wichtig, positiv und entspannt zu wirken (auch wenn es einem vielleicht das Herz zerreißt). Denn nur so wird das Vertrauensverhältnis gegenüber den Erziehern gestärkt. Eltern, die ein solches Vertrauen gegenüber den Erziehern ausstrahlen, übertragen dies positiv auf ihre Kinder. Und merkt ein Kind erst einmal, dass Mama und Papa jeden Tag zur gleichen Zeit wieder im Kindergarten zur Abholung bereitstehen, wächst das Vertrauen immer weiter – solange, bis die Freude über die neu gewonnenen Freunde und die anderen Spielsachen den Abschiedsschmerz ablöst.

Was, außer Ritualen, kann Trennungsängsten entgegenwirken?

Eine Mutter tröstet ihr weinendes Kind.
iStock, alvarez

Userin Lena ist verzweifelt. Ihr Sohn klammert, weint und schreit, wenn sie ihn im Kindergarten zurücklassen soll. Nun überlegt sie bereits, ihn wieder abzumelden.

Keine leichte Situation. Niemand sieht sein Kind gerne weinen. Aber sollte sie ihren Sohn deshalb beim Kindergarten abmelden? Verschiebt dies das Problem nicht nur in die Zukunft, solange, bis das Kind in die Schule muss? Einige User raten zum Weinenlassen, andere haben ähnliches erlebt und suchen selbst nach neuen Ideen.

Hier findest du Tipps von Usern und Experten die, neben dem Etablieren von Ritualen, bei tränenreichen Kita-Verabschiedungen helfen können:

  • Stehe hinter deiner Entscheidung: Du hast recherchiert, dein Kind auf Wartelisten gesetzt, dir verschiedene Kindergärten angeschaut. Bei der Eingewöhnung läuft jetzt leider nicht alles glatt. Kein Grund, deine Entscheidung gleich anzuzweifeln. Erinnerst du dich noch, warum du dein Kind gerade bei dieser Kita angemeldet hast? Was hat dich überzeugt? Die Erzieherinnen? Die Ausstattung? Das pädagogische Konzept? Vielleicht hattest du auch nur die eine Option. Dennoch: Warum wird es deinem Kind in diesem Kindergarten gut gehen, und was kann es Positives für sein Leben von dort mitnehmen? Nur wenn du selbst mit deiner Entscheidung im Reinen bist, kannst du sie deinem Kind auch ehrlich vermitteln.
  • Schleich dich nicht davon: Tim spielt glücklich mit einem Holzpuzzle. Mama ist erleichtert und schleicht sich zur Ausgangstür. Was zunächst wie ein unkomplizierter Abschied aussehen mag, kann genau das Gegenteil zur Folge haben. Denn dein Kind verliert so Vertrauen. Besser: Lächele ihm zu, drück ihn vielleicht kurz, verabschiede dich und sag, wann du wieder da sein wirst. Ein paar aufbauende Worte können auch helfen. Dann kannst du ohne große Umschweife gehen. Und auch wenn du vielleicht selbst etwas traurig bist oder dir Sorgen machst, versuch es dir nicht anmerken zu lassen. So kann dein Kind mit einem guten Gefühl bei den Erzieherinnen bleiben.
  • Gib deinem Kind sein Lieblingskuscheltier mit (falls du das nicht sowieso tust): Manche Kinder haben ein Lieblingskuscheltier oder eine kleine Decke, die sie vor allem in neuen Situationen als Trostspender nutzen. In den meisten Kitas ist das Mitbringen von solchen Kuscheltieren erlaubt. Es lohnt sich in jedem Fall nachzufragen.
  • Verzichte auf Überraschungsbesuche: Spontanbesuche können zwar verlockend klingen, bergen aber auch die Gefahr, gerade etablierte Routinen wieder durcheinander zu bringen. Besser: An ohnehin von der Kita oder dem Kindergarten geplanten Veranstaltungen, zum Beispiel an einem gemeinsamen Bastelnachmittag oder einem Basar, vorbeikommen. Eben dann, wenn auch Eltern anderer Kinder vor Ort sind.
  • Lies Kinderbücher vor, die sich mit dem Thema beschäftigen: Gemütliche Vorlesestunden machen Spaß und schaffen Geborgenheit. Und: Eventuelle Probleme lassen sich ganz nebenbei ansprechen. Mit einem Bilderbuch über Kinder, die in die Kita kommen, könnt ihr euer Kind vorbereiten und ihm auch die Gelegenheit geben, über eventuelle Ängste und Unsicherheiten zu sprechen.
  • Lass dein Kind von jemand anderem in die Kita bringen: Vielleicht haben Oma oder Oma Zeit, das Hinbringen für ein paar Tage zu übernehmen? Oder eine andere Person, mit der das Kind gut vertraut ist? So kann die Trennung leichter fallen!

Wie lange braucht mein Kind, um sich auf die neue Situation einzustellen?

Bis ein Kind vollständig in seine Kita integriert ist, und es so ganz ohne Weinen klappt, kann es eine Weile dauern. Wie lange die Eingewöhnung konkret dauert, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Denn während sich manche Kinder vom ersten Tag in ihrem neuen Umfeld wohlfühlen, brauchen andere bis zu vier Wochen Zeit, um sich an die veränderte Betreuungssituation zu gewöhnen.

Es kann auch vorkommen, dass dein Kind nie Probleme mit fremden Umgebungen hatte, eventuell bereits in einem Kindergarten integriert war, vielleicht sogar gerne hinging – und auf einmal möchte es das Haus nicht mehr in Richtung Kita verlassen. Manchmal liegt dies an längeren Pausen in der Betreuungsphase, durch Schließzeiten oder einen Urlaub. Unabhängig vom Auslöser: Solche Entwicklungen sind für alle Beteiligten eine Herausforderung. Gut zu wissen: Experten zufolge sind auch diese Phasen ein ganz normaler Bestandteil der kindlichen Entwicklung. Und diese verläuft schließlich nicht immer gradlinig.

Hören denn alle Kinder spätestens nach vier Wochen auf zu weinen?

Glückliche Kinder in der Kita.
iStock, wundervisuals

Leider nicht. Hier lohnt sich ein Gespräch mit den Erzieherinnen. Sie haben Erfahrungen mit unterschiedlichen Kindern in solchen Situationen und wissen oft Rat. Wenn gar nichts hilft, lohnt sich ein Gang zur Erziehungsberatungsstelle. Aber kein Grund zur Sorge: Dies ist nur in Ausnahmefällen nötig!

In den meisten Fällen verläuft die Kita-Eingewöhnung ohne größere Schwierigkeiten. Nach einiger Zeit versiegen die Tränen, die Verabschiedungen werden fröhlicher und der Kindergarten wird zu dem, was er eigentlich sein sollte: ein schöner Ort für Freundschaften und die kindliche Entwicklung.

Quellen: