Krise im Kindergarten
 
Da geh ich nie mehr hin!

Die erste Zeit im Kindergarten verläuft bestens. Doch plötzlich streikt das Kind morgens und will nicht mehr hingehen. Es gibt gute Gründe, woran das liegen kann aber auch Möglichkeiten, wie Eltern ihre Kinder motivieren können.

Krise im Kindergarten: Da geh ich nie mehr hin!
iStock, Juanmonino

Oft kommt die Krise mit Verzögerung. Warum?

Weil die ersten Tage noch zu aufregend sind, um darüber nachzudenken, was alles um einen herum passiert und was oder wer einem nicht gefällt. Nach einigen Wochen ist der Reiz des Neuen verflogen - ohne dass das Kind seinen Platz in der Gruppe schon gefunden hätte. Die Aufregung weicht - Unsicherheit und Protest macht sich breit. Manchmal lösen auch zu hohe Erwartungen eine Krise aus. Dann ist das Kind enttäuscht - vom Kindergarten oder von sich selbst. Letzteres kann passieren, wenn Erwachsene einem Dreijährigen das Bild vom "großen Kindergartenkind" in zu bunten Farben geschildert haben, das Kind jedoch bald merkt, dass es diesen Erwartungen nicht entsprechen kann, weil es sich in der neuen Umgebung eher klein und unsicher fühlt.

Die Frischlinge beginnen jedenfalls erst langsam zu realisieren, wie sehr sich ihr Leben ändert uns sie nun eine festen Wochenplan haben. Sie stellen fest, dass ihre Mutter nicht mehr - wie gewohnt - jederzeit verfügbar ist, sondern plötzlich eigene Wege geht, wenn sie zum Beispiel nach der Elternzeit wieder in ihren Beruf einsteigt. Manche Kinder bekommen aber auch die Krise, weil das kleine Geschwisterchen zu Hause bleiben kann, während sie in den Kindergarten gehen müssen. Sie sind schlicht und ergreifend eifersüchtig, wenn nicht sie, sondern Bruder oder Schwester die Mutter für sich alleine hat.

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Wie finde ich heraus, wo mein Kind der Schuh drückt?

Gar nicht so einfach. Denn die Frage, wie es im Kindergarten war, wird häufig mit hartnäckigem Schweigen beantwortet. Den meisten Kindern muss jedes Wort einzeln aus der Nase gezogen werden. Das ist nachvollziehbar, schließlich reden sie ja im Kindergarten die ganze Zeit. Zwei weitere gute Gründe zu schweigen: Die vielen Eindrücke sind noch nicht verarbeitet, oder es sind Dinge passiert, die schon einem Dreijährigen peinlich sind. Anlässe gibt es genug: Ein Glas umschütten, ein Wort falsch aussprechen, im falschen Moment weinen. Nachbohren bringt wenig. Am ehesten erfährt man als Erwachsener etwas, wenn man nicht ständig fragt, sondern erzählt, was man selbst den Tag über so getrieben hat. Oder wenn man ein paar Sätze mit der Erzieherin wechselt. Vielleicht finden Sie so heraus, was Ihr Kind bedrückt. Die Gründe erscheinen uns Erwachsenen oft banal, aber einem Kind können sie schwer im Magen liegen. Zum Beispiel, wenn es

  • im Kindergarten etwas kaputt gemacht hat und sich deshalb vor Strafe fürchtet;
  • zweimal aus der Puppenecke vertrieben wurde, weil die "Vater-Mutter-Kind-Familie" schon komplett war;
  • sich weder traut, allein aufs Klo zu gehen, noch wagt, die Erzieherin zu bitten, ihm den Po abzuputzen.

Kann die Unlust auch tiefere Ursachen haben?

Ja. Zum Beispiel dann, wenn ein Kind von Mutter und Vater kaum unterstützt oder ermuntert wird. Oder wenn die Eltern selbst unsicher sind, ob sie ihrem Kind die Betreuung schon "zumuten" können. Jeder Kindergarten-Neuling braucht

  • Verständnis. Für Drei- oder Vierjährige sind die ersten Wochen in der neuen Umgebung ein Kraftakt. Speziell von Einzelkindern, die noch nicht besonders viel Erfahrung mit Gleichaltrigen haben, verlangt das Treiben einer 25-köpfigen Gruppe ungeheuer viel Anpassung. Was ein dreijähriger Starter überhaupt nicht gebrauchen kann, ist das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Sicherer und stabiler fühlt er sich, wenn er spürt: "Mama und Papa verstehen meine Angst und helfen mir";
  • ein klares Ja zum Kindergarten. Nicht alle Eltern sind sich sicher, dass die Entscheidung für den Kindergarten richtig war. Es fällt ihnen schwer, sich von ihrem Kind zu trennen, manche haben ein schlechtes Gewissen, weil sie fürchten, ihr Kind könne sich abgeschoben fühlen. Die Kinder spüren diese Unsicherheit und verstärken sie sogar noch. Eltern, die voll und ganz hinter ihrer Entscheidung stehen, berichten viel seltener über Startprobleme.

Was tun, wenn es morgens immer wieder Tränen gibt?

  • Die Verabschiedung im Gruppenraum möglichst kurz halten.
  • Sich keinen Schmerz anmerken lassen – auch wenn einem das Weinen und Klammern seines Kindes natürlich in der Seele wehtut.
  • Der Erzieherin das Kind möglichst ruhig übergeben. Sie sollte es nicht wegziehen, während es sich am Bein der Mutter oder des Vaters festklammert.
  • Sich nicht wegstehlen.
  • Den Kindergarten nicht nach einem Streit mit dem Kind verlassen.

Fällt der morgendliche Abschied trotz allem noch schwer, versuchen Sie es mal damit:

  • Lassen Sie Ihr Kind zur Abwechslung von jemand anderem in den Kindergarten bringen, zum Beispiel vom Vater oder von der Oma. Oft klappt die Übergabe mit einer anderen Person völlig problemlos.
  • Erlauben Sie ihm (in Absprache mit der Erzieherin), sein Lieblings-Schmusetier als Tröster und Beschützer mitzunehmen.
  • Bringen Sie Ihr Kind morgens so früh wie möglich in den Kindergarten. Es gehört dann zu den Ersten, und es haben sich noch keine Grüppchen gebildet.

Soll ich mein Kind zwingen - oder nachgeben?

Eines Tages kommt es zum Schwur: Ein dreijähriges Rumpelstilzchen steht schreiend im Flur und weigert sich, seine Jacke anzuziehen und aus dem Haus zu gehen. Was tun? Am besten "Urlaub" beantragen: Sprechen Sie ganz offen im Besein Ihres Kindes mit der Erzieherin und fragen Sie, ob Ihr Kind einen Urlaubstag nehmen darf. Diesen Urlaubstag darf dann das Kind selbst nehmen. Bei berufstätigen Eltern muss das Kind seinen "Kindergartenurlaub" mit der Urlaubsplanung der Eltern abgestimmen. Diese Lösung gibt dem Kind die Chance, ein Stück weit selbst zu entscheiden, wann es frei nimmt und es lernt dabei, dass es keinen Druck ausüben muss, um einen Tag frei zu bekommen.

"Kindergartenurlaub" sollte aber die Ausnahmen bleiben. Denn fällt der Kindergarten alle paar Tage aus, entsteht schnell der Eindruck, Kindergarten sei eigentlich nicht besonders wichtig. Und: Kindern, die selten da sind, fällt es erst recht schwer, in die Gruppe hineinzuwachsen und Freunde zu finden. Sie bleiben eher Außenseiter, was den Widerwillen nur noch verstärkt. Ein Teufelskreis.

Wie lange dauern Startprobleme in der Regel an?

Normalerweise sind Kinder nach sechs bis acht Wochen eingewöhnt. Das heißt, sie weinen nicht mehr beim Abschied und gehen in der Regel ohne Widerwillen aus dem Haus. Sie stehen in der Gruppe nicht mehr abseits, spielen gern und ausdauernd, suchen Trost bei der Erzieherin und sagen, wenn sie etwas brauchen. Haben Eltern auch nach zwei Monaten noch das Gefühl, dass ihr Kind leidet, sollten sie über eine längere Pause nachdenken oder sogar überlegen, ob ihr Kind nicht doch lieber noch ein Jahr zu Hause bleibt.

Ist mein Kind vielleicht gar nicht kindergartenreif?

Es gibt zwar einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz für alle Kinder, die das dritte Lebensjahr vollendet haben. Das heißt aber nicht, dass jedes Kind pünktlich zum dritten Geburtstag in den Kindergarten muss oder dass der Beginn des Kindergartenjahres immer der optimale Start-Zeitpunkt wäre. Denn: Dreijährige sind unterschiedlich weit in ihrer Entwicklung, auch ihr Temperament kann sich stark unterscheiden. Es kann die richtige Entscheidung sein, ein ängstliches und sehr zurückhaltendes Kind wieder aus dem Kindergarten zu nehmen, um es ein halbes oder ein Jahr später noch einmal zu versuchen - wenn es seine sozialen Fähigkeiten erweitert hat und Angst und Ärger besser verarbeiten kann. Oder wenn sich die Situation zu Hause etwas entspannt hat, weil z. B. die Eifersucht auf das Geschwister verflogen ist. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Kind einfach nicht in seine Gruppe passt. Oder sich mit der Erzieherin nicht versteht. Dann hilft nur ein Wechsel in eine andere Gruppe bzw. einen neuen Kindergarten.