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Mehrfachimpfungen beim Baby Alles, was zu zum "2+1"-Plan wissen musst

Mehrfachimpfungen  beim Baby: Baby, das geimpft wird
© Purd77 / Shutterstock
"2+1" heißt der neue Impfplan für die Mehrfachimpfungen bei Babys im ersten Jahr. Das müsst ihr dazu wissen.

Worum geht es?

Um den Schutz von Babys vor sechs Infektionskrankheiten: Diphterie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Keuchhusten (Pertussis), Polio, Haemophilus influencae Typ b (Hib) und Hepatitis B. Gegen sie gibt es in Deutschland seit zwanzig Jahren Kombinationsimpfstoffe, das heißt: eine Spritze gegen alle sechs Erreger. Die Impfung muss aber wiederholt werden.

Wofür steht "2+1"?

Bisher bekamen Babys die Spritze vier Mal: mit zwei, drei und vier Monaten sowie eine spätere zwischen dem elften und 14. Monat. Seit 2020 fällt die Dosis mit drei Monaten weg, aus "3+1" wurde "2+1": Nur Frühchen bekommen weiterhin vier Spritzen. Bei allen Kindern sollte der letzte Termin vor dem ersten Geburtstag erledigt sein. Damit es vor dem Kita-Start nicht stressig wird: bitte auch die Masernimpfung mit elf Monaten nicht verschieben!

Impfstart mit acht Wochen – muss das sein?

Ja, sagt die Ständige Impfkommission (STIKO). Sehr junge Säuglinge sind am meisten gefährdet für einen schweren Verlauf, etwa bei Keuchhusten oder einer Gehirnhautentzündung durch Hib-Bakterien. Zwar haben junge Babys eine Leihimmunität gegen Erreger, gegen die ihre Mutter immun ist, aber verlassen solle man sich nicht darauf, so der Berliner Kinderarzt Dr. Herbert Grundhewer, Mitglied der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ): "Wie lange und wie stark mütterliche Antikörper ein Kind schützen, ist je nach Erreger verschieden."

Warum reicht jetzt ein Termin weniger?

Die STIKO hat einen Aspekt der Grundimmunisierung neu bewertet: den Schutz vor Keuchhusten. Nur aufgrund dieser Komponente hielt sie bisher vier Dosen für nötig, für die anderen galten drei als ausreichend. Ein Vergleich verschiedener Impfkonzepte in Europa ergab jetzt: Auch vor Keuchhusten sind Babys mit drei Impfungen fast genauso sicher wie mit vier.

Was heißt "fast genauso sicher"?

Rechnerisch stecken sich mit "2+1" jährlich fünf Säuglinge mehr mit Keuchhusten an, von denen (höchstens) einer zusätzlich ins Krankenhaus muss. Termingerechtes Impfen ist mit dem neuen Schema noch wichtiger: im Alter von acht Wochen, vier Monaten und elf Monaten. "Fiebert das Baby, muss die Spritze verschoben werden", so Kinderarzt Grundhewer. "Bei Fieber schlägt die Impfung nicht an." Eine leichte Erkältung ist kein Hinderungsgrund.

Ist Keuchhusten nicht selten?

Nein: Die Krankheit zählt bei uns zu den sieben häufigsten Infektionskrankheiten! Die Dunkelziffer soll hoch sein, am häufigsten trifft es Säuglinge, die (noch) nicht oder erst einmal geimpft sind. Typische Keuchhustenanfälle sind bei Babys selten, Atemstillstände leider häufig. Sie können bleibende Organschäden verursachen.

Wie gefährdet sind Babys?

Vor rund 100 Jahren starben in Deutschland noch mehr als 10 000 Babys im Jahr daran. Seit 2013 führte die Krankheit bei zwei Kindern zum Tod – beide waren jünger als vier Monate. Unter erkrankten Kindern im ersten Lebenshalbjahr muss heute etwa jedes zweite ins Krankenhaus.

Brauche auch ich eine Auffrischung?

Seit März 2020 empfiehlt die STIKO, dass sich jede werdende Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel impfen lässt. Aber: Es kommt auf die Immunität aller an. Deshalb sollte jeder Erwachsen den Schutz einmalig auffrischen lassen. Kinder werden mit fünf und ab neun noch mal geimpft. Und: Wenn ein Baby unterwegs ist, sollten sich alle im Haushalt eine Auffrischung verpassen lassen.

7/2021 ELTERN

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