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Sport Ballett für Jungs

Zwei Jungen beim Ballett
© Photobac / Shutterstock
Fußball spielen und Skateboard fahren, das ist was für Jungs - aber Ballett? Warum eigentlich nicht? Kraft, Ausdauer, Körpergefühl und ein Gefühl für Musik und Rhythmik, das alles schult der Tanzunterricht. Was Jungs am Tanzen schön finden.

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Wenn Aljoschas Freunde jeden Dienstagnachmittag ins Fußballtraining gehen, steht der 14jährige an der Ballettstange. Konzentriert beobachtet er sich im großen Spiegel des Ballettsaals und übt seine Haltung in den fünf Grundpositionen des klassischen Balletts. Zusammen mit Gabor (9), Moritz (7) und Senedin (6), tanzt Aljoscha jede Woche im Tanzprojekt Starnberg zu klassischer Klaviermusik. Insgesamt zehn Jungs besuchen die Ballettschule von Nikolay und Julia Georgiew. Zehn Jungs unter 200 Mädchen. Der jüngste männliche Tanzschüler ist vier, der älteste 16 Jahre.

"Das ist nichts für Jungs"

"Jungs sind leider Mangelware", sagt Julia Georgiew. "Wenn die Buben klein sind, stehen sie dem Ballett noch unbefangen gegenüber und probieren es gerne aus", so die Erfahrung der ehemaligen Tänzerin, "aber schon im Kindergarten geht die Hänselei los."
Widerstand gegen den Ballettunterricht kommt aber auch häufig aus der eigenen Familie: "Viele Väter sehen es nicht gerne, wenn der Sohn Ballett macht. Dann heißt es: 'Das ist nichts für Jungs, mein Sohn soll lieber Fußball spielen.'"
So oder so ähnlich war es bei fast allen Jungs der kleinen Ballettklasse. "Mein Vater hat auch erst gemeint, dass das kindisch ist," erzählt Gabor, "aber jetzt sieht er, dass es mir Spaß macht und findet es in Ordnung." Aljoscha tanzt seit acht Jahren. Sein Vater hat mittlerweile sogar den Keller umgebaut und mit Spiegel und Stange ausgestattet. "Da übe ich fast täglich. Mein Vater weiß, dass es mir so wichtig ist", sagt der 14jährige, dessen Traum es ist, einmal als Tänzer auf der Bühne zu stehen.

Spaß an der Bewegung

Moritz ist sieben und geht seit einem halben Jahr in den Ballettunterricht, Gabor ist neun und schon seit zwei Jahren dabei: "Wir spielen aber auch Fußball oder fahren Inlineskates," erzählt Moritz, "und Leichtathletik mache ich auch gerne." Aber Ballett ist anders: "Ich finde es viel abwechslungsreicher als Fußball", meint Gabor, "beim Ballett gibt es viele verschiedene Möglichkeiten von Sprüngen und Drehungen und Schritten, das hat man beim Fußball nicht."
Zum Ballettunterricht kamen die meisten Jungs über ihre Mütter. "Meine Mutter tanzt hier auch und da wollte ich es mal ausprobieren", erzählt Gabor. Bei Moritz war es ähnlich und der siebenjährige Senedin wächst quasi zusammen mit seinen zwei kleineren Brüdern im Ballettsaal auf: Er ist der älteste Sohn von Julia und Nikolay Georgiew, die beide jahrelang als professionelle Tänzer am Theater gearbeitet haben.

Erste Erfahrungen

Mit vier Jahren können Kinder frühestens mit kreativem Kindertanz beginnen, ab fünf Jahren gibt es einen Lehrplan, der die Grundzüge des Balletts spielerisch vermittelt. "Man kann beim Ballett viel falsch machen," warnt Julia Georgiew, "es gibt viele schlechte Lehrer, die die Kinder überfordern."
Ein negatives Image hat Ballett auch wegen seiner möglichen körperlichen Folgeschäden, wie überdehnte Bänder, überlastete Gelenke und Muskelzerrungen. Im Kinderballett, das spielerisch ein erstes Gefühl für Bewegung, Rhythmus, Tempo und Koordination vermitteln soll, treten diese Probleme bei fachgerechtem Unterricht nicht auf.
Etwas befremdend ist die Atmosphäre aber trotzdem: Der Ballettlehrer, der in einer freundlichen aber bestimmten Art erwartet, dass seine Kommandos befolgt werden und Kinder, die versuchen, standardisierte Bewegungsmuster noch etwas ungelenk nachzuvollziehen.
Das alles wirkt wenig kindgerecht, auch wenn die Jungs mit Freude und Eifer bei der Sache sind. Auch mit der geforderten Disziplin haben die Kinder keine Probleme: "Mich stört das nicht, dass wir ziemlich viel vorgeschrieben bekommen," meint der neunjährige Gabor, "Disziplin muss man überall mitbringen, auch beim Fußball."
 

Infos: Soll mein Junge tanzen?

Warum nicht? Wenn Ihr Sohn sich fürs Tanzen interessiert, dann lassen Sie ihn an einer kostenlosen Probestunde teilnehmen. Vielleicht ist es ganz anders, als er es sich vorgestellt hat, vielleicht gefällt es ihm aber auch so gut, dass er am liebsten gleich die Tanzschläppchen anziehen will und seine erste Pirouette üben möchte. Lassen Sie ihr Kind seine Träume leben, das hilft ihm, sich selbst kennen zu lernen. So kann Ihr Kind seine Stärken und Schwächen ausloten und auch erfahren, dass man für manche Träume geeignet ist, andere Träume aber auch nicht zu einem passen.

Was kostet das?

Die Ausrüstung für Jungs umfasst Tanzschläppchen, ca. 15 Euro, eine schwarze, eng anliegende Gymnastikhose, ca. 20 Euro und ein normales, weißes T-Shirt, ca. 10 Euro. Der Monatsbeitrag für den Ballettunterreicht beträgt ca. 45 Euro.

Links

www.tanzprojekt-starnberg.de
www.ballet-world.de

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