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Uli Bliffert Wollen wir nun einen Hund?

Uli Bliffert: ein kleiner blonder Junge steht neben einem schwarzen Hund
© Halfpoint / Shutterstock
Wollen wir nun einen – oder doch besser nicht: Während die anderen schon lange mit ihren Corona-Hunden Gassi gehen, kann sich unsere Autorin Uli Blieffert immer noch nicht entscheiden. Einerseits ist da die Magie der gehobenen Hunde-Braue. Andererseits … Jetzt hat sie Menschen mit Hunde-Erfahrung um Unterstützung gebeten.

Der Hundeblick lässt Herzen höher schlagen

Ein Hund kann seine inneren Augenbrauen anheben, habe ich gelesen. Anders als der Wolf. Das ist ein Trick der Evolution, denn: So ein Blick wirkt. Nicht auf andere Hunde, nein, sondern auf den Menschen. Eine Studie hat sogar ergeben, dass Hunde in Tierheimen, die ihre Brauen besonders häufig heben, tatsächlich schneller ein neues Zuhause finden. Zum Hundeblick kam dann noch Corona hinzu: Viele Leute saßen (und sitzen) im Homeoffice, hatten eh keine anderen Termine mehr – und so ging der Run auf Haustiere los. Auch viele Familien erfüllten sich den Traum vom Hund. Wenigstens der konnte sie noch unbürokratisch auf ihren Spaziergängen durch Parks und Wälder begleiten. Inzwischen, so hörte ich, sind einige dieser Tiere schon wieder abgegeben worden. Ist das die Chance für meinen 14-jährigen Sohn und mich?

Mein Sohn hat sich jahrelang einen Hund gewünscht. Und ich hatte immer etwas dagegen. Was, wenn der Hund eine Macke hat – so wie der Dackel meiner Tante eine hatte – und erst zutraulich guckt, um dann seine Zähne in die Hand zu schlagen, die ihn füttert? Passt so ein Fleischfresser überhaupt in unsere Familie, wo wir doch gerade nach Yotam Ottolenghis "Genussvoll vegetarisch" kochen? Und was ist das für ein Gefühl, in einen warmen Hundehaufen zu greifen? Plastiktütchen hin oder her – wollen wir das? Und bleibt das am Ende nicht alles an mir hängen?!

Inzwischen bin ich ein bisschen melancholisch, weil mein Sohn sich gar nicht mehr so absolut und blauäugig für ein Haustier begeistern kann, wie er das als kleiner Junge gemacht hat. Dafür könnte er jetzt deutlich mehr Verantwortung übernehmen. Kann ich mich vielleicht an seiner Stelle begeistern?

Welcher Vierbeiner passt?

Auch ich lasse mich von "AU101", so der Fachausdruck für die oben erwähnte gehobene Augenbraue, rühren. Vor allem aber gucken mir französische Bulldoggen tief in die Seele. Unbeschreiblich! Aber dann kommt – wie auf Kommando – jemand vorbei und sagt: "Denen fallen auch öfter mal die Augen aus dem Kopf. Und dann schnaufen die die ganze Zeit, weil sie keine Luft kriegen! Völlig überzüchtet …" Wer sich gerade verliebt hat, will so was natürlich nicht hören. Und besonders mein Sohn macht mir einen fetten Strich durch die Rechnung: "Ich sagte Hund – nicht Fledermaus. Mit so einem gehe ich nicht vor die Tür."

Und was nun? Amour fou oder eine familienkompatible Vernunftlösung? Während unsere Nachbarn schon seit Monaten mit Corona-Hund ihre Runden drehen, drehen wir uns bloß im Kreis und diskutieren, ohne mit der Entscheidung voranzukommen. Aber wozu gibt es Coaches?

Birgit Harders berät Menschen in komplizierten Lebenslagen. Sie hat die Vierbeiner zudem selbst jahrelang gezüchtet – und ist Besitzerin eines ganzen Rudels von Hunden verschiedener Rassen und unterschiedlichen Alters. "Welche Fragen sollten wir uns denn stellen?", frage ich sie. "Vor allem eine: Wollt ihr Verantwortung für ein anderes Lebewesen übernehmen? Und zwar unabhängig davon, was das im Detail alles bedeuten wird." Denn ein bisschen sei es eben wie beim Kinderkriegen: Keiner könne vorher wissen, was da kommt. "Der Hund hat seine eigenen Bedürfnisse. Er braucht Futter, Bewegung und Liebe. Er kann nicht allein für sich sorgen. Deshalb muss man sich sicher auch von einigen Routinen, Menschen oder Urlaubsorten verabschieden, weil Hunde dort nicht willkommen sind", so Harders. Kurz: Man sollte bereit sein, sich auf ein gemeinsames Abenteuer einzulassen.

Eine Nummer kleiner anfangen

Abenteuer klingt gut – aber vielleicht erst mal ’ne Nummer kleiner. Wir verabreden uns mit einer Freundin zum Gassigehen, damit wir mal einen realistischen Eindruck bekommen. Außer ihrem drahtigen Mischling bringt sie noch den Terrier der Nachbarin mit. Der ist klein, kompakt, freundlich – ein Charaktertyp, der mir auf Anhieb besser gefällt als der rasende Wirbelsturm, der um meinen Sohn herumspringt. "Pass nur auf, wenn er einem größeren Hund begegnet", sagt meine Freundin noch, "dann musst du ihn kurz halten, denn kleine Hunde sind wie kleine Männer …"

Am Ende unseres Spaziergangs hat der Terrier einen Kampfhund-Welpen gebissen, dessen Besitzer – ein kleiner Mann – sofort verbal auf uns losgegangen ist. Ohne Maul- äh, Mundschutz. Mit allem hatte ich gerechnet, Smalltalk und Flirts unter Hundehaltern, nur damit nicht. Der Kommentar meiner Freundin: "Der arme Welpe. Am Ende wird er noch so wie sein Herrchen." – "Ist das so?", will ich später von Birgit Harders wissen, denn da kämen auch auf meinen Sohn und mich noch weitere Überlegungen zu. "Darin liegt auch eine große Chance", so die Expertin, "Hunde sind sehr auf den Menschen bezogen, sie passen sich ihm an – im Guten wie im Schlechten."

Im Guten? "Wenn ein Hundehalter innere Klarheit besitzt, dann spürt das Tier das, es wird sich nicht gegen sie oder ihn auflehnen." Und im Schlechten? "Manchmal muss man auf dem Weg zur Klarheit auch noch ein paar gemeinsame Schritte gehen. Junge Hunde fressen beispielsweise gern Schuhe an. Was soll ein Kind machen, wenn die Lieblings-Sneakers ein paar Zahnabdrücke haben?" Dem Tier dann einen wütenden Tritt zu geben sei keine sinnvolle Lösung: "Kinder können aber ihr Feingefühl erproben. Verstehen, dass der Welpe es nicht besser weiß und auch eine Strafe daran nichts ändern wird." Und dann? "Durch solche alltäglichen Erlebnisse lernen Kinder – und nicht nur Kinder –, wie man gut miteinander auskommt." Und Verantwortung zu übernehmen hieße in diesem Fall, dass man seine Schuhe in den Schrank räumt.

Nicht die Optik ist entscheidend

Gemeinsam auf dem Weg zur Klarheit – ein schönes Motto. Unterstützung von Leuten, die diesen Weg schon gegangen sind, kann man dabei auf jeden Fall gebrauchen, rät uns eine Bekannte. Sie hat ihren Pflegehund nach zwei Wochen wieder zu der Tierschutzorganisation gebracht, von der sie ihn hatte. Das Problem: Ein Tier mit unbekannter Vorgeschichte geht manchmal ohne ersichtlichen Anlass auf Menschen los – etwa auf Männer oder Kinder. "Ich wollte etwas Sinnvolles tun, dem Hund helfen. Deshalb kam ein Zuchttier für mich nicht infrage", sagt sie. Letztlich war der Mischling – den sie zuvor nur auf Fotos gesehen hatte – aber für sie zu groß und willensstark, um ihn im Alltag angemessen zu erziehen: "Ich hätte ihn sogar mit zur Arbeit nehmen dürfen, aber er hat wie verrückt gebellt und mich gezwickt. Ich hab’ geheult, als ich merkte, ich krieg’s nicht hin." Und wenn man dann noch kleine Kinder hat? Oder alleinerziehend ist? Auch wir sollten nicht nur nach der Optik gehen, sondern vorher einschätzen, ob das potenzielle neue Familienmitglied freundlich und eher pflegeleicht ist.

"Es macht Sinn, sich vorher einmal zu beschnuppern", meint auch Birgit Harders. Bevor man eine endgültige Entscheidung trifft, könne man bei einem oder mehreren Besuchen hineinfühlen, ob die Chemie stimmt. "Gerade Kinder spüren ganz genau, was sie wollen und was nicht." Letztendlich entscheide sich aber der Hund für seine Menschen – und nicht umgekehrt. "Keiner wird ein Tier zu sich nehmen, das sich intuitiv abwendet", so Harders.

Und das machen wir jetzt: uns umschauen, die Augen offen halten, Begegnungen sammeln – im Tierheim, auf einer Hundemesse?! Vielleicht werden wir endlich ausgesucht.

Geht’s auch ohne?

Wer sich selbst vegetarisch oder vegan ernährt, möchte verständlicherweise nicht täglich Fleisch an seinen Hund verfüttern. Manche Tierärzte und auch Universitätskliniken bieten Beratungen zur ausgewogenen Hundeernährung an. Und besonders Tiere, die noch wachsen, sollten regelmäßig untersucht werden, um einen Nährstoffmangel zu vermeiden.

Achtung – illegaler Welpenhandel

Die große Nachfrage nach Hunden machen sich auch organisierte Tierhändler zunutze, die auf Online-Foren oder per Kleinanzeige Welpen anbieten. Die Hunde sind oft krank, traumatisiert, viele wurden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt. Deshalb sollten wir nicht per Mausklick kaufen – sondern die Händler erst mal persönlich treffen. Ob seriös oder nicht, das zeigt sich meist schon bei Fragen zur Herkunft der Tiere.

Erst mal klein anfangen?

Es muss ja nicht immer gleich ein Hund sein: Hier ist eine kleine Übersicht über die beliebtesten Haustiere – und ihre Vor- und Nachteile

Vorteil

Nachteil

Alter*.  

Hund

s ehr sozial • hoher Schmusefaktor • viel Interaktion • guter Spielkamerad

arbeitsintensiv (braucht viel Auslauf und Erziehung (Hundeschule)) • hohe Kosten • Achtung: Nicht jeder Hund ist für eine Familie mit kleinerem Kind geeignet

ab 6

Katze

hoher Schmusefaktor (wenn die Katze das mag) • pflegeleicht (kann sich mit sich selbst beschäftigen) • kein Gassi

eigenwillig • idealerweise keine Einzelhaltung (falls Haltung in einer Wohnung) • Allergien auf Katzenhaare sind recht häufig

ab 6

Kaninchen

hoher Niedlichkeitsfaktor • kuschelweiches Fell

keine Einzelhaltung • niedriger Schmusefaktor, wird nicht gern angefasst • knabbert auch mal die Wohnungseinrichtung an • braucht viel Platz – idealerweise draußen

ab 6

Nagetiere (Hamster, Meerschweinchen, Wüstenrennmäuse)

unkompliziert und genügsam • Mongolische Wüsten-rennmäuse sind sehr lebendig und spannend zu beobachten • niedrige Kosten

keine Einzelhaltung • niedriger Schmusefaktor • Meerschweinchen schlafen gern auch am Tag • Hamster sind nachtaktiv und haben eine kurze Lebenserwartung

ab 5/6

Vogel

fröhliches Zwitschern • niedrige Kosten • unkomplizierte Haltung

keine Einzelhaltung • niedriger Schmusefaktor • benötigen ausreichend Freiflugzeit

ab 9/10

Fische

unproblematisch bei Allergien pflegeleicht (brauchen keine Beschäftigung) • beruhigende Wirkung • ideal für Kinder, die lieber beobachten als anfassen

kein Schmusefaktor • relativ hohe Kosten (Aquarium) • pflegeintensiv (Tipp: Wasserfilter verlängern die Reinigungsintervalle und sparen somit Arbeit)

ab 6

*Diese Altersangaben stellen nur eine Empfehlung dar. Ab diesem Alter können erste Aufgaben übernommen werden, nicht aber die eigenständige Pflege und Verantwortung.

ELTERN

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