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Laufrad: Ab wann Kinder bereit sind und was noch wichtig ist

Sobald die Kleinen laufen können, ist ihr Bewegungsdrang kaum noch zu bremsen. Ein Mittel, ihre Energie in sinnvolle Bahnen zu lenken? Ein Laufrad! Aber ab wann sind Kinder bereit dafür? Welche Fähigkeiten sollten sie mitbringen? Und was ist beim Kauf eines Laufrads wichtig? Wir haben die Antworten.

Mädchen ist lächelnd mit Laufrad auf Waldweg unterwegs
iStock, FamVeld
Auf einen Blick
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  • Es gibt kein bestimmtes Alter, in dem ein Kind bereit ist, Laufrad zu fahren.
  • Grundsätzlich gilt aber: Es sollte motorisch fit sein und selbst Interesse zeigen.
  • Durch Kinderlaufräder wird die Koordinationsfähigkeit verbessert und der Gleichgewichtssinn geschult.
  • Außerdem ist Laufradfahren eine gute Gelegenheit, sich mit Spaß an der frischen Luft zu bewegen.
  • Vor dem Kauf gibt es einiges zu beachten: unter anderem Gewicht und Größe des Rads, die Art der Lenkung und nicht zuletzt die Schadstoffbelastung.
  • Kinder sollten in jedem Alter nur mit Helm fahren.

Tatsächlich gibt es keine klare Antwort auf die Frage, ab welchem Alter Kinder Laufrad fahren können oder sollten. Vielmehr gibt es Empfehlungen der Hersteller, ab wann ihr jeweiliges Modell grundsätzlich geeignet ist. Aber was kein Hersteller wissen kann, ist, wie ein Kind sich individuell entwickelt. Manche sind schon mit 18 Monaten kaum noch aufzuhalten und rennen recht koordiniert durch die Welt, andere haben im gleichen Alter vielleicht erst richtig laufen gelernt.

Ab wann sind Kinder also bereit für ein Laufrad?

Sobald sie sich gut koordiniert bewegen können. Konkret heißt das: sicher vorwärts, rückwärts und seitwärts gehen können. Dann ist ein Kind zumindest motorisch bereit für diesen Entwicklungsschritt. Genauso wichtig aber ist, dass das Kind überhaupt Interesse an einem Laufrad zeigt. Oft können Eltern intuitiv feststellen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Denn wenn ihr Nachwuchs neugierig auf die Laufräder anderer Kinder reagiert und sie sich am liebsten auf dem Spielplatz stibitzen würde, dann lohnt es sich, das Thema anzugehen.

Was sind die Vorteile eines Laufrads?

Laufräder fördern die Koordinationsfähigkeit, lenken überschüssige Energien der Kinder in sinnvolle Bahnen und helfen beim Lernen grundsätzlicher Verkehrsregeln. „Mit dem Laufrad wird zusätzlich der Gleichgewichtssinn ständig trainiert und verbessert“, so Dr. med. Jörg Schriever, Unfallbeauftragter des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Gleichzeitig sieht er Gefahrenquellen für Kleinkinder eher beim Dreirad. Das erklärt der Mediziner so: „Das kreisförmige, ungewohnte Treten beim Dreirad erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, erschwert das Lenken und die stetige Orientierung in Fahrtrichtung mehr als die dem Kind bekannten Schrittbewegungen beim Laufrad, welche Zweijährige gerade perfektionieren. Die Folge sind mehr Kollisionen mit Hindernissen und anderen.“ Und weiter: „Das starre System des Dreirades erlaubt keine leichte Kurvenlage und hat eine erhöhte Sturzgefahr schräg nach vorn, besonders bei raschen stärkeren Lenkbewegungen.“

Welche Sicherheitsvorkehrungen gilt es zu beachten?

Kleiner Junge mit Rucksack und Helm auf seinem blauen Laufrad
iStock, tatyana_tomsickova

Die Grundregel: Egal wie alt ein Kind ist und wie kurz die Strecke: Rad fahren immer nur mit Helm! Selbst auf sicherem Terrain sollte ein Kleinkind mit dem Laufrad nie ohne Helm unterwegs sein. Denn nur so vermeidet ihr bei euren Kindern schwere Kopfverletzungen, wenn sie doch mal unglücklich hinfallen. Hier findet ihr Kinderhelme für jedes Alter und wie sie im Test abgeschnitten haben.

Gerade am Anfang empfiehlt es sich, wenn eure Kinder mit dem Lauflernrad nur auf ebenen Flächen fahren üben. Für die ersten Versuche bieten sich Orte fern von Straßen und Gewässern an. Am besten sucht ihr euch einen Park mit geteerten Wegen. An manchen Orten gibt es sogar bestimmte Übungsplätze, wo ihr in Ruhe euren Rhythmus finden könnt. Am Anfang können Eltern noch neben dem Kinderlaufrad herlaufen und im Notfall eingreifen, sollte der Nachwuchs doch mal zu viel Geschwindigkeit aufnehmen. Denn gerade bei den ersten Versuchen muss das Kind noch ein Gefühl fürs Gleichgewicht und vor allem auch das Bremsen mit den Füßen finden. Die meisten Kinder lernen aber recht schnell und haben dann viel Freude mit ihrem neuen Fortbewegungsmittel.

Worauf sollten Eltern beim Kauf besonders achten?

Es gibt beim Kauf tatsächlich einiges zu beachten. Das fängt bei simplen Fragen an, wie: Ist der Sattel höhenverstellbar? Bis hin zu: Wie hat das Kinderlaufrad XY im Test der Stiftung Warentest abgeschlossen? Hier kommen die wichtigsten Punkte:
 
Einstiegshöhe
Die sollte für Anfänger ganz klar so niedrig wie möglich liegen und Kindern so einen tiefen Einstieg ermöglichen. Manche Lauflernräder haben erst gar keine Mittelstange, und falls sie doch eine haben, dann sollte sie so tief gebogen sein, dass die Kinder leicht über sie steigen können, ohne hängenzubleiben.
 
Gewicht und Lenkung
Euer Kind muss sein neues Kinderlaufrad ja vor allem selbstständig manövrieren können. Ist das Laufrad zu schwer oder die Lenkung zu steif, dann macht das Ganze gleich keinen Spaß mehr. Deshalb lohnt sich ein Test im Geschäft. Da kann euer Kind direkt ausprobieren, ob es das Kinderlaufrad aufrecht gerade halten kann und wie es mit der Lenkung klarkommt.
 
Höhenverstellbarer Lenker und Sattel
Viele Laufräder werden von ihren Herstellern nicht für ein bestimmtes Alter empfohlen, sondern für einen Zeitraum. Oft liegt dieser bei zwei bis fünf Jahren. Damit dies auch realistisch ist und das Lauflernrad mit den Kindern mitwächst, sollten sowohl Sattel als auch Lenker höhenverstellbar sein. Übrigens: Die Zollangabe hilft bei der richtigen Auswahl der Laufradgröße eher wenig! Ausschlaggebend ist die Größe des Kindes oder vielmehr dessen Beinlänge im Verhältnis zur Sattelhöhe. Manche Hersteller geben die Höhenverhältnisse in Zentimetern auf ihren Websites an, andere nicht. Wer sich mit der Höhe unsicher ist, schaut sich die Modelle am besten vor Ort in einem Geschäft an. Da kann euer Kind sein bevorzugtes Laufrad dann auch direkt Probe fahren.

Kleiner Junge stellt beim Laufrad fahren seine Füße auf Tritbrett ab
iStock, romrodinka

Trittbrett in der Mitte
Bei ihrem letzten Test von Laufrädern im Jahr 2018 hat die Stiftung Warentest festgestellt, dass die Kinder aus ihrer Testgruppe Räder mit einem Trittbrett in der Mitte bevorzugt haben. Grund war wohl, dass sie in Zeiten, in denen sie nicht aktiv Anschwung geben mussten, ihre Füße bequem darauf abstellen konnten. Bei Laufrädern ohne Trittbrett hängen die Füße der Kinder in solchen Situationen dann nämlich einfach in der Luft.
 
Bremse, ja oder nein?
Im gleichen Test wurde auch festgestellt, dass Laufräder OHNE Bremse sicherer waren als solche mit. Grund dafür war wohl, dass gerade Kleinkinder oft noch kein Gefühl für das Bremsen hatten und es deshalb leichter zu Stürzen kam. Tatsächlich haben die meisten Laufräder auch noch gar keine Bremsen.
 
Radständer, ja oder nein?
Radständer sind bei Fahrrädern kaum wegzudenken. Bei Kinderlaufrädern sind sie aber eher überflüssig, wenn nicht sogar eine Stolperfalle. Die meisten Laufräder kommen ohnehin ohne Ständer.
 
CE-Kennzeichnung versus GS-Zeichen
Beim Kauf lohnt es sich auch darauf zu achten, ob ein Lauflernrad mit einer CE-Kennzeichnung oder dem GS-Zeichen versehen ist. Spielzeug ohne eine CE-Kennung ist in Deutschland verboten. Es entspricht dann nicht den Mindestanforderungen der EU-Richtlinien. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kritisiert allerdings, dass die Grenzwerte bezüglich von Schadstoffbelastungen hier noch viel zu hoch angelegt sind. Das GS-Zeichen ist das deutsche Qualitätssiegel für Produkte und unterliegt strengeren Anforderungen als den EU-Vorgaben. Aber auch hier bemängeln Verbraucherschützer immer noch zu hohe Grenzwerte.  
 
Schadstoffbelastung
Das zeigt sich dann auch in einem vielleicht etwas überraschenden Punkt, nämlich der Schadstoffbelastung bei den von der Stiftung Warentest geprüften 15 Kinderlaufrädern. Nur drei der getesteten Räder erhielten die Note „gut“, eins schnitt mit „befriedigend“ ab, alle anderen fielen durch. Mangelhaft. Grund: die Schadstoffbelastung in Reifen, Lenker und Sattel.

Warum sind Schadstoffe vor allem in Lenker und Sattel so gefährlich?

Die Schadstoffbelastung in Lenker und Sattel ist so ein kritischer Punkt in der Bewertung der Räder, weil sie direkt mit der Haut des Kindes in Berührung kommen. „Akut giftig sind die gefundenen Mengen nicht. Die Substanzen können aber lang­fristig im Organismus wirken, wenn die Kleinen sie über die Haut aufnehmen", erklärt Stiftung Warentest.
 
In einigen der getesteten Räder wurde das Flammschutzmittel TCPP (das im Verdacht steht, Krebs zu erregen) sowie verschiedene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen. Einige von ihnen können ebenfalls Krebs erzeugen, andere das Erbgut schädigen. Deshalb lohnt es sich zu überprüfen, wie die Laufräder abgeschnitten haben. Da der Test 2018 (siehe Link oben) stattfand, bleibt zu hoffen, dass die Hersteller der durchgefallenen Lauflernräder inzwischen Verbesserungen vorgenommen haben. Objektive Quellen gibt es hierzu bisher nicht. Wer sich vor dem Kauf also noch unsicher ist, sollte auf jeden Fall beim entsprechenden Hersteller nachfragen.

Welche Lauflernräder haben den Test bestanden?

Die folgenden drei Lauflernräder erhielten die Note „gut“ der Stiftung Warentest:

Das folgende Modell schaffte es immerhin noch mit „befriedigend“ durch den Test:

Und natürlich gibt es neben den 15 getesteten Modellen auch noch viele andere Lauflernräder. Mit den oben beschriebenen Punkten könnt ihr zum größten Teil (abgesehen von der Schadstoffbelastung) selbst checken, ob ein Rad für euer Kind geeignet ist oder eher nicht.

Hilft ein Laufrad Kindern auf dem Weg zum Fahrrad fahren?

Die Meinungen sind in diesem Punkt gespalten. Einige sagen, dass durch das Laufrad der Übergang aufs Fahrrad erleichtert wird. Andere sagen, das Gegenteil sei der Fall. Sicher ist: Stützräder empfiehlt Dr. med. Jörg Schröder nicht. „Auch für ein Fahrrad mit Stützrädern gilt, dass das Gleichgewicht nicht trainiert wird“, so der Mediziner.
 
Den meisten Kindern bringt ein Laufrad aber jede Menge Freude. Egal, ob sie mit 18 Monaten oder drei Jahren zum ersten Mal Interesse zeigen. Am Ende entwickelt sich jedes Kind nämlich in seinem eigenen Tempo – und das ist auch gut so. 

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Quellen

Prüfzeichen auf Produkten, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Stand: Oktober 2020.
Laufräder im Test, Stiftung Warentest Studie, 2018.
Laufrad in den meisten Fällen dem Dreirad vorzuziehen, Kinder- & Jugendärzte im Netz, 2015.