Masturbation bei Kleinkindern
 
Meine Scheide kitzelt so schön

Wenn kleine Kinder plötzlich anfangen, sich im Intimbereich zu streicheln und intensiv zu reiben, ist die Verunsicherung der Eltern erst mal groß. Besonders wenn die Kleinen das auch auf dem Spielplatz oder im Kindergarten machen. Stimmt da was nicht mit dem Kind?

Kind liegt auf dem Boden
iStock, antfoto

Unsere Eltern.de-User schildern, was zahlreichen Eltern bekannt vorkommen dürfte: „Mein Sohn legt sich auf den Boden, legt die Hände unter den Bauch und rutscht hin und her. Das kann einige Minuten dauern und er kommt dabei auch richtig ins Schwitzen“, rückt eine Mutter mit der Sprache heraus. Eine andere berichtet voller Sorge: „Meine Tochter ist jetzt gut 18 Monate alt und tut seit einiger Zeit (die letzten Wochen wurde es immer mehr!) folgendes: Sie legt sich mit ihren Unterleib auf bestimmte harte Gegenstände (Ball, Auto, Kugeln etc) und reibt lange darauf hin und her und stöhnt dabei, atmet heftig und erscheint leicht abwesend.“

Ist das normal?

Nacktes Kind
iStock, jjwithers

Auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt, weil das Thema Masturbation in der Elternrunde womöglich für betretenes Schweigen sorgt:  Es ist völlig normal, dass auch Kleinkinder ihren Köper schon sinnlich erkunden. Ungefähr im zweiten Lebensjahr fangen viele Kinder erstmals an, sich ganz gezielt an Penis oder Kitzler zu reiben. Kindliche Sexualität konzentriert sich allerdings längst nicht nur auf die Geschlechtsteile und hat auch keinen sexuellen Höhepunkt zum Ziel. Vielmehr erleben Kleinkinder verschiedenste sinnliche Erfahrungen als lustvoll und beginnen früher oder später, ihren Körper von oben bis unten zu erkunden. Sie berühren ihren Bauch, ihren Po und untersuchen ihre Hände genauso selbstverständlich wie ihre Geschlechtsorgane. Eigentlich logisch, dass sie dabei dort verweilen, wo es sich besonders gut anfühlt, und genau diese Berührung auch regelmäßig wiederholen. Während viele Eltern dann am liebsten im Erdboden versinken würden, denken sich die Kinder gar nichts dabei. Sie befriedigen lediglich ganz spontan, unbefangen und ohne Scham ihre Bedürfnisse – mitunter eben auch in aller Öffentlichkeit. Denn erst ab dem vierten Lebensjahr beginnt sich langsam ein Gefühl von Scham zu entwickeln, so der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte.

Wie soll ich damit umgehen?

Auch wenn es schwerfallen mag, lautet das oberste Gebot: gelassen bleiben und eventuelle Blicke ignorieren! Also erst einmal durchatmen. Versuchen, sich nicht mit rotem Kopf stellvertretend fürs Kind zu schämen. Und bitte, bitte nicht schimpfen. Und auch das Kleine nicht mit mehr oder weniger Nachdruck aus seiner Lust reißen. Ablenken ist aber in Ordnung, denn ganz gelassen daneben stehen, wenn das eigene Kind sich in aller Öffentlichkeit Lustgefühle verschafft, halten Mütter und Väter selten aus. Und: Kinder verstehen den Hinweis, dass Masturbieren etwas Intimes ist, das man besser genießen kann, wenn niemand zuguckt.
 
Eine ganz typische Situation: Oma oder eine Freundin ist gerade zu Besuch und Dein Kind fängt an, sich mit der Hand, dem Kuscheltier oder Sofakissen konzentriert zwischen den Beinen zu reiben. Euch Erwachsenen ist das Ganze spürbar unangenehm und Du fragst Dich, wie Du als Mutter oder Vater nun reagieren sollst? Löse die Spannung zum Beispiel, indem du die Oma oder Freundin einfach in die Situation einbeziehst – wahrscheinlich fühlt auch sie sich dann besser. Du kannst erklären: „Ben hat gerade entdeckt, dass es sich schön anfühlt, wenn er seinen Penis reibt, und kann jetzt gar nicht genug davon bekommen.“
 
Ist das doch zu unangenehm? Dann schlage Deinem Kind vor, in sein Kinderzimmer zu gehen und es sich dort gemütlich zu machen. Vermittle ihm aber trotzdem, dass Berührungen an Klitoris, Scheide oder Penis völlig in Ordnung sind – nur eben hinter die geschlossene Kinderzimmertür gehören.
 
Übrigens: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt kostenlos eine Reihe von Informationsbroschüren zur kindlichen Sexualentwicklung und -aufklärung bereit, die Eltern bei diesen und ähnlichen Fragen als erste Orientierung dienen kann.