Kindergesundheit
 
COVID-19 und Kawasaki-Syndrom bei Kindern: Gibt es einen Zusammenhang?

Kinder mit einer COVID-19-Infektion haben in den meisten Fällen keine oder nur sehr milde Verläufe. Nun wurde ein Zusammenhang zwischen dem neuartigen Virus und einer Krankheit festgestellt, die dem Kawasaki-Syndrom ähnelt. Was wir bisher wissen und warum sich Eltern dennoch keine großen Sorgen machen sollten.

Eine Mutter hält ein Fieberthermometer und telefoniert, krankes Kind liegt auf dem Sofa.
iStock, ljubaphoto
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Das Kawasaki-Syndrom taucht gerade regelmäßig in den Schlagzeilen auf. Sonst vornehmlich in Medizinerkreisen bekannt, beunruhigt es nun Eltern. Denn in Ländern mit hohen COVID-19-Infektionszahlen wurden Zusammenhänge mit einer Krankheit festgestellt, die dem Kawasaki-Syndrom ähnelt.

Was ist das Kawasaki-Syndrom überhaupt?

Das Kawasaki-Syndrom ist eine Gefäßentzündung der Arterien und kann Auswirkungen auf die Herzkranzgefäße haben. Am häufigsten betroffen sind normalerweise Kleinkinder zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr. Hierin unterscheidet es sich beispielsweise von der aktuellen Erkrankung, die bei Kindern unterschiedlichen Alters aufzutreten scheint.

Das Kawasaki-Syndrom ist typischerweise gekennzeichnet von:

  • Fieber,
  • nicht-eitrigen Augenentzündungen,
  • geröteten, rissigen Lippen,
  • Schwellungen an Händen und Füßen,
  • nicht juckendem Hautausschlag,
  • einer Schwellung der Halslymphknoten.

Die gute Nachricht: Kinder, die rechtzeitig behandelt werden, erholen sich vollständig.

Könnte das Corona-Virus eine neue Form von Kawasaki-Syndrom auslösen?

Ärztin in Schutzkleidung misst die Temperatur eines Mädchens.
iStock, Serhil Sobolevskyi

Ganz neu ist eine solche Überlegung unter Medizinern tatsächlich nicht. 2011 wurde beispielsweise eine Studie durchgeführt, die den Zusammenhang der Grippe mit dem Kawasaki-Syndrom untersuchen sollte. Das Ergebnis hier: Ja, die Grippe kann einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf des Kawasaki-Syndroms haben, dass sie es aber auslöse, das konnte in dieser Studie nicht nachgewiesen werden.

Im italienischen Bergamo, einem von der Corona-Pandemie am schlimmsten betroffenen Orte, wurde nun erstmals eine Studie zu dem aktuellen Thema COVID-19 und Kawasaki-Syndrom durchgeführt. Aus den Unterlagen des Papa Giovanni XXIII Krankenhauses geht hervor, dass es seit dem Ausbruch dort zehn dem Kawasaki-Syndrom ähnelnden Krankheitsverläufe pro Monat gegeben hat. In den vorangegangen fünf Jahren gab es im Vergleich etwa alle drei Monate einen Fall. Von zehn Kindern, die zwischen Februar und April dort behandelt wurden, konnten acht positiv auf Corona-Antikörper getestet werden. In den beiden anderen Fällen gehen Ärzte derzeit davon aus, das die negativen Antikörper-Ergebnisse fehlerhaft waren.

Müssen sich Eltern jetzt Sorgen machen?

Eigentlich nicht, denn das Kawasaki-Syndrom ist sehr selten. Bisher gibt es jährlich etwa 200 Fälle in Deutschland. Und auch die aktuell auftretende Erkrankung ist immer noch ein absoluter Ausnahmefall. Medscape zitiert hierzu den Sektionsleiter der pädiatrischen Infektiologie und Rheumatologie am Uniklinikum Freiburg Prof. Dr. Philipp Henneke damit, dass es zwar COVID-19-assozierte Fälle gebe, diese aber noch zu wenige seien, um finale Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Die Mediziner des Papa Giovanni XXIII Krankenhauses sind sich zwar über den Zusammenhang einig, betonen aber auch, dass die Krankheit sehr selten auftrete und nur etwa eines von 1.000 mit dem Virus erkrankten Kinder beträfe – und nur eine geringe Anzahl dieser Kinder müsste wiederum intensivmedizinisch behandelt werden.  Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass das eigene Kind betroffen ist, selbst wenn es an COVID-19 erkrankt sein sollte. Bei auffälligen Symptomen wie Fieber, Hautausschlag, geröteten Augen, gerissenen Lippen und/ oder Unterleibsschmerzen solltest du aber schnell handeln und umgehend einen Arzt kontaktieren.

Wissensstand: 19. Mai 2020

Quellen:

Kindergesundheit: COVID-19 und Kawasaki-Syndrom bei Kindern: Gibt es einen Zusammenhang?

Dieser Beitrag ist Teil der Initiative GEMEINSAM GEGEN CORONA der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch der Verlag Gruner + Jahr gehört, in dem ELTERN erscheint. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus.

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