Fehlbildung der Nabelschnur
 
Insertio velamentosa: Was das für die Geburt bedeutet

Insertio velamentosa? Hinter dem komplizierten Ausdruck verbirgt sich ist eine seltene Fehlbildung der Nabelschnur. Sie kann für den Säugling rund um die Geburt gefährlich werden. Hier alles Wichtige.

Fehlbildung der Nabelschnur: Insertio velamentosa: Was das für die Geburt bedeutet
iStock, zoranm
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Was ist eine Insertio velamentosa?Welche Risiken bestehen während der Schwangerschaft?Welche Risiken bestehen unter der Geburt?

Was ist eine Insertio velamentosa?

Die Nabelschnur ist die Lebensader für das ungeborene Kind: Über drei Gefäße, nämlich eine Vene und zwei Arterien, wird es mit Sauerstoff, Blutzucker, Vitaminen, Eiweißstoffen und Hormonen versorgt, gleichzeitig werden die Abbau-Produkte aus dem kindlichen Stoffwechsel abtransportiert. Im Normalfall, bei 70 Prozent aller Schwangerschaften, entspringt die Nabelschnur in der Mitte der Plazenta. Die Mediziner sprechen dann von der Insertio centralis. Bei knapp 30 Prozent der Schwangerschaften setzt sie dagegen weiter seitlich oder am äußersten Rand an.

Doch es gibt noch einen dritten, sehr seltenen Fall: Dann entspringt die Nabelschnur nicht im Mutterkuchen, sondern an den Eihäuten. Das ist die Fruchthülle, die dein Baby im Mutterleib umgibt. Mediziner sprechen hier von einer Insertio velamentosa. Das Problem an dieser Fehlbildung: Die dünnen Eihäute sind nicht sonderlich stabil – die Nabelschnur kann leichter abgeklemmt werden. Außerdem besteht bei dem Blasensprung vor Geburt das Risiko von starken Blutungen.

Doch zum Glück ist die Fehlbildung wirklich sehr selten und lässt sich dank moderner Ultraschalluntersuchungen schon früh in der Schwangerschaft erkennen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) kommt sie nur bei etwa 1,5 Prozent aller Ein-Kind- und bei sechs Prozent aller Zwillingsschwangerschaften vor. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Fehlbildung in der Folgeschwangerschaft wiederholt, ist äußerst gering.

Welche Risiken bestehen während der Schwangerschaft?

Während der ersten zwei Drittel der Schwangerschaft ist diese Diagnose in der Regel unproblematisch. Auch die Versorgung des Ungeborenen ist in den allermeisten Fällen nicht beeinträchtigt. Erst kurz vor oder während der Geburt kann eine Insertio velamentosa für das Kind lebensbedrohliche Folgen haben. Laut einer 2013 veröffentlichten Studie der Uni Bergen aus Norwegen sterben in 1,6 Prozent der Fälle die Kinder bei oder kurz vor der Geburt – doppelt so häufig wie ohne eine Nabelschnur-Fehlbildung. Außerdem besteht eine höhere Gefahr für Behinderungen. Ein wichtiger Grund dafür: Entspringt die Nabelschnur an den Eihäuten, hat sie mehr Bewegungsspielraum. Dadurch kann es schneller zu einem Abklemmen einzelner Gefäße und damit zu einem Sauerstoffmangel beim Säugling kommen.

Die gute Nachricht: Eine Insertio velamentosa kann schon im frühen Verlauf der Schwangerschaft festgestellt werden. So lassen sich (Geburts-)Komplikationen vorbeugen und vielen Kindern das Leben retten. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) fordert deshalb seit 2013, die Früherkennung von „Insertionsfehlbildungen“ der Nabelschnur in das Regelprogramm der Schwangerschaftsvorsorge aufzunehmen. Mit Erfolg, inzwischen haben viele Frauenärzte auf diese Forderung reagiert und schauen ganz genau hin.

Immerhin lassen sich schon bei der ersten Ultraschalluntersuchung zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche Auffälligkeiten an der Nabelschnur feststellen. Eine sichere Diagnose ist spätestens beim zweiten Ultraschall-Termin um die 20. Schwangerschaftswoche möglich. Besonders gut sichtbar ist eine Insertio velamentosa bei einem Ultraschall mit Farbkontrasten, der den Blutfluss in der Plazenta darstellt (Doppler-Sonografie). Wird diese Fehlbildung schon frühzeitig festgestellt, gilt die Schwangerschaft formal als Risikoschwangerschaft. Mutter und Baby werden ab der Diagnose besonders engmaschig überwacht – zuerst gibt es alle vier ein Ultraschall-Termin, im letzten Schwangerschaftsdrittel sogar alle zwei Wochen.

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Welche Risiken bestehen unter der Geburt?

Wie wertvoll dieses frühe Wissen um die Fehlbildung ist, zeigt sich bei der Geburt. Die meisten der betroffenen Kinder werden durch einen geplanten Kaiserschnitt in der 36. oder 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt geholt. Bei dieser Planung spielen natürlich die Geburtsreife von Muttermund und Gebärmutterhals, aber auch das individuelle Frühgeburtsrisiko oder vorzeitige Wehen eine entscheidende Rolle.

Einzige Ausnahme: Wenn die Nabelschnur weit genug entfernt vom inneren Muttermund entfernt ansetzt, ist auch eine vaginale Geburt statt eines Kaiserschnitts möglich. Aber auch hierbei wird der kindliche Herzschlag besonders stark überwacht, um bei Veränderungen schnell reagieren zu können.

Dank intensiver Vorausplanung und vieler Vorsichtsmaßen überleben inzwischen fast alle Kinder die Geburt, bei denen frühzeitig eine Insertio velamentosa festgestellt wurde.

Wirklich gefährlich ist es, wenn die Mediziner und Hebammen nichts von der Fehlbildung wissen. Ein besonders kritischer Moment ist das Platzen der Fruchtblase während der Geburt. Wenn die Nabelschnur zu nah oder direkt am inneren Muttermund ansetzt, drohen die drei lebenswichtigen Gefäße bei dem Blasensprung zerstört zu werden. In diesem Fall könnte das Kind nicht nur einen Sauerstoffmangel erleiden, sondern auch während der Geburt verbluten, und das innerhalb weniger Minuten. Deshalb sind Mediziner bei starken Blutungen während des Blasensprungs immer besonders vorsichtig und überprüfen sofort die Möglichkeit einer Insertio velamentosa. Bestätigt sich der Verdacht, wird das Kind sofort auf die Welt geholt, meistens mit einem Kaiserschnitt.