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Wie redet man mit Kindern über den Tod?

Eltern können selten so unbefangen über den Tod reden wie ihre Kinder. Gerade an Trauertagen wie Allerheiligen oder Allersselen oder wenn sich ein Todestag jährt kann das aber nötig sein - etwa, wenn man das Grab der Uroma besucht. Dabei ist es gar nicht schwierig, ihnen den natürlichen Lauf des Lebens zu erklären.

Mutter spricht mit Kind über den Tod
Thinkstock, highmountainphotography
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"Wie ist das, wenn man tot ist?"

Kinder und Tod - das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Weil Kinder am Anfang des Lebens stehen, weil sie springlebendig sind, weil der Tod ernst ist und endgültig. Trotzdem fragen Kinder nach Sterben und Tod. Sie sind neugierig, wollen wissen, wo der greise Nachbar von nebenan geblieben ist. Sie trauern um die gestorbene Katze und sorgen sich auf dem Friedhof, ob Oma in der Erde friert. "Mama, wie ist das, wenn man tot ist?"

Viele Eltern wollen ihre Kinder vor der dunklen Seite des Lebens schützen, sie unbelastet aufwachsen lassen und kein Wort über das Thema verlieren. Das funktioniert jedoch nicht. Reden müssen Sie mit ihren Kindern über Sterben und Tod - aber sie können es so tun, dass die Kinder keine falschen Vorstellungen oder gar Furcht entwickeln.

Zunächst sollten sich Eltern jedoch über ihre eigene Haltung Gedanken machen: Was glaube ich, was nach dem Tod kommt? Wenn ihnen das klar ist, wird es leichter, mit neugierigen Kindern über totgefahrene Tiere am Straßenrand oder über verstorbene Verwandte zu sprechen. Dann spürt ein Kind: Der Tod ist etwas Natürliches.

Hier noch einige Anregungen, wenn Ihr Kind einmal dieses Thema anspricht:

Kinderbücher über den Tod und das Sterben

Bücher über den Tod und das Sterben

Weiterlesen

Den eigenen Glauben erklären

Was immer Sie glauben - dass Tote in den Himmel kommen, dass sie wieder geboren werden, dass die Seele weiterlebt, dass nach dem Tod nichts kommt, man es danach gut hat bei Gott - betonen Sie eines: "Das ist es, was ich glaube. Keiner weiß, was nach dem Tod kommt, weil noch keiner tot war, wieder lebendig wurde und davon erzählen kann. Ich glaube das - und andere glauben etwas anderes." Es ist eine wichtige Erfahrung für Kinder, dass auch Eltern nicht alles wissen.

Keine Umschreibungen verwenden

Lassen Sie Ihren Kindern Zeit, Fragen zu formulieren

"Opa ist von uns gegangen. Onkel Jochen macht eine lange Reise. Tina ist für immer eingeschlafen ..." Weil kleine Kinder noch nicht abstrakt denken können, nehmen sie solche Aussagen oft wörtlich und bekommen Angst. Wer garantiert ihnen, dass ihr Vater von seiner Geschäftsreise zurückkehrt? Und dass sie selbst wieder aufwachen, wenn sie einschlafen?

Die Endgültigkeit des Todes herunterzuspielen, kann unnötig Probleme erzeugen. Sprechen Sie in einfachen, klaren Sätzen über den Tod: "Tot sein sieht aus wie Schlafen. Aber es ist anders: Wer gestorben ist, atmet nicht mehr. Das Herz schlägt auch nicht mehr. Der Körper wird ganz kalt. Meistens sterben alte und kranke Menschen. Wenn junge Leute sterben, dann am häufigsten nach einem Unfall oder nach einer ganz schlimmen Krankheit. Aber das ist selten." Lassen Sie Ihren Kindern Zeit, Fragen zu formulieren.

Gelegenheiten nutzen

Das Kind sollte lernen: Sterben gehört zum Leben

Es gibt viele Situationen, in denen Eltern mit ihren Kindern beiläufig über Tod und Sterben sprechen können. Wenn Sie in alten Fotoalben blättern und feststellen, dass Tante Maria damals so lustige Röcke angehabt hat und jetzt nicht mehr lebt. Trotzdem ist sie nicht vergessen, sie hat einen Platz im Familienalbum und in Ihrem Herzen.

Auch der Wechsel der Jahreszeiten leitet über zum Thema: Die Blumen sind alt, welken und sterben, sie vergehen in der Erde wie alle Lebewesen. Der Naturfilm, in dem ein Löwe eine Antilope reißt, zeigt: Sterben gehört dazu. Wenn Sie einen toten Vogel am Straßenrand liegen sehen, erklären Sie Ihrem Kind: Das tote Tier atmet nicht mehr. So begreifen Kinder: Der Tod ist endgültig. Und: Sie entwickeln keine Ängste, dass der verstorbene Opa unter der Erde keine Luft bekommt. Sie wissen: Ein Toter braucht keinen Sauerstoff. Wenn ein Haustier stirbt, beerdigen Sie es gemeinsam. Bei all diesen Gelegenheiten merkt Ihr Kind: Sterben gehört zum Leben, genauso wie geboren werden, streiten, lieben, lernen ...

Zu Beerdigungen mitnehmen

Eine Beerdigung ist eine gute Gelegenheit, Kinder von Verstorbenen Abschied nehmen zu lassen - und gleichzeitig ein Anlass, bei dem sie spüren, dass sie Teil einer großen Gemeinschaft – der Familie - sind. Allerdings sollte es jemanden geben, der sich um die Kinder kümmert, sich Zeit nimmt und Fragen beantwortet. Wenn Eltern dazu nicht in der Lage sind, weil sie zum Beispiel noch selbst in Trauer gefangen sind, kann ein vertrauter Verwandter diese Aufgabe übernehmen.
Es ist nicht schlimm, wenn Ihre Kinder Sie weinen sehen. Aber Sie sollten Ihre Tränen erklären: "Ich muss weinen, wenn ich an meinen Papa denke, euren Opa. Ich bin traurig, weil er mir fehlt." Sie können auch mehr sagen: "Aber ich bin sicher, dass es ihm jetzt gut geht, weil er jetzt keine Schmerzen mehr hat." Oder: "Wenn ich daran denke, wie gern Opa Späße gemacht hat, freue ich mich über die schönen Erinnerungen."
Im Prinzip ist es einfach: Ihr Kind braucht Wahrheit und Sicherheit. Beides können Sie vermitteln, indem Sie ihm sinngemäß sagen: "Alle Menschen und alle Tiere müssen sterben. Aber bis wir sterben, dauert es noch ganz lange. Jetzt ist das noch kein Thema für uns, kein Grund zur Sorge. Wir leben jetzt und haben Spaß zusammen."