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Guter Vater, schlechter Vater


Stark sein, aber gleichzeitig Schwächen zugeben: Viele Männer sind keineswegs sicher, wo ihr Platz zwischen Kindern und Karriere sein könnte. Zwei Soziologen haben jetzt versucht, ein wenig Ordnung in das Chaos der väterlichen Rollenbilder zu bekommen. Und sind auf sechs Vätertypen gestoßen.

Bin ich ein brauchbarer Vater?

Guter Vater, schlechter Vater

Zu den unangenehmsten Dingen, die Männern passieren können, zählen Diskussionen über ihre Rolle in der Familie. Es gibt da einen Satz, den viele Väter noch mehr fürchten als den Abstieg ihres Fußballclubs aus der Bundesliga. Er lautet: "Wir müssen reden!" Ich soll meine Vaterrolle definieren? Das fällt mir ungefähr so leicht wie ein japanisches Gedicht rückwärts zu zitieren, während ich einen einhändigen Handstand mache. Meine Kinder haben mich zum biologischen Vater gemacht, das steht fest. Aber heißt das, dass ich einen brauchbaren Vater abgebe? Bin ich ein guter Geschichtenerzähler oder ein schlechter? Mache ich mir um das Wohlbefinden meiner Kinder genügend Gedanken? Zählt meine Meinung in der Familie? Bringe ich mich ausreichend in die Familie ein, inklusive meine Waschkraft für Hemden, Hosen, Socken? (Zumindest die Antwort auf die letzte Frage ist mir klar: Mangelhaft.)

Widersprüchliche Erwartungen

Man sieht es Männern vielleicht nicht immer an - aber in den Köpfen der meisten schwirren eine Reihe von widersprüchlichen und kaum erfüllbaren Erwartungen: Der gute Vater engagiert sich aktiv, kompetent und emotional in der Kindererziehung, ohne seinen Einsatz in der Partnerschaft zu vernachlässigen. Er muss stark sein und gleichzeitig Schwächen zugeben. Er soll verspielt sein und gleichzeitig erwachsen, Sinn für Romantik haben und gleichzeitig die dreckigen Windeln entsorgen. Er soll sportlich aussehen, aber nicht zu viel Zeit beim Sport verbringen. Er soll einen hohen sozialen Status haben, aber Kohle darf ihm nicht so wichtig sein. Und er sollte nach Möglichkeit in der Familie anwesend sein, auch wenn er berufsbedingt körperlich abwesend sein muss. Kein Wunder, dass das Selbstverständnis des modernen Mannes so ähnlich aussieht wie das Zimmer eines sechsjährigen Jungen - ein bisschen überfrachtet und sehr, sehr unübersichtlich.

Die sechs Vätertypen

Zwei Wissenschaftler vom Frankfurter Institut für Sozialforschung haben jetzt versucht, ein wenig Ordnung in das Chaos der väterlichen Rollenbilder zu bekommen. Andrea Bambey und Hans-Walter Gumbinger wollten wissen, wie sich die Rolle des Vaters gewandelt hat und wie sich das auf die Familie auswirkt. Dafür haben die Frankfurter Forscher 1500 Väter von Grundschulkindern befragt und sind dabei auf sechs Vätertypen gestoßen:

Die egalitären Väter bilden mit 28 Prozent die größte Gruppe. Sie nehmen sich als partnerschaftlich und geduldig wahr - und fühlen sich von ihrer Frau hoch akzeptiert. Traditionelle Rollenklischees? Lehnen sie ab. Sie reden gerne - sogar über Rollen und über Kindererziehung!

Die fassadenhaften Väter (fast 25 Prozent der Befragten) glauben ebenfalls, dem traditionellen Rollenbild nicht zu entsprechen. Sie schätzen das Verhältnis zu ihrem Kind positiv ein, sehen sich von ihrer Partnerin anerkannt. Allerdings: Sie haben sich meist erst nach einigem Zögern für die Vaterschaft entschieden, und hängen doch einem nicht mehr zeitgemäßen Idealbild von Familie an. Da diesen Männern nicht klar ist, wie sie als Väter eigentlich sein wollen, fühlen sie sich in Erziehungsfragen oft überfordert.

Die randständigen Väter (zehn Prozent) sehen sich nicht richtig in die Familie integriert, sondern eher am Rande der engen Mutter–Kind-Beziehung. Sie würden sich gern mehr in der Familie engagieren, schaffen es aber aus verschiedenen Gründen nicht. Väter dieses Typs glauben, dass ihre Partnerin ihnen in Sachen Erziehung nicht viel zutraut. Die Beziehung ihrer Partnerin zum Kind beobachten sie oft mit Argwohn.

Die partnerschaftlichen Väter (sechs Prozent) geben an, sich intensiv an der Erziehung zu beteiligen – die Partnerinnen bestätigen das auch. Anders als die "egalitären" Väter lehnen sie aber traditionelle Rollenklischees nicht ab, das heißt: Sie sehen sich meist klar in der Ernährerrolle, sind aber bereit, viel Zeit in ihr Kind zu investieren.

Die unsicheren Väter (13 Prozent) haben ein problematisches Verhältnis zu ihrer Familie. Sie schwanken zwischen neuen und traditionellen Vatermodellen und können sich nicht für eine Richtung entscheiden. Im Unterschied zu den "randständigen" Vätern machen sie dafür aber nicht die Frau verantwortlich. Viele Frauen von "unsicheren" Männern sehen in ihrem Partner ein weiteres Kind und bemuttern ihn.

Die traditionellen Väter (18 Prozent) machen es, wie es schon ihre Väter und Großväter gemacht haben. Die Betreuung der Kinder, den Haushalt und die Organisation des Alltags überlassen sie ihrer Frau. Mit den Kindern unternehmen sie meist am Wochenende etwas - traditionellerweise geht's auf den Fußballplatz, in den Baumarkt oder zum Fahrradfahren.

Und was bin ich?

Gar nicht so einfach, sich hier selbst einzuordnen. In welcher Vaterrolle ich mich am ehesten sehe? Was ich am liebsten wäre? Der "traditionelle" Typ bin ich hoffentlich nicht - wer möchte schon ein so distanziertes Verhältnis zu denen haben, die er am meisten liebt. Typ 2 und 3 kann man gleich abhaken - als Blender bzw. als Rand- und Witzfigur zu sein, strebt wohl niemand an. Am ehesten kann ich mich noch mit dem "partnerschaftlichen" oder dem "egalitären" Typ identifizieren, obwohl ich mir da auch nicht sicher bin. Als doch ein "unsicherer" Vater? Eine repräsentative Umfrage bei uns am Küchentisch hat Folgendes ergeben: Meine Rolle scheint genau so diffus zu sein, wie sie von Soziologen (mit sehr komplizierten Sätzen) umschrieben wird: Die Tochter möchte sich nicht konkret äußern, als "partnerschaftlich" sei mein Verhalten jedenfalls nicht zu bezeichnen. Und überhaupt sei ihr das egal, solange sie Jetzt aufstehen und an den Computer dürfe. Der Sohn meint, dieses "egalidingsbums" sei ich auch nicht, sonst müsste würde ich der Mama ja wohl mehr im Haushalt helfen und so. Was meine Frau einfach mal so stehen lässt. Aber was bin ich in den Augen meiner Kinder dann für ein Vater? "Ein Bilderbuchvater", sagt mein Sohn. Es wäre nett gewesen, den Text mit dieser Aussage beenden zu können. Aber ehrlicherweise muss ich anfügen, was er noch gesagt hat: "Du bist halt ein typischer Vater, wie man sie aus Büchern kennt - meistens bist du nicht da, aber wenn du da bist, ist es schön."


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