Wenn Männer die Kinder kriegen

Auch Väter können erziehen. Ziemlich gut sogar. Nur manchen Müttern ist das überhaupt nicht recht. Warum eigentlich?

: Wenn Männer die Kinder kriegen

Die Welt ist schon ungerecht. Da hat die Mutter meiner Kinder wieder einen arbeitsreichen Tag hinter sich, Kinder-Taxi gespielt, Ärger mit Spielkameraden geschlichtet, zwischendurch am Schreibtisch gesessen, eingekauft und gekocht. Und dann, so um halb acht, klingelt es.
Draußen stehe ich, missmutig, abgeschlafft vom Job, genervt von der überfüllten S-Bahn – aber die Bagage empfängt mich freudig johlend, als wäre ich soeben aus langer Gefangenschaft heimgekehrt.
Können Frauen uns Männern das verzeihen? Dass wir von unseren Kleinen genauso geliebt werden – obwohl wir sie nicht unter Schmerzen geboren und gestillt haben. Obwohl wir nicht zur Stelle sind, wenn der Nachbarsjunge unserem siebenjährigen Sohn per Baseball-Schläger einen Schneidezahn amputiert. Weil nämlich der größte Teil der Väter immer noch morgens aus dem Haus geht und sich erst wieder blicken lässt, wenn die Kinder bettfertig sind.
Das zu ertragen, fällt Müttern schwer genug. Noch schlimmer für viele: Wenn sie einen Mann haben, der nicht in seiner Rolle als Brotverdiener aufgeht, sondern tatsächlich bei der Erziehung mitreden möchte. Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums unter Vätern ein steil ansteigender Trend. Nur noch ein Drittel sieht sich "vorrangig in der Rolle des Ernährers", aber zwei Drittel schon als "Erzieher der Kinder". Ein Mann und Verantwortung fürs Kind übernehmen? Haha, sagen sich da die Frauen, das ist doch ein Widerspruch in sich. Männer können das gar nicht. Ist genetisch nicht vorgesehen. Wenn sie trotzdem drauf bestehen, ist der Stress vorprogrammiert.
Weil Väter – wie zum Beispiel meine Frau findet – als wandelndes Sicherheitsrisiko nur beschränktes Zugangsrecht zum Kind haben sollten. Warum? Ich liebe – wie die meisten Männer – Zwergenwerfen. Und finde, es gibt nichts Schöneres für ein Baby, als von Mamas in Papas Arme zu fliegen –und umgekehrt.
Leider kamen unsere Kinder nur selten in den Genuss einer lang gezogenen Flugbahn. Sie wurden mehr so hin- und hergereicht. Mama zuliebe.
Später wurde das Mülltonnen-Häuschen Stein des Anstoßes. Ich immer mächtig stolz, wenn unser Mittlerer allein hinaufkletterte und stolz herunterwinkte.
Aber wehe, meine Frau kam zufällig vorbei: "Ihr seid wohl wahnsinnig! Ist dir egal, was mit dem Kind passiert? Oder bist du nur zu faul zum Aufpassen?"
"Dem kann man vertrauen", habe ich gesagt. "Kinder klettern nur auf Bäume, von denen sie auch allein wieder runterkommen. Wenn wir ihn nicht kraxeln lassen, wird er demnächst auf der Turnmatte einen Schwindelanfall bekommen."
Aber wie schon gesagt – als jemand, der sich den ganzen Tag über im Büro vergnügt, hat man natürlich keinen moralischen Anspruch auf Mitwirkung beim Erziehen. Wer dann auch noch sonntags Formel 1 schaut und durchs Kinderzimmer gehen kann, ohne dabei die auf dem Boden verstreuten Hosen, Duplo-Steine und Pokmon-Karten aufzuheben, der hat dieses Privileg vollends verwirkt.
Bevor Sie mich jetzt für einen Macho halten: Ich möchte den Kindern schon zeigen, dass nicht nur Frauen Bäder putzen und Hemden bügeln können. Unerschrocken erledige ich lästige Haushaltspflichten. Und habe damit in Kauf genommen, von einigen Freunden als Warmduscher und Frauenversteher verachtet zu werden. Trotzdem bestehe ich in der Kindererziehung auf meinen männlichen Ansatz. Mit ein paar kleinen Tricks schaffe ich es auch, mich allen weiblichen Widerständen zum Trotz als Vater zu profilieren.

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