Deutsche Männer - faule Rabenväter?

Die deutschen Väter: Rühren im Haushalt keinen Finger und halten sich aus der Erziehung weitestgehend raus - kann das wirklich sein? Eine neue Studie scheint diese Klischees zu bestätigen.

Kindererziehung ist Frauensache

: Deutsche Männer - faule Rabenväter?

Es klingt unglaublich: Gerade schienen die Bemühungen um ein neues Familienbild in Deutschland zaghafte Früchte zu tragen, freute sich Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) über die Akzeptanz des 2007 eingeführten Elterngeldes bei Vätern und Müttern. Allmählich, so schien es, setzt sich auch hierzulande eine wirklich partnerschaftliche Aufteilung sowohl des Geldverdienens als auch der Familienarbeit durch. Eine neue Studie wirft jedoch ein anderes Licht auf die deutschen Familienverhältnisse. Für die "Vorwerk Familienstudie 2007" befragte das Institut für Demoskopie Allensbach knapp 2.000 Personen zu Themen wie Familienleben oder Familienarbeit. Vor allem den Vätern sollten angesichts der Ergebnisse die Ohren klingeln: Ihr Image ist denkbar schlecht. So sind rund 60 Prozent der Befragten der Untersuchung zufolge der Meinung, dass "sehr viele" oder "viele" Väter die Erziehung ausschließlich der Mutter überlassen. Nur 40 Prozent der Männer gaben an, die meiste Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, und gerade mal vier Prozent planten, nach der Geburt Erziehungsurlaub zu nehmen. Gerade dieses Ergebnis erstaunt, schließlich gaben in einer ebenfalls vom Allensbacher Institut durchgeführten Befragung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums 30 Prozent der Männer an, Elterngeld beantragen zu wollen. Nach Erhebungen des Ministeriums haben in 2007 zudem bereits 8,5 Prozent der Väter Elternzeit genommen (mehr dazu hier). Immerhin: 67 Prozent der befragten Männer gaben selbst zu, den "kleineren Teil" der Erziehung zu übernehmen. Nur 28 Prozent der Männer erklärten, sich mehr als ihre Partnerin um die Kinder zu kümmern oder diese Aufgabe gleichmäßig mit ihr zu teilen.

Offenbar klaffen hier Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander: Denn gleichzeitig bezeichneten sich 55 Prozent der Befragten durchaus als "modernen Mann", der Haushaltspflichten übernimmt, sich mit seinen Kindern beschäftigt und die Berufstätigkeit seiner Partnerin unterstützt. Als Gründe für die dennoch geringere Beteiligung an der Kindererziehung werden vor allem Zeitknappheit sowie die Übernahme von Aufgaben außerhalb des Haushaltes, etwa Garten- oder Reparaturarbeiten, genannt - und zwar von Müttern und Vätern. Nur 16 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen begründeten die ungleiche Aufgabenverteilung dagegen damit, dass die Mutter als Bezugsperson für die Kinder wichtiger sei. Und: Die Frauen scheinen mit der Situation nicht grundsätzlich unzufrieden zu sein. Nur 13 Prozent äußerten die Ansicht, ihr Partner würde sich tatsächlich vor solchen Aufgaben drücken.

Geringe Anerkennung für "Nur"-Hausfrauen

Wer jetzt glaubt, dass die Männer wenigstens die Leistungen ihrer Partnerinnen anerkennen würden, wird durch die Studie eines besseren belehrt: Zwar erscheinen die Frauen insgesamt selbstbewusster - 44 Prozent der "Nur"-Hausfrauen bezeichneten sich in der Befragung als "sehr selbstbewusst" - doch 79 Prozent von ihnen beklagten, dass ihre Leistungen hierzulande nicht genügend gewürdigt würden, ein Drittel der Frauen kritisierte diese Einstellung auch am eigenen Mann.

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