Kindergarten
 
"Na, du Asloch"

Kommt das Kind in den Kindergarten, macht es schnell Bekanntschaft mit anderen Kindern - und neuen Ausdrücken. Auf einmal kommen aus dem Kindermund Begriffe, von denen man sich sicher ist, sie nie in den eigenen vier Wänden verwendet zu haben. Warum Schimpfwörter für Kinder so interessant und auch wichtig sind und wie man mit ihnen angemessen umgeht, lesen Sie hier.

1. In der menschlichen Erbmasse schlummert ein Schimpfwort-Gen

Kindergarten: "Na, du Asloch"

Weshalb halten sich bloß jene Vokabeln so hartnäckig, auf die wir gut verzichten könnten? Vielleicht gibt es ein menschliches Gen, auf dem all die Wörter gespeichert sind, die wir zwar kennen, aber doch nicht in den Mund nehmen sollten? Eine etwas wissenschaftlichere Erklärung haben so genannte Malediktologen. Sie beschäftigen sich mit dem Fluchen und haben festgestellt, dass die schlimmsten Beschimpfungen Rückschlüsse auf die stärksten Tabus einer Gesellschaft zulassen. Wir Deutschen seien wie die Nordamerikaner protestantisch geprägt, sagen sie, und damit ziemlich verklemmt und prüde. Geht man nach den Themengebieten, aus denen unsere Schimpfwörter stammen, hat sich daran bis heute nichts geändert - aller scheinbaren Hemmungslosigkeit zum Trotz.

Aber warum fluchen wir überhaupt? Weil man sich Luft machen muss, wenn man sich ärgert. Wer immer alles in sich hineinfrisst, wird früher oder später darunter leiden, seelisch und körperlich - davon sind Mediziner und Psychologen gleichermaßen überzeugt. Trotzdem ist die Gesundheit natürlich kein Freifahrtschein für Pöbeleien unter der Gürtellinie. Schließlich wollen Menschen einigermaßen friedlich miteinander auskommen. Erwachsene haben deshalb ihre Unmutsgefühle im Griff - es sei denn, sie suchen gerade verzweifelt einen Parkplatz, der Computer ist abgestürzt oder der Geburtstagskuchen angebrannt. Wenn etwas schief geht, kann es schon "verdammt" schwer sein, die Ruhe zu bewahren.

Und genau bei diesen Gelegenheiten schnappen dann die eigenen Kinder Wörter wie "Scheiße", "Idiot" oder "Saubär" auf, um vergleichsweise harmlose zu nennen. Aber selbst wenn Mütter und Väter Engel wären - was im Chaos des Familienalltags einfach unmöglich ist -, würden unsere Kinder die Litanei der Schimpfwörter kennen lernen, denn sie kursieren in jedem Kindergarten, dröhnen aus Radios und Fernsehern. Die meisten Eltern wollen gar nicht so genau wissen, was die Kleinen das alles aufschnappen. Je weniger Schimpfwörter, umso besser, denken sie. Das stimmt nicht unbedingt.

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