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12.000 offene Lehrkraftstellen Länder gehen ungewöhnliche Wege: Wer wird die Kinder bald unterrichten?

Ein leeres Klassenzimmer
© rolfkremming / Adobe Stock
Weniger junge Menschen interessieren sich für den Beruf als Lehrer:in und immer mehr Baby-Boomer gehen in Rente – das Ergebnis: 12.341 offene Stellen. Um den Mangel auszugleichen, gehen die Bundesländer jetzt ungewöhnliche Wege. Ruheständler:innen, Quereinsteiger:innen und Kräfte aus dem Ausland: Von wem werden die Kinder bald unterrichtet?

In einem sind sich Bildungspolitiker:innen, Lehrerverbände und Gewerkschaften einig: Deutschland hat zu wenig Lehrer:innen. Wie viele Lehrkräfte genau fehlen, ist teilweise noch umstritten. Auf Nachfrage des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) meldeten die Kultusministerien der Länder insgesamt 12.341 unbesetzte Stellen. Die Unterschiede in den Bundesländern sind dabei enorm hoch. Während in Nordrhein-Westfalen mehr als 8.000 Stellen fehlen, sind es in Schleswig-Holstein knapp 200, Hessen meldet sogar ein Überangebot.

Lehrerverband: 32.000 bis 40.000 Stellen unbesetzt

Dieses sehr ungleiche Bild erklärt Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Lehrerverbands, mit einer sehr einfachen Aussage: Die Zahlen stimmten nicht. Und warum? In vielen Bundesländern würden die Stunden am Anfang des Schuljahres je nach Lehrer:innenmangel gestrichen. So ist der Bedarf auf dem Papier gedeckt. Oder es werden Eltern oder andere Nichtpädagog:innen als Schulhelfer:innen eingesetzt und in der Statistik als Lehrkräfte verrechnet. "Das ist eine Milchmädchenrechnung. Da wird enorm geschönt und getrickst", so Meidinger. Laut Lehrerverband liege die Zahl der unbesetzten Stellen in Deutschland eher irgendwo zwischen 32.000 und 40.000.

Es heißt ja: Not macht erfinderisch. Das sagen sich jetzt auch die Bundesländer und schlagen ungewöhnliche Wege ein, um die Lücken zumindest ein wenig zu stopfen. In Sachsen-Anhalt wird jetzt per Headhunting-Agentur im EU-Ausland gesucht – bereits 90 Personen konnten so unter Vertrag genommen werden. In Baden-Württemberg sollen die Schulen durch Anwärter:innen für ein Freiwilliges Pädagogisches Jahr entlastet werden – mit der Hoffnung, so auch neue angehende Lehrkräfte zu gewinnen. Bayern wirbt einfach Lehrer:innen aus anderen Bundesländern ab.

Pensionierte Lehrkräfte, Quereinsteiger:innen: Die Länder gehen ungewöhnliche Wege

Viele Bundesländer sind mittlerweile dazu übergegangen, pensionierte Lehrer:innen auf freiwilliger Basis wieder an die Schulen zu holen. Oder es werden Prämien gezahlt, wenn Lehrkräfte statt in Rente zu gehen noch bleiben. Andernorts werden die Wege vereinfacht, beispielsweise um Gymnasiallehrer:innen auch an Grundschulen einsetzen zu können.

In 12 von 16 Bundesländern wird auf sogenannte Quereinsteiger:innen gesetzt. In Bremen können sich Interessierte beispielsweise mithilfe eines zweiwöchigen Kompaktkurses für eine Tätigkeit als Lehrer:in qualifizieren, an den sich eine anderthalbjährige berufsbegleitende Qualifizierung anschließt. Brandenburg verspricht eine Verbeamtung für Quereinsteiger:innen, auch wenn sie nur einen Bachelor-Abschluss haben. Zu den Quereinsteiger:innen setzen einige Bundesländer auf mehr Personal in der IT, Verwaltung und auf sogenannte Alltagshelfer:innen.

Verwendete Quellen: rnd.de

slr ELTERN

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