Erziehungsprobleme
 
Vier klassische Fälle - gut gelöst!

2. Problem: Das Kind ist aggressiv

Kein Mensch kann immer nur lieb und friedfertig sein

"Schwierigkeiten in der Beziehung mit Kindern stehen oft in Verbindung mit ungelebten Gefühlen und Wünschen der Eltern", weiß Christiane Lutz. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang vom "Schatten". Gemeint ist, dass wir positive Seiten in uns überbetonen und dunkle Seiten verdrängen.

"Es passiert häufig, dass Kinder solche Schattenseiten der Eltern aufgreifen und ausleben", sagt die Therapeutin. Beispiel Jasmin, elf Jahre alt. Bis vor kurzem ein liebes, anschmiegsames Kind. Auffallend: Jasmin hatte nie eine wirkliche Trotzphase. Umso mieser ist die Atmosphäre, die Jasmin seit Beginn der Pubertät zu Hause verbreitet. Sie knallt Türen, mault, macht Vorwürfe, und in der Schule wurde sie beobachtet, wie sie Mitschüler bedroht und erpresst hat.

"Dabei haben wir unseren Kindern stets nahe gebracht, Konflikte friedlich zu lösen", sagt die Mutter und schüttelt verständnislos den Kopf. "Vielleicht ist genau das das Problem", meint Christiane Lutz. "Kein Mensch kann immer nur lieb und friedfertig sein. Aggressionen brodeln dann unterschwellig und stauen sich an - bis es zur Explosion kommt."

Manche Kinder richten die Aggressionen gegen sich selbst: "Magersucht ist zum Beispiel eine äußerst aggressive Form, sich der Umwelt mitzuteilen", sagt Christiane Lutz. "Magersüchtige Mädchen bleiben auf Grund der körperlichen Weigerung, erwachsen zu werden, ewig Mamas oder Papas kleine Tochter."

Das rät die Therapeutin:

Fragen Sie sich ehrlich: Gibt es in Ihrer Familie eine offene Streitkultur? Oder senden Sie häufig Botschaften wie "Bloß nicht streiten!", "Reiss dich zusammen!", indem Sie zum Beispiel jede offene Auseinandersetzung mit dem Partner vermeiden? Wenn Sie Ihr Kind entlasten wollen, müssen Sie herausfinden, woher Ihr Verhalten rührt. Fragen Sie sich: "Wie kommt es, dass ich so harmoniesüchtig und nachgiebig bin?" Und: Versuchen Sie, sich an Ihre eigene Kindheit zu erinnern: Wollten Sie die brave Prinzessin sein oder die verwegene Pippi Langstrumpf?

Wenn Sie durchschauen, welche Muster Ihr Verhalten prägen, können Sie leichter dagegensteuern. Im Streitfall heißt das: Sie können zu Auseinandersetzungen ermutigen, statt nur Harmonie zu predigen. Der Gewinn für Ihr Kind: Sie können ihm zugestehen, seine eigenen Bedürfnisse auszuleben, und eine befreiende Botschaft senden: Werde nichts mir zuliebe - werde du selbst!