Erziehungsprobleme
 
Vier klassische Fälle - gut gelöst!

3. Problem: Das Kind ist überängstlich

Wenn behütetete Kinder in die Schule kommen, können Probleme auftauchen

"Ängstliche Kinder haben häufig Eltern, die nicht loslassen können", sagt Christiane Lutz und erinnert sich an einen Fall aus ihrer Praxis: "Nele kannte nur permanente Mama-Präsenz. Sie traute sich zum Beispiel nur dann auf eine Rutsche, wenn die Mutter unten stand und sie auffing. Ein ermunterndes 'Probier es doch mal allein!' gab es nie."

Kinder von überbehütenden Müttern und Vätern wirken zunächst oft angepasst und lieb, die Kindergartenzeit bewältigen sie meist problemlos. "Die Schule wird dann jedoch als beunruhigende Schwellensituation erlebt, denn nun macht das Kind zwangsläufig einen Schritt von den Eltern weg", erklärt die Therapeutin.

Bei Nele entwickelte sich die Situation dramatisch: Schon als Erstklässlerin litt sie unter psychosomatischen Symptomen wie Übelkeit und Kopfweh, die jedoch in den Ferien jedes Mal verschwanden.

Als Zwölfjährige kommt sie mit einer ausgeprägten Schulphobie zu Christiane Lutz in die Therapie: Aus Angst, vor den Mitschülern zu erbrechen, war Nele seit fast einem Jahr daheim geblieben. Nach wenigen Gesprächen mit der Mutter ist klar: Sie ist das Kernproblem. Unbewusst hält sie ihre Tochter zurück, weil sie nicht wirklich loslassen kann. So verschwindet Neles Schulphobie beinahe schlagartig, als sich ihre Mutter wegen einer Fortbildungsmaßnahme stärker mit sich selbst als mit Nele beschäftigt: "Man konnte sehen, wie das eine das andere bedingte."

Das rät die Therapeutin:

Sind Sie oft besorgt? Wenn ja, überlegen Sie bitte, wie diese Haltung bei Ihrem Kind ankommt. Beispiel Schulweg: "Pass auf, wenn du die Straße überquerst" oder "Komm bloß nicht unters Auto" interpretiert Ihr Kind vielleicht so: Mama oder Papa trauen mir nicht zu, dass ich das richtig mache. Wahrscheinlich kann ich es wirklich nicht.
Ganz anders wirkt es, wenn Sie zum Beispiel sagen: "Du bist so tüchtig. Ich weiß, dass du gut aufpasst, wenn du über die Straße gehst!" Solche Sätze zeigen dem Kind: Meine Eltern vertrauen darauf, dass ich es richtig mache.

Eltern müssen ein Stück Abschied nehmen, wenn ihr Kind durch ihre Ermutigungen selbständiger, unabhängiger werden soll. Aber diese Unabhängigkeit hat nichts Beunruhigendes. Schließlich gibt es nichts Schöneres als Kinder, die vertrauensvoll ins Leben gehen. Kinder von Eltern mit Dauer-Sorgenfalten werden dagegen oft selbst zu besorgten Menschen mit wenig Selbstvertrauen.