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"Mein Kind ist ja so hochbegabt!"

Sind kleine Rüpel immer hochbegabt?

Dieses Argument höre ich die nächsten Jahre von vielen, vielen Eltern. Ihre Kinder müssen leider stören, sind vom Prügeln nicht abzuhalten, haben den Drang zu intrigieren, andere auslachen, laut zu schmatzen oder schlechte Noten zu kassieren… weil sie hochbegabt sind (wahlweise leiden sie an ADHS, unerkannter Legasthenie oder Dyskalkulie). Immer heißt es: "Da kann man leider nichts machen!". Und manchmal werde ich sehr von oben herab gemustert. Wie kann ich nur glauben, begabte Kinder könnten Regeln lernen und das schlechte Benehmen sei schlicht auf falsche Erziehung zurückzuführen? Mir wäre das alles ja noch egal; nicht aber, dass mein Kind unter den Mini-Rüpeln leiden muss. Experten und Psychologen machen derzeit die Erfahrung, dass rund die Hälfte der Eltern von verhaltensauffälligen Kindern mit der Vermutung in die Beratungspraxen kommt, ihr Nachwuchs sei einfach nur ein kleines Genie. Das ist eben allemal einfacher, als sich selbst erzieherisches Versagen einzugestehen, oder der Tatsache ins Auge zu sehen, dass der Sprössling etwa unter der Trennung der Eltern oder anderen Problemen in der Familie leidet. Verständlich, menschlich, aber eben in der Regel falsch.

Auch gutes Benehmen kann klug sein

Eine Haupterkenntnis der wissenschaftlichen Forschung zum Thema: Nur zehn bis fünfzehn Prozent der hochbegabten Jungen und Mädchen (die Hochbegabung ist auf die Geschlechter mit gleicher Häufigkeit verteilt) fallen tatsächlich durch ihr Verhalten oder ihre miesen Leistungen unangenehm auf - solange niemand ihre Begabung erkennt. Da aber bloß ganze zwei Prozent aller Kinder hochbegabt sind, macht das eine eigentlich fast verschwindend geringe Zahl hochbegabter Schüler und Schülerinnen aus - im Angesicht der massenhaften, gerne mit Sonderbegabung entschuldigten, Ungezogenheit an Schulen. Das Fazit der Forschung: Hochbegabung macht sich nicht typischerweise durch Rüpelei oder Rücksichtslosigkeit bemerkbar.