Schreiben
 
Schnell und schön schreiben

In jeder Klasse sitzen gute Schreiber, die flüssig und lesbar schreiben, und andere, die den Bogen nie rauskriegen. Neue Unterrichtsmethoden sollen das ändern. Wie Schreiben jetzt in der Schule gelernt wird, und wie Sie Ihr Kind dabei unterstützen können, lesen Sie hier.

1. und 2. Klasse: Auf Rhythmus und Schwung achten

Schreiben: Schnell und schön schreiben
John Clines - Fotolia.com

Druckschrift als Erstschrift wird heute in fast allen Lehrplänen vorgeschrieben oder zumindest eindringlich empfohlen. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass flüssige Schreiber viele Druckbuchstaben in ihre Schrift integrieren, weil die sich schneller schreiben lassen. Widerlegt ist dagegen, dass die durchgängig verbundenen Buchstaben der Lateinischen Ausgangsschrift (LA) für Schnelligkeit sorgen. Im Gegenteil: LA fördert bei Schreibanfängern vor allem Verkrampfungen.

Gut zu wissen: Bei der Entwicklung der Vereinfachten Ausgangsschrift (VA) wurden die typischen Merkmale ausgereifter Handschriften berücksichtigt. Das heißt: Sie besteht aus vielen Druckbuchstaben. Die neuen Verbindungsteile machen es zusätzlich leicht, den Stift immer wieder kurz abzusetzen. Das entspannt die Hand! Die VA ist übrigens kein fertiges Produkt. Sie vermittelt vielmehr ein Basiswissen, das selbsttätig weiterentwickelt werden soll, um zu einer individuellen Handschrift zu gelangen. Kinder, denen zum Beispiel das kleine "e" mit Köpfchen oder das verschörkelte kleine "z" schwerfällt, dürfen die unkomplizierte Schlaufe beziehungsweise das Zickzack der LA schreiben.

So können Sie unterstützen: Beim Schreiben kommt es nicht nur auf die Form, sondern auch auf Rhythmus und Schwung an. Denn so wenig, wie sich eine Pirouette auf dem Eis in Zeitlupe üben lässt, kann flüssiges Schreiben durch langsames Buchstabenabmalen entstehen. Lassen Sie Ihr Kind deshalb immer wieder auf Kosten der Optik Tempo machen und aus der Bewegung heraus die Form verbessern.

John Clines - Fotolia.com

3. Klasse: Jetzt ist Tempo gefragt

Fast immer verändert sich in Klasse 3 die Schrift. Sie wird unleserlicher, weil schnelleres Schreiben verlangt wird.

Gut zu wissen: Die meisten Kinder glauben, dass sie alle Elemente in der Schrift gleichmäßig beschleunigen müssen, um an Schnelligkeit zu gewinnen. Geübte Schnellschreiber machen aber lediglich schnelle Auf- und Abstriche und werden bei den runden Formen langsamer. Das Ergebnis: ein gutes Tempo, dessen Textergebnis auch noch gut zu lesen ist.

So können Sie unterstützen: Zeigen Sie Ihrem Kind, wie Sie selbst schnell schreiben, etwa so: "Siehst du, wie ich die einfachen Striche ziemlich flott ziehe, aber mir für die Rundungen auch mal mehr Zeit nehme?" Weisen Sie Ihr Kind auch darauf hin, dass routinierte Schreiber ganz oft die Stiftspitze kurz vom Blatt heben. Diese Mini-Pausen sorgen für Mini-Entspannungen der Handmuskulatur, was wiederum die Ausdauer fördert. Nehmen Sie sich außerdem Zeit, gemeinsam einzelne Buchstaben unter die Lupe zu nehmen: Wo gibt es in der Schrift Ihres Kindes unnötige Schnörkel, die den Schreibfluss bremsen?

5. Klasse: Individuell aber leserlich

Ab jetzt ist Schreiben kein pädagogisches Thema mehr. Individuelle Handschrift wird zwar nicht gefördert, aber zugelassen – solange sie gut zu lesen ist.

Gut zu wissen: Ein hochkomplizierter Bewegungsablauf, wie einen Ball im Laufen aufzufangen, fällt uns leichter als das relativ einfache Auf und Ab, das beim Schreiben verlangt wird. Das liegt daran, dass die schwierigen Dinge fast immer reaktiv ablaufen, also ohne große Gehirnbeteiligung. Sobald allerdings Bewegung und Denken miteinander gekoppelt werden, wird's kompliziert.

So können Sie unterstützen: Bitten Sie Ihr Kind, alle Schwünge und Buchstaben noch weiter zu verbessern, die es bereits gut kann. Das beschleunigt das Schreiben und verschönt das Schriftbild besonders effektiv. Erklären Sie Ihrem Kind außerdem, dass Handschrift unterschiedliche Funktionen hat, die je nach Situation unterschiedlich genutzt werden können. Textentwürfe eignen sich zum Beispiel ausgezeichnet, um zügiges Schreiben zu üben. Es reicht völlig, mehr Zeit in das gute Aussehen der letzten Fassung zu investieren.

Wissenschaftliche Beratung:
Dr. Christian Marquart, Bewegungsforscher