Selbstverteidigung
 
Stopp! Ich will das nicht!

Wer sich stark fühlt, wird nicht so leicht zum Opfer. Deshalb ist es gut, wenn Kinder früh ihr Selbstbewusstsein trainieren.

Interview: Selbstbewusstsein schützt

Selbstverteidigung: Stopp! Ich will das nicht!

ELTERN family sprach mit Reinhold Hepp von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPk):

Haben Eltern heute mehr Angst?
"Angst würde ich nicht sagen. Sie sind vielleicht sensibler gegenüber dem Thema Gewalt. Und lassen sich öfter beraten, wie sie ihr Kind zu einem selbstbewussten Menschen erziehen können. Denn selbstbewusste Kinder geraten wesentlich seltener in Gefahr. Allerdings überschätzen Eltern auf Grund der Medienberichte zurzeit den Anstieg gerade der körperlichen Gewalt gegen Kinder."


Was macht ein selbstbewusstes Kind aus?
"Es traut sich, laut und deutlich Nein zu sagen. Es küsst nicht jeden Verwandten und Bekannten, nur weil die Erwachsenen das niedlich fi nden. Es lässt sich nicht streicheln, wenn es das nicht will. Es spricht über seine Gefühle, vertraut seinem Bauchgefühl, und es setzt sich, wenn es sich missachtet oder bedroht fühlt, zur Wehr."


Sind Selbstbewusstseins-Trainings in diesem Zusammenhang sinnvoll?
"Reines körperliches Training, wie es an Sportschulen angeboten wird, greift in der Regel zu kurz. Neben der Selbstverteidigung muss auch immer die Selbstbehauptung geschult werden, also das selbstsichere Auftreten, das starke Nein und der direkte Blick. Außerdem müssen Rollenspiele, die wichtiger Bestandteil dieser Trainings sind, dem Alter der Kinder angepasst sein. Ein Vierjähriger wird unnötig verunsichert, wenn der Trainer den bösen Onkel mimt und ihn in sein Auto zerrt."


Was können Eltern selbst tun?
"Sie müssen ihre Kinder ernst nehmen, ihnen Verantwortung übertragen, sie loben und sich immer wieder Zeit nehmen für ein vertrauensvolles Gespräch. Außerdem wichtig: Sicherheit vermitteln! Es reicht nicht aus, Kindern zu sagen, dass sie sich Hilfe holen können. Man muss ihnen auch zeigen, wo sie sich Hilfe holen können, sei es in der Pizzeria gegenüber oder im Laden am Eck. Also reingehen, umschauen, Kontakt aufnehmen."

Mehr Infos : www.polizei-beratung.de

Woran erkenne ich gute Angebote?

Kurse für Selbstverteidigung und Selbstbewusstsein sind also sinnvoll. Doch bevor Sie Ihr Kind für einen solchen Kurs anmelden, sollten Sie überprüfen, ob das Angebot auch gut ist. Woran Sie sich orientieren sollten, das klären diese fünf Fragen:

1.
Arbeitet der Anbieter mit den örtlichen Hilfestellen zusammen? Ist er bekannt? Befürworten Jugendamt, Kinderschutzbund und Beratungsstellen die Kurse?

2. Wie sind die Trainer qualifi ziert? Haben sie eine pädagogische oder psychologische Aus- oder Fortbildung?

3. Werden die Eltern direkt einbezogen? Werden sie auf einer Informationsveranstaltung genau über Ablauf und Inhalte des Kurses aufgeklärt? Erfahren sie, was sie selbst in ihrem Erziehungsalltag zum Schutz ihres Kindes tun können?

4. Stehen die Stärkung des kindlichen Selbstbewusstseins und die positive Selbsteinschätzung im Mittelpunkt des Kurses, und nicht körperliche Techniken zur Selbstverteidigung? Und macht der Kurs klar: Die Verantwortung für die Sicherheit des Kindes liegt immer beim Erwachsenen? Ein Kurs kann Kinder nur ermutigen, sich bei ihnen Unterstützung zu holen.

5. Gehört es zum Grundsatz des Trainings, die persönlichen Grenzen von jedem Mädchen und jedem Jungen zu erkennen und zu akzeptieren? Ist die Teilnahme an jeder Übung freiwillig, gerade bei Körperkontakt?
Die ausführlichen Qualitätsstandards zum Download: Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz, Landesstelle Nordrhein- Westfalen, www.ajs.nrw.de

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Kurse gegen die Angst

Hier finden Sie eine Auswahl an Kursen, die den Qualitätskriterien entsprechen:

KIDSPRO:
Der Veranstalter arbeitet hauptsächlich mit Schulen, Kindergärten und Jugendzentren zusammen. Private Anmeldungen sind möglich. Der Kurs (sechs Stunden Kindertraining plus zwei Stunden Elternschulung) kostet pro Kind 40 Euro.
Infos: Andreas Busche, Tel. 08165-90 69 91, www.kinderschutztraining.com

BLEIB FAIR: Unter dem Motto "Wir machen Kinder stark" geht das Team in Kindergärten, in Haupt- und Realschulen. Ein Kurs hat zwölf Stunden, verteilt über zwölf Wochen. Kosten: 60 Euro.
Fackenburger Allee 78 a, 23554 Lübeck, Tel. 04 51/47 77 55, info@bleib-fair.de, www.bleib-fair.de

WO-DE: Die Sicherheitsschulungen für Schüler von sechs bis 16 basieren auf einem Konzept mit den Schwerpunkten "Gefahren erkennen und vermeiden" und Rollenspielen zu Themen wie "Reden ist unsere stärkste Waffe". Die Kosten belaufen sich für 16 Stunden auf 115 Euro.
Infos: Karin Kainz, Ickelsamerstr. 32, 81825 München, Tel. 0 89/12 35 91 91, www.wo-de.de

PIPPI LANGSTRUMPF: Irene Bohn und Christa Brosowske bieten Selbstsicherheitstrainings für Mädchen von sechs bis acht Jahren an. Es gibt Kurse, die über mehrere Wochen verteilt sind, und Kompaktkurse. Kursgebühr: um die 30 Euro,
Infos: Irene Bohn, Tel. 08153-95 21 47, www.so-stark-wie.de/td>

Zum Weiterlesen

  • "Das ist gemein! – Wenn Kinder Kinder mobben. So schützen und stärken Sie Ihr Kind", Jenny Alexander, Herder, 7,90 Euro
  • "Keine Angst vor Aggression. Die Kunst der Selbstbehauptung", George R. Bach/ Herb Goldberg, Fischer, 8,95 Euro
  • "Macht uns nicht an!", Christiane Wortberg, Unrast-Verlag, 12 Euro