Richtig fördern
 
Was macht Kinder schlau?

Was bedeutet "Intelligenz" bei Kinder eigentlich? Dass sie gute Noten schreiben? Nicht unbedingt - und nicht nur. Eltern sollten alle Anlagen und Interessen ihres Kindes bewusst wahrnehmen. Und ihm viele Spiel- und Lernmöglichkeiten anbieten. Welche, das erfährst Du hier.

Junge malt
iStock, milanvirijevic

Was Eltern über schlaue Kinder wissen sollten

Woran denkst Du, wenn Du das Wort "intelligent" hören? An einen zerstreuten Professor, der Atome spaltet? Oder an eine ehemalige Mitschülerin, die immer nur Einsen schrieb? Vielleicht aber auch an Deine Fünfjährige, die gerade selbstvergessen ein Lied für zwei Kochtöpfe und vier Gabeln komponiert?

Was wir oft vergessen: Nicht nur eine Eins in Latein oder ein Nobelpreis in Medizin ist ein Zeichen dafür, dass es sich um einen schlauen Menschen handelt. Dem Intelligenzforscher Howard Gardener zufolge umfasst Intelligenz nicht nur den IQ. Vielmehr handelt es sich um ein ganzes Bündel von Fähigkeiten und Begabungen, die in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns angesiedelt sind.

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Insgesamt nennt Gardener sieben Intelligenztypen:

Auch eine intelligente Frage: Wie bekommt ein Küken im Ei eigentlich Luft?
  • visuell-räumlich
  • sprachlich lmusisch
  • logisch-mathematisch
  • kinästhetisch (Gefühle und Gedanken können besonders gut über Bewegung ausgedrückt werden)
  • interpersonal (beziehungsintelligent)
  • intrapersonal (tiefes Verständnis für die eigene Persönlichkeit).

Die meisten Kinder besitzen drei, vier oder mehr Intelligenzen in unterschiedlicher Ausprägung - die sich ein Leben lang weiterentwickeln, vorausgesetzt, sie werden entsprechend trainiert. Entscheidend ist, Intelligenz nicht an guten Noten festzumachen, sondern alle Anlagen und Interessen seines Kindes wahrzunehmen und ihm möglichst viele unterschiedliche Spiel- und Lernmöglichkeiten anzubieten.

Denn die Intelligenz eines Kindes zeigt sich auch darin, dass es eine Geschichte immer wieder hören will. Dass es sich Gedanken macht, wie ein Küken im Ei Luft bekommt. Daran, dass es geheimnisvolle Botschaften an eine beschlagene Fensterscheibe malt oder einen Zaubertrank aus Zahnpasta, Zucker und Salatöl mixt.

Die wichtigsten Ergebnisse der Lern- und der Hirnforschung

Damit Du Dein Kind bei seinen Exkursionen durch die Welt des Wissens begleiten, unterstützen und fördern kannst, haben wir für Dich die wichtigsten Ergebnisse der Lern- und der Hirnforschung zusammengefasst:

Plus: Mit unserem Test findest Du heraus, ob Du Dein Kind ausreichend förderst.

Nicht Intelligenz, sondern Wissen ist der Schlüssel zum Können.

Kinder müssen forschen, suchen und experimentieren können

Intelligente Kinder lernen zwar leichter, doch wenn sie die Gelegenheit zum Lernen nicht wahrnehmen, verschenken sie diesen Vorsprung. Den größten Einfluss auf Lernfortschritte hat das verfügbare Wissen, weitgehend unabhängig vom IQ, sagt die Lernforscherin Elsbeth Stern. Defizite in der Intelligenz können durch Lernen und Vorwissen wettgemacht werden, umgekehrt gilt das nicht.

Fragen zu stellen, ist die wichtigste und beste Methode, sich Wissen anzueignen, sagen Lernforscher. Erwachsene müssen nur darauf achten, dass Kinder genügend Gelegenheiten zum Forschen, Suchen und Experimentieren haben - und einen liebevollen Mentor, der Anstrengungen zu würdigen weiß, manchmal sanft Korrekturen anbringt, Fragen beantwortet und sich für ihre Unternehmungen begeistert.

Kinder lernen mit anspruchsvollen Inhalten

Das Gehirn kann nicht mit beliebigen geistigen Aktivitäten trainiert werden. Wer Texte lesen und verstehen will, muss Anspruchsvolles lesen und interpretieren. Wer physikalische Gesetze begreifen will, muss sich über eine Beobachtung hinaus - Holz schwimmt, Eisen nicht - mit physikalischen Phänomen wie Dichte und Auftrieb befassen. Der Hirnwissenschaftler Henning Scheich empfiehlt, Beobachtungen und Experimente regelmäßig mit Sachwissen zu unterfüttern.

Übung macht den Meister

Gelerntes muss auswendig gelernt, wiederholt und vertieft werden, damit der Transfer vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis klappt. Nur so werden wieder Ressourcen frei für andere geistige Aktivitäten. Voraussetzung ist jedoch, dass man den Stoff versteht. Aber: Stures Pauken bringt nichts - Auswendiglernen hingegen schon. Die meisten Kinder tun das ganz von allein, indem sie Sprüche, Gedichte, Slogans und Lieder vortragen.

Positive Aufregung und Anstrengung

Der Wechsel von Erfolg und Misserfolg hält das Gehirn unter Spannung, erzeugt ein Wechselbad chemischer Botenstoffe und fördert damit das Lernen, sagt der Neurobiologe Henning Scheich. Ideal ist, wenn Kinder viel ausprobieren und experimentieren dürfen. Ein wichtiger Mechanismus, der das Lernen fördert, sei nämlich das "interne Belohnungssystem" im Gehirn, so Scheich: Befasst sich ein Kind mit einer neuen Aufgabe und findet durch Versuch und Irrtum die Lösung, werden vom Gehirn Neurotransmitter ausgeschüttet, die Glücksgefühle auslösen.

Klug durch Freude

Freudiges Herzklopfen macht klug und neugierig , meint der Psychologe Arthur Aron. Angst macht dumm. Beim ersten Anzeichen von Bedrohung verlagert das Gehirn seine Funktionen von den hohen vorderen Stirn lappenbereichen in die alten Abwehrmechanismen des so genannten "Reptiliengehirns". Auch dort findet im Sinn von Konditionierung ein gewisses Lernen statt, es ist aber immer mit Wut, Angst und Sorge verbunden und wenig kreativ.

Intelligente Kinder lesen

Informationen, die man via Computer oder Fernsehen aufnimmt, werden schlechter und langsamer verarbeitet und gemerkt als solche, die man einem Buch entnimmt, haben US-Forscher herausgefunden. In den ersten zwölf Lebensjahren werden insbesondere beim Bücherlesen Verständnisstrukturen entwickelt, die dazu befähigen, abstrakte Informationen zu verarbeiten. Die Zeit, die Kinder vor Bildschirmen verbringen, sollte daher insgesamt nicht mehr als eine Stunde täglich betragen.

Wald und Wiese schärfen die Sinne

Um konzentriert lernen zu können, muss ein Kind aufmerksam sein. Voraussetzung dafür: Stille und Ruhe, wie man sie etwa auf Wanderungen und Bergtouren erleben kann. In der Natur sind alle Sinne hellwach, man kann ungestört Beobachtungen machen und seinen Gedanken nachhängen: Riecht es hier nach Pilzen? Welcher Vogel singt da? Lass Dein Kind manchmal seine Schuhe ausziehen. Barfuß durch Wald und Wiesen zu laufen, erfordert Achtsamkeit, damit man sich nicht an Wurzeln oder Steinen wehtut. Dabei wird die Vielzahl der Nervenenden an den Fußsohlen aktiviert, was sich positiv auf Konzentration und Ausdauer auswirkt.

Geschichten erzählen

Werden Kinder durch eine Geschichte gefangen genommen, konzentrieren sie sich nicht nur beinahe mühelos - sie können diesen Zustand auch bis zu zwei Stunden nach Beendigung der Geschichte aufrechterhalten. Gleichzeitig lernen sie neue Wörter und Formulierungen kennen und erleben, wie sie in ihrer Fantasie Wirklichkeiten entstehen lassen können.

Aufmerksam durch Fantasiereisen

Mit Traumreisen lassen sich spielerisch Wahrnehmungsfähigkeit und Aufmerksamkeit intensivieren und Spannungen abbauen. Mach doch zwei-, dreimal in der Woche eine Fantasiereise von zehn bis 15 Minuten: "Verwandle dich in eine weiße Feder wie die von einem Küken. Schließe deine Augen. Du schaukelst sanft im Wind ..."

Intelligent durch Liebe und Lob

Liebe und Anerkennung sind entscheidend für das geistige Wachstum

"Man sieht nur mit dem Herzen gut", sagt "Der kleine Prinz". Der amerikanische Intelligenzforscher und Psychologe Joseph Chilton Pearce ist derselben Meinung. Er hat herausgefunden, dass das Herz ein Gehirn besitzt, das über so genannte Ganglien mit jedem wichtigen Organ des Körpers und mit dem Muskelspindelsystem verbunden ist. Die Hälfte der Neuralzellen ist daran beteiligt, Informationen zu übersetzen, die der Körper übermittelt, die andere Hälfte unterhält einen Dialog von Herz und Hirn.

Das Herz reagiert auf Botschaften, die ihm vom Gehirn vermittelt werden - und umgekehrt. Am besten funktioniert das, wenn sich ein Kind sicher und angenommen fühlt. Liebe und Anerkennung, so Pearce, sind entscheidend für das geistige Wachstum eines Kindes. Ohne sie kann ein Kind seine Intelligenz nur schwer entfalten.