Musikunterricht
 
Blockflöte, Klavier oder Cello?

Musik fördert Kinder - vor allem aber macht sie Spaß. Aber woran können Eltern erkennen, ob ihr Kind ein Instrument lernen will? Und wie finden sie dann das geeignete Instrument und den richtigen Lehrer? Ein Interview mit einem Musiklehrer.

Test: Hat Ihr Kind musikalisches Talent?

Musikunterricht: Blockflöte, Klavier oder Cello?

Sie haben das Gefühl, dass Ihr Kind eine echte musische Begabung hat? Unser Test verschafft Ihnen Klarheit - und gibt Ihnen gleich noch Tipps, wie Sie Ihr junges Talent optimal fördern können.





Interview mit einem Musiklehrer

Ein Interview mit Stefan Flemmerer, Leiter der privaten Musikschule Haidhausen-München und Vater von drei musizierenden Kindern.

Sollte jedes Kind ein Instrument lernen?
Nein. Manche Kinder sind körperlich so agil, dass sie ihren Bewegungsdrang besser über Sport ausleben. Aber Singen, Tanzen und Klatschen gehören unbedingt in jedes Kinderleben. Und natürlich Konzert- und Opernbesuche.

Wann sollte man mit dem Instrumentalunterricht beginnen?
Am besten mit dem Schulalter. Aber natürlich kann man auch erst mit neun oder später anfangen.

Wie kann ich herausfinden, welches Instrument für mein Kind geeignet ist?
Entscheidend ist die Wahl des Kindes. Mit gewissen Einschränkungen. Einmal kann man nicht in jedem Alter mit jedem Instrument anfangen. Blasinstrumente sind beispielsweise erst für Zehn- bis Zwölfjährige geeignet. Zum anderen empfehle ich sehr unruhigen Kindern eher Flöte oder Schlagzeug als ein Saiteninstrument. Geige, Bratsche und Cello erfordern viel Ausdauer und Geduld. Übrigens auch auf Seiten der Eltern.

Wie können Eltern ihr Kind begleiten, wenn sie selbst keine musikalische Erfahrung haben?
Es ist nicht wichtig, ob Eltern ein Instrument spielen können oder ob sie Notenkenntnisse besitzen. Entscheidend sind die Liebe zur Musik und das Interesse an den Lernschritten und Erlebnissen des Kindes. Dazu gehört: sich Zeit nehmen, dem Kind zuhören, loben und ermuntern.

Worauf müssen Eltern beim Üben achten?
Üben lernt man idealerweise im Unterricht. Eltern wiederum müssen die Übungsstunde fest in den Tagesablauf integrieren und sollten nicht immer wieder darüber diskutieren, ob, wann und wie lange geübt wird. Vorschulkinder beginnen mit einer Viertelstunde täglich, Neun- bis Zehnjährigen können schon eine Stunde durchhalten. Auch in den Ferien sollte geübt werden. Zumindest drei Wochen in den Sommerferien.

Wie findet man einen guten Musiklehrer?
Über Musikschulen, indem man den Musiklehrer seines Kindes fragt oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch unter den Studenten der Konservatorien und Musikhochschulen gibt es begabte Lehrer. In jedem Fall sollte man Probestunden vereinbaren. Im Übrigen plädiere ich für Unterricht außer Haus. Man muss sich auf den Weg machen, wenn man ein Instrument lernen will. Auch im übertragenen Sinn. Außerdem mögen es viele Kinder gar nicht, wenn ihre Eltern nebenan sitzen und zuhören.

Was kostet der Instrumentalunterricht?
Das kommt auf die Region an. In München zahlt man für 45 Minuten 25 Euro und mehr, in Berlin etwas weniger. Günstiger ist der Unterricht in städtischen Musikschulen.

Musikinstrumente sind teuer. Muss man gleich eines kaufen, oder gibt es auch andere Möglichkeiten?
Streichinstrumente müssen ja mitwachsen, insofern rate ich dazu, sie zu leihen. Bleibt das Kind dabei, kann man später immer noch eine Geige oder ein Cello kaufen

Welches Instrument?

Blockflöte: Ist das typische Einsteigerinstrument. Die Technik ist leicht zu lernen, die Kinder sehen rasch Erfolge. Blockflöten eignen sich vor allem, um in der Gruppe zu musizieren. Kinder können relativ bald viele Lieder spielen. Die Anschaffung ist günstig.

Schlaginstrumente: Wer sich besonders für Rhythmus begeistert, hat sicher an Schlaginstrumenten Spaß. Auch ansonsten schüchterne Kinder gehen hier oft richtig aus sich heraus. Besonders reizvoll: Auch für Pop und Rock gibt es Noten. Man kann mit einer Trommel beginnen und sie Stück für Stück zum Schlagzeug ergänzen.

Klavier und Keyboard: Die meisten Kinder mögen sie wegen ihrer Klang- und Spielvielfalt. Auch hier gibt es für alle Stilrichtungen Noten. Das Klavier erfordert manuelle Geschicklichkeit und Ausdauer. Wer nicht ausreichend übt, kommt über die Anfänge nicht hinaus. Vorteil eines Keyboards: Es ist deutlich preiswerter und Platz sparender als ein Klavier.

Saxofon, Trompete, Klarinette: Blasinstrumente sind mittlerweile auch bei Mädchen in Mode. Sie erfordern jedoch ein ausreichendes Lungenvolumen und eine gute Lippenarbeit.

Geige und Cello: Streichinstrumente erfordern neben manueller Geschicklichkeit ein gutes Gehör. Überdies ist Disziplin gefragt, denn gerade am Anfang klingen die Töne noch wenig beeindruckend, können aber mit zunehmender Spielstärke sehr gut Gefühle ausdrücken.

Gitarre: Sie ist das ideale Begleitinstrument. Schon einfache Akkorde klingen schön. Damit hat die Gitarre schon viele junge Leute in seelischen Krisen getröstet. Für klassische Stücke ist aber Ausdauer und qualifizierter Unterricht nötig.