Verhalten
 
Klassenclowns brauchen ihre Sonderrolle

Auffälliges Verhalten kann viele Gründe haben - vom familiären Umfeld über falsche Vorbilder bis hin zu übermäßigem Fernsehkonsum. Natürlich ist ein Klassenclown am Anfang meistens lustig. Bei ständigen Blödeleien sollte aber unbedingt gegengesteuert werden.

Wenn das Klassenzimmer zur Bühne wird

Verhalten: Klassenclowns brauchen ihre Sonderrolle

Für manche Kinder ist das Klassenzimmer eine Manege. Wie ein Clown machen sie dort ihre Späße, kippeln mit dem Stuhl, reißen Witze und ziehen Grimassen. Und während die Mitschüler vergnügt kichern, geht es mit den schulischen Leistungen des Klassenkaspers rapide bergab. Susanne Fink ist Diplom-Psychologin beim Schulamt Bad Langensalza in Thüringen und sagt: "Wenn ein Kind es mit den Blödeleien im Unterricht übertreibt, auf Kosten anderer Witze macht und über einen längeren Zeitraum nicht aus diesem Verhalten herauskommt, sollte man etwas dagegen unternehmen! Sonst könnte sich das Kind schnell an die Aufmerksamkeit gewöhnen, die es durch dieses Benehmen ergattern kann."

Möchte man die Ursachen hinter den übertriebenen Blödeleien aufdecken, darf man diese nicht nur bei dem Kind selbst suchen. "Auch die Klassenstruktur und das familiäre Umfeld können dazu beitragen, dass sich ein Kind zum Klassenclown entwickelt", sagt Fink. Wichtig ist daher, zu beobachten, wann das Kind dieses Verhalten an den Tag legt: "Tritt das Benehmen nur im Klassenverband auf? Oder macht das Kind auch zu Hause häufig Faxen?" Hat man darüber Klarheit, lässt sich leichter erschließen, welche Beweggründe hinter dem Verhalten stecken.

Vom Klassenclown in die Isolation

Die Gründe für das auffällige Verhalten können vielfältig sein. Manche Kinder, die in der Schule die Rolle des Klassenclowns spielen, haben Selbstwertprobleme. "Sie versuchen aus ihrer Isolation herauszukommen, indem sie die anderen zum Lachen bringen", sagt Jürgen Plass, Leiter der Erziehungsberatungsstelle Fulda. "Das Problem ist, dass sie sich durch ihr albernes Verhalten auf Dauer wieder selbst isolieren, da die anderen Kinder sie nicht mehr ernst nehmen. Sie sind irgendwann auch genervt von den Kaspereien und wenden sich ab", sagt Plass.

Auch eine Überforderung mit dem Lernstoff kann dazu führen, dass ein Kind sich ausklinkt und herumblödelt. "Genauso kann es auch sein, dass der Unterricht das Kind unterfordert oder dass es besonders kreativ ist und sich deshalb langweilt", sagt Plass. Und nicht zuletzt könnten auch irritierende Veränderungen im Umfeld, beispielsweise die Trennung der Eltern oder die Geburt eines neuen Geschwisterchens, solch ein Verhalten auslösen.

Erfolgserlebnisse tun Klassenclowns gut

Die Kunst ist, die Signale zu entschlüsseln, die das Kind durch sein Verhalten sendet. "Es ist wichtig, dass die Eltern das Gespräch mit dem Lehrer suchen und gemeinsam mit ihm an Lösungsansätzen arbeiten", sagt Plass. Lässt sich die Situation mit dem Klassenlehrer nicht klären, kann es auch sinnvoll sein, den Beratungslehrer oder den Schulpsychologen zu Rate zu ziehen, rät Susanne Fink.

Manchmal tragen bestimmte Freizeitaktivitäten dazu bei, das Kind aus seiner Rolle als Klassenclown zu befreien. "Es ist oft schon hilfreich, wenn man den Fernsehkonsum des Kindes einschränkt und ihm Alternativen anbietet. In Talkshows am Nachmittag finden Kinder viele schlechte Vorbilder, denen sie nacheifern", sagt Fink. Dem Selbstbewusstsein des Kindes tut es dagegen gut, im Sportverein oder bei anderen Freizeitaktivitäten Erfolgserlebnisse zu sammeln. Hat das Kind eine besondere künstlerische Begabung, lässt sich diese zum Beispiel durch die Teilnahme an einer Theater-AG oder am Schulchor kanalisieren, sagt Jürgen Plass. Möglicherweise könne man diese Tendenz auch kreativ nutzen, indem man dem Kind in der Schule besondere Aufgaben zukommen lässt.

Für Kinder enorm wichtig: Feedback durch die Eltern

Es ist wichtig, dass die Kinder ihre Grenzen kennen

"Klassenclowns können mit ihrem Sinn für Humor auch eine Bereicherung für den Unterricht sein. Aber es ist wichtig, dass die Kinder ihre Grenzen kennen", sagt Plass. Eltern sollten Kindern daher immer wieder Rückmeldung geben, was ihr Verhalten bei ihnen bewirkt: "Macht das Kind beispielsweise Späße auf Kosten anderer, sollten die Eltern ihm erklären, dass sie sich dadurch verletzt fühlen." Konfrontierende Ich-Botschaften sind für das Kind wichtig, um die Tragweite des eigenen Verhaltens zu erkennen.

Bücher und Ratgeber zum Thema Klassenclown

"Klassenclown, Quatschliesel & Co. - Der Elternratgeber für schwierige Erziehungssituationen", Compact, 2006, 4,95 Euro
ISBN: 978-3817450428

Rudolf Dreikurs, Vicki Soltz: "Kinder fordern uns heraus - Wie erziehen wir sie zeitgemäß?", Klett Cotta, 2008, 14,90 Euro
ISBN: 978-3608944006

Jan-Uwe Rogge: "Der kleine Erziehungshelfer", Rowohlt, 2007, 5,00 Euro
ISBN: 978-3499623370

Hier finden Sie Hilfe im Internet:

Webseite der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung mit Forum und Chat zu Erziehungsfragen