Erste Klasse
 
Spirale zum Erfolg

Die ersten drei Monate nach dem Schulstart sind für die Kinder in der ersten Klasse besonders wichtig. Denn: Intelligenz und Begabung entscheiden viel weniger über die Schulkarriere als die sogenannte Erfolgsspirale. Was das ist? Hier erfahren Sie es!

Erste Klasse: Spirale zum Erfolg
iStock, skynesher

Erste Klasse: Typsche Hürden für Schulanfänger

fast alle künftigen Schulanfänger freuen sich auf die Schule. Die Gründe liegen auf der Hand: Dort lernt man schreiben, lesen und rechnen. Und wer das kann, ist kein kleines Kind mehr. Jeder Schüler, der diese Erwartung mitbringt, hat sich in seiner Erfolgsspirale schon ein paar Windungen hochgeschraubt. Für Extraschwung sorgen der Stolz der Eltern und die Anerkennung der Lehrerin: "Das machst du super!"

Aus solchen Bestätigungen schlussfolgert jedes Kind: "Ich schaffe das!" Und mit dieser Einstellung macht es sich hoch motiviert an die Arbeit, weil es sich viel zutraut. So könnte das immer weitergehen, wenn, ja, wenn es da nicht immer auch Zeiten geben würde, in denen es nicht rund läuft. Davon bleibt in der Regel kein Kind verschont, denn zum Lernen gehört das Fehlermachen wie das Hinfallen zum Laufenlernen.

Allerdings reagieren nicht alle Schüler gleich auf Misserfolg: Einige lassen besonders schnell den Kopf hängen, andere machen unverdrossen weiter. Woran liegt das? Vereinfacht gesagt, passiert folgendes: Die Mutlosen haben das Vertrauen in ihre Fähigkeiten verloren. Die Unermüdlichen denken sich: "Jetzt zeige ich erst recht, was ich drauf habe!"

Aber woher nehmen diese Schüler die Selbstsicherheit, die sie glauben lässt, dass sie ihr Tief überwinden können? Ist das Zufall? Nein. Dahinter stecken Eltern, die bewusst oder unbewusst in sensiblen Phasen etwas richtig machen. Sie helfen ihrem Kind, die typischen Hürden zu überwinden, die sich allen Schulanfängern in den Weg stellen.

Das Gute daran: Alle Eltern können ihr Kind auf diese Weise unterstützen. Wie? Das zeigen wir Ihnen anhand einiger häufiger Beispiele. Klicken Sie einfach auf den entsprechenden Link:

Wenn in der ersten Klasse etwas nicht so klappt, wie es Ihr Kind erwartet

Ein Kind, das sich nicht entmutigen lassen soll, wenn zum Beispiel lesen lernen anstrengender ist als gedacht, braucht Eltern, die Verständnis für seine Unzufriedenheit zeigen. Um seinen Ärger und seine Enttäuschung zu bewältigen, hilft ihm die Bestätigung: "Ja, da bist du aus gutem Grund traurig, verzweifelt oder wütend." Gefolgt von viel Ermutigung und Zuwendung: "Kopf hoch, ich glaube an dich und das, was du kannst. Und ich habe dich lieb, egal, ob du schon jetzt lesen kannst oder erst ein bisschen später."

Wenn das abstrakte Denken in der ersten Klasse noch schwerfällt

Kinder zwischen fünf und neun Jahren befinden sich in einer Übergangsphase. Wurde im frühen Kindergartenalter die Umwelt noch weitgehend über den Tastsinn "begriffen", wird sie nun immer öfter durch das abstrakte Denken verstanden.

Für diese Umstellung wird aber nicht einfach ein Schalter umgelegt. Sie braucht Zeit, und nicht immer gleich viel. Gleichaltrigen Kindern gestehen Pädagogen deshalb in dieser Lebensphase einen Entwicklungsunterschied von bis zu vier Jahren zu. Kein Wunder also, dass einigen Kindern alles zuzufliegen scheint, während andere sich mit den gleichen Lernanforderungen noch richtig schwertun.

Für Eltern gelten deshalb zwei Regeln. Erstens: Gelassen abwarten. Zweitens: Im Zweifelsfall mit der Lehrerin einen Gesprächstermin vereinbaren, um zu erfahren, wie sie die Lernsituation des Kindes beurteilt.

Wenn der Lernerfolg in der ersten Klasse länger ausbleibt

In mühsamen Zeiten ist es besonders wichtig, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken. Gute Worte reichen dazu eher nicht. Jedes Kind braucht echte Gelegenheiten, in denen es glänzen kann. Das kann durchaus auch außerhalb der Schule sein, Leistungen werden schließlich nicht nur dort erbracht. In der Familie fallen zum Beispiel ständig Tätigkeiten an, bei denen jeder zeigen kann, was er draufhat: Man kann im Haushalt mithelfen, jemanden trösten, Ideen für gemeinsame Unternehmungen entwickeln, etwas reparieren. Was immer Ihrem Kind gut gelingt - geben Sie ihm reichlich Möglichkeiten, es zu zeigen.

Wenn in der ersten Klasse die Lust fehlt

Ohne einen spielerischen Zugang zum Rechnen, Schreiben oder Lesen lernen die wenigsten Schulanfänger mit Spaß an der Sache. Deshalb lohnt es sich, die Lernfreude beim eigenen Kind im Blick zu behalten - und es nicht gegen seine Abneigung zum Üben zu drängen! Durch erzwungenes Büffeln lässt sich vielleicht eine kurzfristige Verbesserung erreichen. Langfristig wird es jedoch den Spaß am Lernen vertreiben und stattdessen Leistungsangst und Furcht vor Misserfolgen fördern.

Dazu ein Beispiel: Ein Kind, das viele negative Erfahrungen beim Rechnen sammelt, wird sich instinktiv mehr und mehr gegen die schlechten Gefühle abschotten, die es daraufhin mit Zahlen verbindet. Die Folge: Informationen, die mit Zahlen zusammenhängen, lässt es künftig nicht mehr an sich heran. Je mehr Druck dann wiederum gemacht wird, desto mehr macht es dicht.

Am besten helfen Sie Ihrem Kind, wenn Sie mit ihm und seiner Lehrerin einen Gesprächstermin vereinbaren, um gemeinsam Ziele und Zwischenziele festzulegen. Und: Legen Sie gemeinsam in einem Plan fest, wie diese erreicht werden sollen.

Drei weitere Sorgen, die Kinder in der ersten Klasse bewegen

Wie sie sich lösen lassen, erklärt die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Angela Schuh-Daiger:

Bin ich beliebt?

Wer will im Bus neben mir sitzen? Wer spielt mit mir in den Pausen? Wer stellt sich beim Klingelzeichen mit mir auf? Kein Problem, wenn es auf diese Fragen immer eine klare Antwort gibt. Wer jedoch (noch) keinen besten Freund, keine beste Freundin hat, muss - je nach Temperament - gleich mehrmals am Vormittag für eine gute Lösung sorgen beziehungsweise darauf hoffen. Das hilft Ihrem Kind: Fragen Sie nach, welches Kind es gern nachmittags zum Spielen einladen möchte. Wenn es nicht sicher ist, hat die Lehrerin bestimmt einen Tipp für Sie.

Bin ich schnell genug?

Niemand will als Letzter beim Umziehen für den Sportunterricht fertig werden. Schnelligkeit ist in der Schule unglaublich wichtig fürs Ansehen unter den Mitschülern. Kleiner Trick: am Vorabend Kleidung rauslegen, die ihr Kind besonders leicht anziehen kann.

Bin ich sicher?

Das Pausen-Gewusel, die Rangelei um den Sitzplatz im Bus, der Gang zur Toilette - immer wieder gibt es Situationen im Miteinander mit älteren Kindern, die selbst forsche Erstklässler stark verunsichern. Lassen Sie sich deshalb von Ihrem Kind ruhig mal durch die Schule führen und stellen Sie Fragen, wie: "Welchen Weg gehst du immer vom Klassenraum zur Toilette?" Oder: "Wo ist eigentlich die Schulbücherei?"