Legasthenie
 
Legasthenie: Was tun bei Lese-Rechtschreib-Schwäche?

Für die meisten Kinder ist der Schulbeginn der Aufbruch in die wunderbare Welt der Buchstaben. Aber manche tun sich schwer beim Lesen und machen viele Fehler beim Schreiben. Sie leiden unter Legasthenie. Betroffen sind zwischen fünf und sieben Prozent aller deutschen Schulkinder.

Legasthenie
Thinkstock, iStock
Artikelinhalt

Legasthenie - was können Eltern tun?

Das Problem: Die Lernschwäche wird häufig erst nach einigen Schuljahren erkannt, sodass Defizite sich anhäufen. Kommen Hänseleien der Mitschüler hinzu, ist der Frust eines Kindes schnell so groß, dass es auch in seinen ursprünglich guten Fächern absackt. Weil Lehrer oft gar nicht oder erst spät reagieren, ist es gut, wenn die Eltern selbst aufmerksam hinschauen.
Mögliche Hinweise auf eine Lernschwäche sind: Das Kind hat spät mit dem Sprechen begonnen und noch immer ein eingeschränktes Sprachverständnis. In der Grundschule gerät es beim Lesen oft ins Stocken oder verrutscht in den Zeilen. Oder es fügt dem Text Wörter hinzu, lässt sie aus und vertauscht sie. Das Verdrehen von Buchstaben – aus einem b wird p, ein w wandelt sich in ein m – und die Verwechslung von Vokal und Konsonant gehören ebenso dazu wie unter Umständen eine unleserliche Schrift.
ELTERN FAMILY sprach mit Christa Klüfers-Berger, Beisitzerin des Landesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie Hamburg e. V. und Lerntherapeutin:

Oft übergehen Lehrer das Unbehagen und die Sorgen der Eltern. Was dann?

Mütter und Väter sollten ihre Beobachtungen und das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, ernst nehmen und sich nicht zurückweisen lassen. Leider müssen sie dabei manchmal zu Langstreckenläufern werden. Hilfestellung erhalten sie dann unter anderem bei einem Beratungslehrer oder den Landesverbänden Legasthenie.

Wer stellt eine Lese-Rechtschreib-Schwäche fest?

Das können Kinder- und Jugendpsychologen, der schulpsychologische Dienst oder speziell ausgebildete Fachlehrer. Wichtig ist die Untersuchung durch einen Augenarzt, der über eine Sehschule verfügt und Erfahrungen mit Kindern mit Lernstörungen hat. Zudem sollten Eltern mit ihrem Kind zu einem Hals-, Nasen- und Ohrenarzt gehen, der Facharzt für Stimm- und Sprachstörungen ist. Er kann nicht nur das Hörvermögen, sondern auch die Laut- und Sprachverarbeitung prüfen.

Manche Kinder kommen erst nach der Grundschule zu Ihnen. Warum?

Gute Lerner kompensieren ihre Störung oft lange und fallen unter Umständen erst in der weiterführenden Schule auf. Lernschwierigkeiten zeigen sich dann häufig bei den Fremdsprachen.

Und wenn sich der Verdacht bestätigt?

Dann ist eine Therapie sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um das Aufholen des versäumten Stoffes, sondern auch um psychologisch komplexe Vorgänge, etwa darum, wie die Legasthenie sich auf die Familie auswirkt. Eltern haben eine sehr emotionale Beziehung zu ihrem Kind. Das ständige "Wir müssen noch üben!" schafft viel Stress. Die Therapie gewährt einen Raum, der den Familien Luft zum Durchatmen lässt. Und die Kinder lernen, dass sie ein Problem allein bewältigen können. Übrigens: Gute Lerntherapeuten haben ein Hochschulstudium und Zusatzausbildungen. Sie sollten schon länger in ihrem Beruf arbeiten und sich mit dem Kind gut verstehen.
 

Können Eltern auch selbst fördern?

Das kann sinnvoll sein, wenn die Eltern gut im Thema sind und trotzdem einen Abstand dazu entwickeln können. Aber es sollte nicht zu Rollenkonflikten kommen. Kinder wollen zu Hause in erster Linie Mam und Papa haben und keine Therapeuten.

Zum Weiterlesen:


Auch Rechenschwäche ist für viele Kinder ein Thema

Legasthenie und andere Wahrnehmungsstörungen, Mechthild Firnhaber u. a., Fischer Taschenbuch, 8,90 Euro;
Elternratgeber Legasthenie, Gerd Schulte- Körne, Knaur Verlag, 16,90 Euro;
Ratgeber Lese-Rechtschreibstörungen, Andreas Warnke u. a., Hogrefe Verlag, 5,95 Euro