Schulwechsel
 
Reiche Eltern: Freibrief fürs Gymnasium

Das deutsche Bildungssystem ist ungerecht. Denn bei der Entscheidung, ob ein Kind auf das Gymnasium darf, spielt der soziale Hintergrund der Eltern eine größere Rolle als die Leistungen des Kindes. Das zeigt auch eine neue Studie der Uni Mainz.

Benachteiligung bei gleichem Notendurchschnitt

Schulwechsel: Reiche Eltern: Freibrief fürs Gymnasium

In Deutschland entscheidet die soziale Herkunft viel stärker als in anderen Ländern über die Bildungschancen eines Kindes. Das haben die internationalen OECD-Studien bereits aufgezeigt. Das Problem ist also bekannt - an der Situation ändert das Bewusststein darüber aber offenbar nichts.

Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Soziologie an der Universität Mainz. Die Wissenschaftler untersuchten am Beispiel der Stadt Wiesbaden die Empfehlungen der Lehrer für Grundschüler der vierten Klasse. Insgesamt wurden im März 2007 mehr als 2.000 Schüler befragt. Die von den Soziologen ermittelten Daten zeigen, dass Kinder aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationshintergrund deutlich benachteiligt werden. Kinder aus der Oberschicht (hohes Einkommen der Eltern und/oder hoher Bildungsabschluss) erhalten zu 81 Prozent eine Gymnasialempfehlung, gegenüber nur 14 Prozent der Kinder aus Unterschichtshaushalten.


Kinder von Ärzten, Rechtsanwälten oder Ingenieuren bekommen so gut wie nie eine Empfehlung für die Hauptschule.
Betrachtet man nur die Kinder mit einer Durchschnittsnote von 2,0, dann bekommen diejenigen aus der niedrigsten Bildungs- und Einkommensgruppe nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 76 Prozent eine Gymnasialempfehlung. Bei den Kindern aus der Oberschicht bekommen hingegen 97 Prozent die Empfehlung für den höchsten Bildungsweg.