Girl's Day
 
Experimentieren statt erklären

Heute ist wieder Girl’s Day: Mädchen erproben ihre Stärken in Technik oder Naturwissenschaften. Erhoffter Effekt: Mehr Frauen für typische "Männerberufe" gewinnen. Dabei liegt das eigentliche Problem in der Schule: Oft werden diese Fächer zu langweilig vermittelt. Das muss nicht sein. Kinder können schon früh für Naturwissenschaften begeistert werden - wenn man sie forschen lässt.

Technik? Ziemlich unsexy!

Girl's Day: Experimentieren statt erklären

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik - diese Fächer gefallen eher wenigen Schülern. Ausbildungen, Studiengänge und Jobs, die daran anknüpfen könnten, hören sich vor allem in Mädchenohren geradezu unsexy an. Ein wesentliches Problem des Schulunterrichts: Dort wird die Botschaft vermittelt, dass bereits alles herausgefunden wurde, was nun erklärt, auswendig gelernt und abgefragt werden muss. "Nichts eignet sich mehr, um bei Kindern jeden Forschergeist im Keim zu ersticken", sagt Professor Helmut Schreier, ein international gefragter Experte für die Didaktik der Naturwissenschaften.

Was im Unterricht fehlt: Rätsel

Die Krux dabei: Schule heute kann gar nicht anders sein, wenn sie ihren Zweck erfüllen will: "Soziologisch betrachtet hat sie den Auftrag, junge Menschen zu sortieren. Und weil das Sortieren über Noten funktioniert, muss es in jedem Fach und bei jedem Thema um die Frage gehen: Wie lässt sich Stoff so vermitteln, dass er benotet werden kann?", erklärt Schreier. Deshalb wird bei wissenschaftlichen Themen in den Schulbüchern schon mal behauptet, was gar nicht endgültig bewiesen ist. Ein Beispiel: Die Tatsache, dass es etwa 15 verschiedene Messergebnisse gibt, wie hoch der Mount Everest wirklich ist, lässt sich im Unterricht nicht so klar abfragen wie eine bestimmte Höhenangabe, auch wenn die vielleicht schon bald wieder korrigiert werden muss.

Grundschüler machen es wie die Wissenschaftler

Begeisterung für Naturwissenschaften lässt sich so kaum wecken. Dabei wäre es ganz einfach: Vor Klasse 5, also bevor die Fächer Physik und Co auf dem Lehrplan stehen, forschen Grundschüler aus eigenem Antrieb. Sie machen es dabei wie die Wissenschaftler: Sie lassen sich von rätselhaften Erscheinungen faszinieren und fachsimpeln darüber. Sie sammeln, vergleichen und ordnen.

Was Kinder nicht brauchen: lange Erklärungen

Richtig erfolgreich werden sie, wenn ihnen jemand zeigt, wie sie genaues Hingucken lernen und ihre Beobachtungen festhalten können. Und wie sie mehr herausfinden können, zum Beispiel, indem sie Zeit oder Gewichte messen und vergleichen: "Es bringt Kinder unglaublich weit, wenn sie lernen, über Verhältnisse zu sprechen", erklärt Helmut Schreier. "Dieses Wenn x, dann y‘ ist enorm wichtig. Also: Wenn das Glas, unter dem die Kerze steht, groß ist, dann brennt sie länger als unter einem kleinen Glas." Was Kinder allerdings nicht brauchen, sind lange Erklärungen. Die sorgen nur dafür, dass ihr Interesse erlischt.

Naturphänomene: So können Eltern sie erklären

Und weil es die Naturwissenschaften in der Schule so schwer haben, ist es gut, wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern die Welt beobachten, auch noch nach der Grundschulzeit. Und dabei bekommen Sie von Professor Schreier sogar Hilfe: Hier erklärt er kindgerecht Naturphänomene:

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