Selbstbewusstsein
 
Jugendliche fühlen sich zu dick

Ist es angesichts von TV-Formaten wie "Germany's Next Topmodel" für Jugendliche überhaupt noch möglich, ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln? Eine neue Studie der Zeitschrift "Bravo" zeigt, wie Teenager sich heute sehen. Wir haben die Studie mal genauer unter die Lupe genommen.

Mädchen bewerten ihr Aussehen kritisch

Selbstbewusstsein: Jugendliche fühlen sich zu dick

Von der Zeitschrift "Bravo" in Auftrag gegeben, vom Münchner Marktforschungsinstitut iconkids & youth durchgeführt: Vor Kurzem erschien die "Dr.-Sommer-Studie 2009 - Liebe, Körper, Sexualität". Schon der Vorgänger im Jahr 2006 ließ anklingen, dass es für Jugendliche scheinbar immer schwieriger wird, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen. Die neuen Ergebnisse der Studie zeigen keine Besserung, im Gegenteil: Vor allem die Mädchen sind mit dem eigenen Aussehen noch weniger zufrieden. Nur noch etwa die Hälfte fühlt sich wohl in ihrer Haut - bei den Jungen zeigen sich immerhin noch zwei Drittel zufrieden. Von den Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren sind es aber im Schnitt zehn Prozent mehr als vor drei Jahren, die ihr Aussehen kritisch bewerten. Und je älter sie sind, desto mehr sinkt ihre Zufriedenheit. Besonders erschreckend: Es gibt sogar Online-Foren, in denen Mädchen Jungs fragen, wie sie eigentlich aussehen müssen, um ihnen zu gefallen.

Die größte Rolle spielt das Körpergewicht

Auffällig an den Ergebnissen der Studie: Fast keiner der Jugendlichen beklagt sich über Gesicht oder Haare - beide Geschlechter sind hier in dreiviertel aller Fälle scheinbar recht zufrieden. Zwei Drittel der Jungen finden auch ihren Körper vollkommen okay. Bei den Mädchen sieht’s da anders aus: Nur etwas mehr als die Hälfte ist zum Beispiel noch glücklich mit Form und Größe ihrer Brüste und ihres Pos, weniger als die Hälfte ist zufrieden mit Bauch und Beinen. Der Unmut gilt hauptsächlich der Figur, ferner spielt aber vor allem das Körpergewicht eine große Rolle. Die meisten fühlen sich zu dick oder hätten gerne eine sportlichere Figur.

Aber nicht nur Mädchen sind betroffen - auch die Jungs eifern mehr und mehr diesem "Trend" nach: Jeder vierte Junge wäre gern schlanker und jeder sechste athletischer. Insgesamt blicken die Jungs aber weniger kritisch in den Spiegel: Zwar gibt es hier doppelt so viele Fälle von Adipositas (Fettleibigkeit), trotzdem sind Jungen um 15 bis 20 Prozent zufriedener mit ihrem Körper als Mädchen.

Widerspruch zwischen Eigenwahrnehmung und Wirklichkeit?

Die Studie hat ergeben, dass 78 Prozent der elf- bis 17-Jährigen nach dem Body-Mass-Index (BMI) absolut normalgewichtig sind. Aber irgendwo ist der Wurm drin: Fast immer, wenn Jugendliche mit ihrem Körper unzufrieden sind, fühlen sie sich nicht allgemein hässlich - nein, sie fühlen sich zu dick. Dabei bringen "nur" zwölf Prozent der Jungen und neun Prozent der Mädchen wirklich zuviel Gewicht auf die Waage. Trotzdem halten sich im Schnitt knapp 30 Prozent der Jungen und 50 Prozent der Mädchen für zu "beleibt". Zwischen Eigenwahrnehmung und Wirklichkeit klafft also mittlerweile eine deutliche Kluft.

Figur und Gewicht - Statussymbol?

Wenn Jugendliche gehänselt werden, dann oft wegen ihres Gewichts

Und nicht nur ihr eigenes Aussehen beurteilen Jugendliche nach dem Zeiger auf der Waage, sondern auch das ihrer Altersgenossen. Klar, schöne Menschen hatten es auch früher oft leichter, Anerkennung zu bekommen. Aber nie zuvor scheinen das Körpergewicht und die Figur für den Anklang untereinander so eine entscheidende Rolle gespielt zu haben wie heute: 80 Prozent der Jugendlichen sehen eine Verbindung zwischen dem Gewicht und der Beliebtheit des Einzelnen. Wenn Jugendliche gehänselt werden, dann oft wegen ihres Gewichts. Aber auch das Essverhalten ihres Umfeldes bewerten Jugendliche kritisch. Ob hier bereits der etwas beleibtere Klassenkamerad argwöhnisch beäugt wird, der in der Pause zwei Brote statt nur einem isst, bleibt fraglich. Es scheint jedenfalls, als bekäme der Begriff "schön" bei Teenagern mehr und mehr eine andere Bedeutung: Man könnte meinen, mit "schön" ist immer öfter "schlank" gemeint, als dass von wahrer Schönheit gesprochen wird. Offenbar spiegelt sich in den Kindern der bleibende Eindruck wider, den visuelle Medien bei ihnen hinterlassen: Illustrierte, Fernsehen, Werbung, Internet - überall finden sich Bilder künstlicher Makellosigkeit. Was das in Jugendlichen auslösen kann, lesen Sie im Artikel Wunschtraum perfekter Körper.

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