Hautprobleme
 
Akne rechtzeitig behandeln!

Mitten in der Pubertät und dazu dicke rote Pickel - schlimmer kann es nicht kommen! Was verhilft wirklich wieder zu einer schönen Haut? ELTERN family fragte Dr. Anja Thielitz, Klinik für Dermatologie an der Universität Magdeburg.

Hautprobleme: Akne rechtzeitig behandeln!

Sind Pickel immer ein Fall für den Hautarzt?
Man sollte Jugendliche in jedem Fall ermutigen, zum Hautarzt zu gehen, da er die Art und den voraussichtlichen Verlauf der Akne fachgerecht beurteilen und über mögliche Therapien, auch frei verkäufliche, beraten kann. Wenn beide Elternteile Narben von ihrer Pubertätsakne zurückbehalten haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Kind entsprechend belastet ist.

Können und sollten auch Mitesser ärztlich behandelt werden?
Es gibt verschiedene Arten einer sogenannten Acne comedonica, also einer Mitesserakne. Für leichte Formen gibt es zum Beispiel "schwache" Retinoide - das sind Vitamin-A-Säure-Abkömmlinge - oder andere Schälmittel wie z.B. Salizylsäure auch schon in kosmetischen Pflegeprodukten. Für ausgeprägte Formen gibt es wirksamere verschreibungspflichtige Präparate.

Verordnen Sie bei schweren Akneproblemen auch Antibiotika?
Die Antibiotikagabe ist nach wie vor ein ganz wichtiger Baustein der Aknetherapie. Man sollte sie eben nur nicht als einzige Therapie verwenden, damit die Bakterien nicht mit der Zeit unempfindlich gegen diese Antibiotika werden. Durch Kombination z.B. mit Benzoylperoxid, einem Wirkstoff, der das Tempo der Talgproduktion und der Verhornung drosselt, kann man die bakterielle Resistenzentwicklung verhindern.

Generell ist für eine erfolgreiche Behandlung wichtig, an möglichst vielen Punkten, die bei der Entstehung der Akne eine Rolle spielen, anzusetzen. Dazu gehören die vermehrte Talgproduktion, die Verhornungsstörung, die bakterielle Besiedlung sowie die Entzündungsreaktion. Gerade die letzten beiden Faktoren kann man mit Antibiotika sehr gut beeinflussen. Man darf hier nämlich neben den antibakteriellen Effekten die entzündungshemmenden und immunmodulierenden Wirkungen der Antibiotika nicht vergessen. Für mittelschwere bis schwere Akneformen ist die innere Behandlung mit geeigneten Antibiotika die Behandlungsmethode der ersten Wahl. Auch die wird immer kombiniert mit einer äußeren Behandlung.

Bei der photodynamischen Therapie weiß man noch nicht genug über Langzeitfolgen

Gibt es bei der Antibiotika-Einnahme keine Nebenwirkungen?
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Störungen des Magen-Darmtraktes wie Übelkeit oder Durchfälle, die aber nur bei zwei bis drei von 100 Patienten auftreten. Auch eine Erhöhung der Lichtempfindlichkeit ist möglich. Ich habe aber persönlich noch keinen Jugendlichen erlebt, bei dem die Therapie bei richtiger Aufklärung und Anwendung wegen solcher Nebenwirkungen abgebrochen werden musste oder der überhaupt nennenswerte schwerwiegendere Nebenwirkungen gehabt hätte.

Meiner Ansicht nach ist der Nutzen für den Betroffenen, nämlich eine lebenslang bestehende Vernarbung zu verhindern, viel größer als ein fraglicher Schaden, der auf generellen undifferenzierten Antibiotikaängsten beruht. Manchmal passiert es, dass mit Antibiotika in Kombination mit äußeren Medikamenten keine ausreichende Wirksamkeit erreicht wird. Das sollte man allerdings erst nach der empfohlenen Therapiedauer von bis zu drei Monaten beurteilen, da die Wirkung erst langsam einsetzt und die maximale Besserung erst nach diesem Zeitraum erwartet werden kann.

Gibt es andere Strategien, wenn Eltern eine Antibiotikatherapie für ihr Kind auf keinen Fall akzeptieren wollen?
In Studien erprobt man Laser- und Lichttherapien. Einige Hautärzte bieten eine Behandlung mit Blau- und Rotlicht an, das sich bei entzündlichen Akneformen als wirksam erwiesen hat. Nach vierwöchiger Behandlungsdauer kann bei einer Bestrahlungsfrequenz von zweimal pro Woche bei etwa 80 Prozent der Behandelten ein Rückgang der Pickel um 60 Prozent erwartet werden.

Die Lichttherapie wirkt in erster Linie auf die Bakterien, ein Effekt auf die Mitesser wurde nicht beobachtet. Ein anderes noch in Erprobung befindliches Verfahren ist die photodynamische Therapie. Sie kann derzeit noch nicht empfohlen werden, da man noch nicht genug über Langzeitfolgen wie etwa eine mögliche Zerstörung der Talgdrüsen weiß.

Es gibt kaum eine Akneform, die man nicht durch Therapie in den Griff bekommt

Wie lange dauert es, bis sich der Jugendliche wieder in seiner Haut wohl fühlen kann?
Die Werbung gaukelt uns ja vor, dass man mit den entsprechenden Mitteln den dick entzündeten Pickel noch kurz vor der Party einschmelzen kann. Der Wunsch ist ja verständlich, aber eigentlich ist das Kind zu diesem Zeitpunkt schon in den Brunnen gefallen, denn die Entzündung ist hier schon in vollem Gange. Eine wirklich effektive Aknetherapie erfordert eben Geduld und ist darauf ausgerichtet, die Neubildung solcher Pickel zu verhindern. Mit der erwähnten Kombinationstherapie sollte man mindestens zwei bis drei Monate lang behandeln. Erfahrungsgemäß setzt die erste deutliche Besserung erst nach etwa einem Monat ein.

Ist die Akne nach der Therapie geheilt oder muss man Rückfälle befürchten?
Bei einer deutlichen Besserung kann man eine sogenannte Erhaltungstherapie mit nur einem Wirkstoff fortführen. Denn man muss leider davon ausgehen, dass die Akne für einen begrenzten, individuell unterschiedlichen Zeitraum unseres Lebens den Charakter einer chronischen Erkrankung hat. Was bedeutet: Wenn man sie nicht behandelt, kommt sie immer wieder.

Für diese längerfristige Weiterbehandlung eignen sich zum Beispiel äußerliche Retinoide, die auch schon in mehreren Studien zur Erhaltungstherapie erprobt wurden. Ist das Hautbild nach der dreimonatigen kombinierten Antibiotikatherapie noch immer nicht zufriedenstellend, kann Isotretinoin als sogenanntes second-line-Medikament eingesetzt werden. Festzuhalten ist: Es gibt heute kaum eine Akneform, die man nicht durch eine adäquate Therapie in den Griff bekommen kann. Mein Rat: Besser einmal zu viel zum Hautarzt gehen als eine vernarbende Akne unnötig verschleppen und dann ein Leben lang unter den Folgen leiden.

Ihre Erfahrungen

Haben Sie einen persönlichen Rat? Mit welchen Akne-Mitteln hatten Sie bei Ihrem Kind Erfolg? Helfen Sie anderen Eltern!