Erste Regel
 
Mein Kind wird zur Frau

Je mehr ich über meinen Körper weiß, desto wohler fühle ich mich. Das gilt auch für die erste Monatsblutung. Wie bereite ich meine Tochter am besten darauf vor? Die wichtigsten Antworten rund um die erste Regel lesen Sie hier.

Merkt man, wenn es soweit ist?

Erste Regel: Mein Kind wird zur Frau
Gina Smith - Fotolia.com

Die erste Monatsblutung erwischt ein Mädchen meist nicht aus heiterem Himmel. Es gibt Anzeichen. Ab dem 10. Lebensjahr verändert sich am Körper eines jungen Mädchens nämlich so einiges - bevor die erste Monatsblutung kommt: Die Brust beginnt sich zu formen, die ersten Achsel- und Scheidenhaare wachsen und manche Mädchen bekommen Weißfluss. Diese glasig-weißliche Flüssigkeit ist eine ganz natürliche Aussonderung aus der Scheide, die etwa ein bis zwei Jahre vor der ersten Regel einsetzen kann. Der Weißfluss ist ein Zeichen dafür, dass die Geschlechtsorgane bereits aktiv geworden sind, dass in den Eierstöcken schon die ersten Ei-Bläschen heranreifen.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen?

Zwischen 11 und 15 Jahren bekommen Mädchen ihre erste Regel.

"Ein Mädchen sollte auf jeden Fall schon darüber Bescheid wissen, bevor es so weit ist", rät Michael Niggel vom sexualpädagogischen Team von pro familia München. Immer früher setzt die Menarche, also die erste Regel, ein. Die meisten Mädchen bekommen heute ihre erste Periode zwischen elf und 15 Jahren. Deshalb ist es wichtig, dass man sich am besten schon mit seiner neun- oder zehnjährigen Tochter darüber austauscht. "Mit elf Jahren ist es schon ziemlich spät, sie aufzuklären", meint Michael Niggel. Den meisten Mädchen in diesem Alter ist das Thema vermutlich nicht ganz fremd. "In manchen Schulen gibt es in der vierten Klasse Sexualkundeunterricht. Außerdem wird das Thema ab da auch unter Freundinnen besprochen", berichtet Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte.

Wie spreche ich das Thema Menstruation am besten an?

Ein ganz natürlicher Umgang mit der Mensturation ist wichtig.

Für viele Mütter und Väter ist es sicherlich eine Herausforderung, die richtigen Worte zu finden. Schließlich spricht man mit seinem Kind indirekt über Sex. Leichter fällt es da, wenn die Menstruation nicht aus dem Alltag ausgeklammert wird. "Genauso wie man Zähne putzt, duscht oder die Toilette benutzt, sollte auch die Monatshygiene ein ganz normaler Bestandteil des Familienlebens sein", sagt Michael Niggel. Das sorgt von vornherein für eine entspannte Atmosphäre, wenn es ums Thema Periode geht. Darüber hinaus hat Dr. Albring einen Tipp, wie man als Mutter am besten in ein erstes Gespräch über die Regel einsteigen kann: "Wenn man selbst seine Tage bekommt, kann man seine Tochter mit in die eigene Menstruation begleiten." So lässt sich gut erklären, wie man mit der Blutung umgeht, welche Hygieneprodukte wie verwendet werden und warum man seine Tage überhaupt bekommt.

Und wenn meine Tochter zuerst nachfragt?

Einer direkten Frage - auch wenn sie für einen selbst unangenehm ist - sollte immer eine direkte Antwort folgen. Wo kommt denn das Blut da unten her? Warum blutet Papa nicht? Wieso kann man dann nicht schwanger werden? Wem da erst mal nichts einfällt, der kann sein Kind natürlich auf später vertrösten, bis man die richtigen Worte gefunden oder sich mit seinem Partner, Freunden, den eigenen Eltern beraten hat. Übrigens: Auch Frauenärzte helfen unsicheren Müttern gerne weiter und geben Tipps. In vielen Praxen liegen darüber hinaus Broschüren zum Thema Aufklärung und Menstruation aus.

Die erste Menstruation - ein Freudentag oder der Beginn eines großen Übels?

Die erste Regel ist ein Grund zum Feiern.

Starke Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen, miese Laune, schlecht sitzende Binden und Blutflecken auf der Bettwäsche… Ganz klar: Wer schon als junges Mädchen nur Horrorgeschichten über die Regelblutung zu hören bekommt, wird seine eigene Periode als nicht besonders positiv wahrnehmen können. Dr. Albring warnt daher davor, die Menstruation und alles, was dazugehört, allzu negativ auszumalen und rät zum Gegenteil: "Machen Sie etwas Besonderes daraus, vielleicht ein kleines Fest, wenn ihre Tochter das erste Mal ihre Tage hat." Aber nur, wenn Ihr Kind das will. Sie kennen Ihre Tochter am besten und können am besten einschätzen, ob sie sich darüber freut oder nicht. Statt zu klagen, sollte man lieber betonen, dass die Menstruation etwas Wichtiges und Wertvolles ist. Schließlich ist man jetzt eine Frau - und darauf kann man schon ein bisschen stolz sein.

Wie genau erkläre ich meiner Tochter, was in ihrem Körper vorgeht?

Woher kommt das Blut? Was passiert da unten? Wie lange dauert die Periode? Natürlich muss man hier nicht gleich zu einem medizinischen Fachvortrag ansetzen. Man darf aber ruhig etwas ausführlicher werden.
Folgendes sollte man erwähnen: Jeden Monat löst sich - wenn es nach ungefähr 14 Tagen reif genug ist - ein Ei vom Eierstock. Es wandert dann durch den Eileiter in die Gebärmutter. Das dauert etwa sieben Tage. Auf dem Weg dorthin kann es von den Spermien des Mannes befruchtet werden und ein Baby entstehen. Die Gebärmutter bereitet sich auf das ankommende Ei vor. Alle 28 Tage bildet sich in ihr eine neue, frische Schleimhaut, damit alles perfekt für eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet ist. Wenn der Körper bemerkt, dass kein Baby heranwächst, stößt er die Schleimhaut ab, Blutgefäße öffnen sich. Zusammen mit dem Blut fließen die Schleimhautteilchen aus der Vagina heraus. Das ist dann die Regelblutung, die normalerweise vier bis sechs Tage anhält. Dabei verliert eine Frau nur 0,1 Liter Blut - das ist gerade mal so viel, wie in eine Espressotasse passt.
Außerdem sollte man erklären, dass die Monatsblutung auch wichtig ist, wenn man noch nicht schwanger werden möchte. "Der Körper muss ja schließlich noch üben", fügt Dr. Albring hinzu und erwähnt zudem: "Man sollte darauf achten, was die Tochter schon weiß und darauf eingehen." So ist das Gespräch für Mutter und Tochter gleichermaßen weniger verkrampft.

Einfach sind die Vorgänge im Körper einer Frau nicht zu verstehen. Wer deshalb das Gefühl hat, seine Tochter kann mit den komplizierten Begriffen noch nicht wirklich etwas anfangen, der kann sich auch einer einfacheren Metapher bedienen. Zum Beispiel: Die Gebärmutter ist sozusagen eine kleine Wohnung. Jeden Monat muss sie für einen potentiellen Mieter, also einem Baby, vorbereitet werden. Alles wird hübsch hergerichtet, damit die Wohnung wie neu aussieht. Findet sich kein Mieter, kommen die Tapeten, Möbel und Pflanzen wieder weg. Schließlich soll für den nächsten Mieter wirklich alles ganz neu und frisch sein. Und das Beste daran: Man muss sich noch nicht einmal anstrengen und selber renovieren. Das passiert ganz von alleine.

Binden oder Tampons?

Oft ist das, was Mama nimmt, nicht passend.

"Oft ist das, was Mama nimmt, nicht passend - im wahrsten Sinne des Wortes", fasst es Michael Niggel vom sexualpädagogischen Team in einem Satz zusammen. Wenn die Mutter das Gefühl hat, dass es bald soweit sein könnte, sollte sie neben ihren eigenen Hygieneartikel auch ein Päckchen kleinerer Tampons oder Binden bereitlegen. So kann die Tochter alles ausprobieren und selbst sehen, was für sie am komfortabelsten ist.
Wichtig: Seiner Tochter zeigen, wie man eine Binde oder einen Tampon richtig benutzt und wie man sie entsorgt. Manche Mädchen haben in der Zeit vorher auch Angst, dass sie plötzlich von ihrer ersten Monatsblutung überrascht werden. Dünne Slipeinlagen, mit denen sie schon "vorfühlen" können und die sie immer dabei haben, geben ein sicheres Gefühl.

Nach der ersten Periode zum ersten Mal zum Frauenarzt?

Klar können Mädchen, die ihre erste Periode bekommen haben, zum Frauenarzt gehen, wenn sie Beschwerden haben oder einfach beunruhigt sind. Ein Muss ist das aber nicht.
Manche Mädchen sind vor dem ersten Besuch beim Gynäkologen sehr verunsichert, weil sie nicht wissen, was dort genau passiert. Dr. Albring hat die Erfahrung gemacht, dass junge Mädchen viel entspannter sind, wenn sie ihre Mutter schon einmal bei einem Termin in der Frauenarztpraxis begleiten durften. "Viele Frauenärzte nehmen das zum Anlass, der Tochter die Instrumente und Untersuchungsmethoden zu erklären. So können sie sehen, dass es eigentlich ganz OK ist und gar nicht so tragisch, wie es ihnen vielleicht vorkommt", meint Dr. Albring.

Befürchtungen, Ängste, Mythen - Welche Fragen könnten ihre Tochter beschäftigen?

Je informierter, desto besser.

Gerade unter Freundinnen kursieren manch wilde "Fakten" rund um die Menstruation. Zum Beispiel: "Man spürt, wenn das Menstruationsblut ausfließt und kann das - wie den Harndrang - einfach unterdrücken.", "Nach der Pubertät hört die Regelblutung wieder auf.", "Die Periode hält permanent für drei Wochen im Monat an." oder "Regelschmerzen sind vererbbar." Auch Dr. Albring kennt solche Mythen und hat in seiner Mädchensprechstunde häufig folgende Befürchtung gehört: Wenn ich meine Regel habe, verliere ich so viel Blut, dass ich verbluten kann, oder? Die meisten dieser falschen Tatsachen sind schnell aus der Welt geschafft. Und generell gilt: Je besser ein Mädchen informiert ist, desto unverkrampfter geht es mit ihrer Regel um.




Wissenschaftliche Beratung
Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte
Michael Niggel (Diplom Sozialpädagoge FH), Sexualpädagogisches Team von pro familia München
www.frauenaerzte-im-netz.de