Magersucht
 
Die Sucht, dünn zu werden

Aufhorchen, wenn sich Ausflüchte häufen

Wenn sich Ausflüchte häufen ("Mir ist nicht gut", "Ich habe schon bei der Freundin gegessen", "Ich habe keinen Hunger"), dann ist klar, dass hier ein Kind das gemeinsame Essen vermeiden will. Das muss nicht unbedingt auf eine Magersucht hindeuten - das kann genauso gut auch der Beginn einer Bulimie sein, denn die Erkrankten essen oft bei gemeinsamen Mahlzeiten wie ein Spatz und schlagen sich später heimlich den Bauch voll. Die Übergänge zwischen Bulimie, Binge Eating (Essen großer Mengen ohne Kompensation wie Erbrechen, Abführmittel oder Sport) und Magersucht sind fl ießend: 300 Kalorien heute - und morgen 10.000.

Keine Vorwürfe machen

Wirklich beunruhigend ist eine deutliche Gewichtsabnahme des Kindes. "Spätestens dann muss man versuchen, ins Gespräch zu kommen", so Andreas Schnebel. Wichtig sei dabei vor allem, behutsam zu signalisieren, dass man die Verhaltensänderungen wahrnimmt. Also nicht sagen "Du hast doch Probleme mit dem Essen", "Du wirst ja immer dürrer" oder "Gib's zu, du isst heimlich", sondern beispielsweise "Uns fällt auf, dass du anders isst als früher - kannst du dir das erklären?" Möglichst also Ich-Botschaften verwenden und nicht beleidigt reagieren, wenn man abgewiesen wird. Ein paar Tage verstreichen lassen und ein neues Gesprächsangebot machen. Schwierig? Zweifellos. Da müssen Eltern manchmal über sich hinauswachsen ...

Fachliche Beratung suchen

"Selbst wenn man das Kind beim Erbrechen ertappt, ist es besser, keinen Riesenzirkus zu machen, sondern immer auf der Vertrauensebene zu agieren", rät Andreas Schnebel. Mit "Das kommt nicht mehr vor!" oder "Das will ich nicht mehr sehen!" erreicht man nichts. "Manche Mütter sagen dann nur 'Was tust du mir an!'- aber das macht Schuldgefühle und noch mehr Druck. Strafen, Verbote oder Reglements, was und wie viel bei Tisch gegessen werden muss, bringen gar nichts." Hat sich eine Essstörung erst einmal in ein Leben hineingefressen, kommt ein Kind meist nur mit fachlicher Begleitung wieder raus. Schnebel: "In unseren Beratungen schauen wir, wie ernst die Situation ist, und entscheiden, ob ambulante Therapie, therapeutische Wohngruppe oder stationärer Aufenthalt das Richtige ist. Nicht selten braucht es mehrere Anläufe, bis ein Jugendlicher Hilfe annimmt."