VG-Wort Pixel

Führerschein Welche Fahrschule ist die richtige für mein Kind?

Viele Jugendliche können es kaum erwarten, endlich den Führerschein machen zu können. Ihre Eltern fragen sich dagegen: Wo finde ich eine gute Fahrschule? Was kostet uns das? Was hat es mit dem begleiteten Fahren auf sich? Wir haben die wichtigsten Infos zusammengestellt.

Welche Führerschein-Arten gibt es überhaupt?

Führerschein: Welche Fahrschule ist die richtige für mein Kind?
© AlexRaths

Je nach Fahrzeugtyp sind verschiedene Führerscheine nötig:

Mofa
Gerade für Jugendliche in ländlichen Gegenden ist der Mofa-Führerschein häufig der erste Schritt zu einer größeren Mobilität. Streng genommen handelt es sich dabei jedoch nicht um einen Führerschein oder eine Fahrerlaubnis, sondern lediglich um eine Prüfbescheinigung, die Jugendlichen ab 15 Jahren erlaubt, einen gedrosselten Motorroller zu fahren.

Vorgeschrieben für den Erwerb dieser Bescheinigung sind neben dem Mindestalter von 15 Jahren sechs 90-minütige Theoriestunden, in denen alle wichtigen und relevanten Verkehrsregeln gelehrt werden. Dazu kommt eine 90-minütige praktische Übungsstunde. Am Ende muss lediglich eine theoretische absolviert werden, eine praktische Prüfung wird nicht verlangt. Die Kosten für den Mofa-Führerschein bewegen sich im zwischen 70 bis 90 Euro.

Motorroller
Die Führerscheine der Klassen AM und A1 können ab einem Alter von 16 Jahren erworben werden und erlaubt es Jugendlichen, einen Motorroller mit bis zu 45 km/h zu fahren. Die Prüfungsvoraussetzungen sind hier jedoch im Vergleich zum Mofa-Führerschein umfangreicher - und die Kosten mit 500 bis 800 Euro auch sehr viel höher.

Pkw
Eine Sonderregelung in Deutschland ist das so genannte begleitete Fahren: Bereits mit 17 Jahren dürfen Jugendliche eine Fahrerlaubnis der Klasse B (gilt für Kraftwagen bis zu 3.5 Tonnen) oder BE (spezieller Anhängerführerschein, um hinter einem Kraftwagen der Klasse B einen Anhänger zu ziehen) zu erwerben. Diese Fahrerlaubnis ist jedoch mit der Auflage verbunden, nur zusammen mit einer namentlich in der Prüfungsbescheinigung genannten Begleitperson zu fahren. Auf diese Weise sollen die nachweislich hohen Unfallquoten bei Fahranfängern gesenkt werden. Denn die verfügen häufig noch über zu wenig Erfahrung im Straßenverkehr, dafür neigen einige von ihnen dazu, allzu hohe Risiken einzugehen.

Ein Führerscheinantrag kann frühestens mit sechzehneinhalb Jahren bei der Führerscheinstelle gestellt werden - und auch nur mit Zustimmung der Eltern. Die theoretische Prüfung darf frühestens drei Monate vor dem 17. Geburtstag abgenommen werden, die praktische erst nach Bestehen der theoretischen Prüfung und frühestens einen Monat vor dem 17. Geburtstag. Nach bestandener Prüfung erhält der Jugendliche seine Prüfbescheinigung mit der Ausnahmegenehmigung - allerdings auch wieder frühestens am 17. Geburtstag. Die Prüfbescheinigung berechtigt dann deutschlandweit zum begleiteten Fahren.

Wer erst nach Erreichen der Volljährigkeit, also erst nach seinem 18. Geburtstag, seinen Führerschein macht, benötigt keine Begleitperson mehr. Egal, ob mit 17 oder später - für alle Fahranfänger gilt: Der Führerschein ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Kommt es in dieser Zeit zu Verfehlungen, kann eine Nachprüfung nötig werden. Und die Regeln für Führerschein-Neulinge sind deutlich strikter. So gilt in diesen zwei Jahren für den Fahrer eine Null-Promille-Grenze. Auch Geschwindigkeitsübertretungen werden strenger geahndet.

Motorrad
Den Motorradführerschein A2 (für Krafträder mit einer Motorleistung von nicht mehr als 35 kW) kann man erst ab 18 Jahren erwerben. Nach bestandener Prüfung gilt der Motorrad-Führerschein auch für Mofas, Mopeds und Motorroller sowie Krafträder mit Beiwagen. Um die Prüfung erfolgreich zu bestehen, müssen mindestens 16 theoretische Stunden und mindestens zwölf praktische Fahrstunden (unter anderem Überland, Autobahn und bei Dunkelheit) nachgewiesen werden. Die Prüfung selbst besteht aus einem theoretischen Teil und einer mindestens 45-minütigen Prüfungsfahrt.

Seit Beginn des Jahres 2013 gibt es zusätzlich noch die Führerscheinklasse A für Krafträder mit einem Hubraum von mehr als 50 Kubikzentimeter und einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 Stundenkilometer sowie für dreirädrige Kraftfahrzeuge mit einer Leistung von mehr als 15 kW. Für dreirädrige Kraftfahrzeuge muss der Prüfling mindestens 21 Jahre alt sein, für die schwereren Motorräder sogar mindestens 24 Jahre! Ausnahme: Besitzt er schon seit zwei Jahren den "normalen" Motorradführerschein A2, gilt ein Mindestalter von 20 Jahren.

Eine weitere Besonderheit: Wer schon zwei Jahre lang den Motorradführerschein der Klasse A2 besitzt, muss keinen Theorie-Unterricht mehr besuchen und auch keine theoretische Prüfung mehr ablegen. Auch praktische Stunden sind nicht mehr zwingend vorgesehen - vorausgesetzt, der Fahrlehrer hat sich von den notwenigen Kenntnissen und Fähigkeiten des Schülers überzeugt. Wer vom Motorroller direkt auf eine schwere Maschine umsteigen will oder den Motorradführerschein A2 noch keine zwei Jahre besitzt, braucht immerhin weniger Übungsfahrten. Zwingend vorgeschrieben sind jedoch weiterhin drei Überlandstunden, zwei Autobahnstunden und eine bei Dunkelheit.

In welcher Fahrschule soll mein Kind seinen Führerschein machen?

Sicher gibt es auch in Ihrem Ort mehrere Fahrschulen. Angehende Fahrschüler dürfen sich ihre Fahrschule frei wählen, es muss also nicht zwingend in die Fahrschule "um die Ecke" sein. Ein Prüfsiegel oder ähnliches für Fahrschulen gibt es leider nicht. Auch die Mitgliedschaft in einem der zahlreichen Fahrlehrerverbände ist nicht unbedingt ein Hinweis auf die Qualität des Unterrichts.

Wahrscheinlich hat Ihr Nachwuchs den einen oder anderen Tipp von Freunden bekommen, die bereits die Führerscheinprüfung abgelegt haben. Solche Infos sind immer nützlich: Abgesehen von den Preisen erfährt man so auch, ob beispielsweise der Fahrlehrer ein Choleriker ist. Oder ob die Fahrschule ihren Schülern zusätzliche Stunden aufschwatzt, um noch ein wenig mehr Geld zu verdienen. Weitere Punkte, die Ihr Kind m Freundeskreis in Erfahrung bringen sollte: Wie viele Schüler betreut der einzelne Fahrlehrer? Werden im Theorieunterricht Dias aus den 70er Jahren verwendet oder neuste Technik? Kann die Fahrschule detaillierte Ausbildungspläne vorlegen, nach denen sie die Prüflinge schult? Nicht zuletzt ist ein Blick auf die fahrerischen Qualitäten der befragten Führerschein-Neulinge auch nicht verkehrt, um die von ihnen besuchte Fahrschule einschätzen zu können. Vor allem aber: Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl - und das Ihres Kindes!

Übrigens: Sollte sich irgendwann herausstellen, dass sich Ihr Kind in der Fahrschule doch nicht wohl fühlt, kann es natürlich jederzeit die Fahrschule wechseln.

Wie lange dauert es in der Regel, bis mein Kind den Führerschein hat?

Das hängt nicht zuletzt vom fahrerischen Talent Ihres Kindes ab. Für den Erwerb des Pkw-Führerscheins Klasse B sind mindestens 14 mal 90 Minuten Theorieunterricht verpflichtend. Und natürlich die praktischen Fahrstunden, zu denen auch bestimmte Sonderfahrten auf der Landstraße, der Autobahn oder bei Dunkelheit gehören.

Wie schnell Ihr Sprössling seine Fahrstunden absolvieren kann, ist nicht nur von seinem persönlichen Ehrgeiz abhängig, sondern auch vom Zeitbudget, das er für die Fahrschule aufbringen kann. Und: Fahrlehrer dürfen nur eine begrenzte Stundenzahl pro Tag praktischen Fahrunterricht erteilen. Je mehr Schüler ein Fahrlehrer gleichzeitig betreut, umso länger kann es unter Umständen dauern, bis der nächste Termin ansteht.

In der Regel sind die Fahrschüler nach drei bis vier Monaten bereit, die Führerschein-Prüfung abzulegen. Häufig wird zunächst mit dem theoretischen Unterricht begonnen, erst später kommen die ersten Fahrstunden dazu. Sobald die theoretische Prüfung bestanden ist, kann sich der Schüler dann voll auf die praktischen Fahrstunden konzentrieren.

Einige Fahrschulen bieten auch komprimierte Kurse an wenigen Tagen an, etwa in den Ferien. Achtung: Wenn Ihr Kind einen solchen Schnellkurs besuchen möchte, muss der Führerscheinantrag bei der Straßenverkehrsbehörde lange vor Beginn des Intensivkurses abgegeben werden. Denn die Bearbeitungszeit kann bis zu sieben Wochen betragen. Und solange die Genehmigung aussteht, ist keine Führerscheinprüfung möglich.

Woran erkennt man einen guten Fahrlehrer?

Ein Fahrlehrer, der während der Fahrstunde nur Zeitung liest oder im Theorieunterricht stur Fragebögen ausgefüllt, statt tatsächlich zu unterrichten, ist sicher kein Meister seines Faches. Den vorherigen Fahrschüler gelegentlich nach Hause zu fahren, kann okay sein - es sollte aber nicht die einzige Strecke sein, die der Schüler am Ende gefahren ist. Ein absolutes Unding ist es dagegen, wenn der Fahrlehrer die Fahrstunde als persönliche Einkaufstour missbraucht.

Eltern, die sich selbst von der Qualität des Fahrlehrers überzeugen wollen, sollten ruhig einmal Theoriestunde besuchen oder bei einer Fahrstunde auf der Rückbank sitzen – und zwar bevor der Ausbildungsvertrag abgeschlossen wird. Manche Fahrschulen bieten solche Schnupperstunden auch von vorneherein an.

Übrigens ist es sinnvoll, dass Ihr Kind zumindest den Großteil seiner Fahrstunden bei ein und demselben Fahrlehrer absolviert - und nicht jeweils bei dem, der gerade Zeit hat. So können sich beide aneinander gewöhnen und im Idealfall ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Kommt Ihr Teenager andererseits mit seinem Fahrlehrer überhaupt nicht klar, sollten Sie gemeinsam mit der Fahrschule versuchen, einen Fahrlehrerwechsel zu ermöglichen.

Was wird es kosten, wenn mein Kind den Führerschein machen möchte?

Wie teuer der Führerschein Sie beziehungsweise Ihr Kind am Ende zu stehen kommt, hängt von mehreren Faktoren ab: den Preisen der Fahrschule etwa, und natürlich auch von der Anzahl der Fahrstunden, die vor dem Ablegen der Prüfung nötig sind. Daneben gibt es aber auch große regionale Unterschiede: So hat der ADAC in einem Preisvergleich für das Jahr 2011 festgestellt, dass ein Führerschein im bayerischen Freising im Durchschnitt 2.219 Euro kostete - in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) dagegen "nur" 1.371 Euro (den ADAC-Preisvergleich finden Sie unter www.adac.de)

Doch auch in den einzelnen Städten kann die Preisspanne enorm sein. So weist die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände selbst darauf hin, dass beispielsweise in Leipzig zwischen der teuersten und der billigsten Fahrschule eine Preisdifferenz von 760 Euro bestehe. Ein Vergleich lohnt sich also in jedem Fall. Um den zu ermöglichen, muss laut Fahrlehrergesetz jede Fahrschule eine Preisliste aushängen. Diese Liste muss folgende Daten enthalten:

  • Grundbetrag (inklusive theoretischer Unterricht und Vorprüfungen)
  • Preis je Normalfahrstunde (45 Minuten)
  • Preis je besonderer Ausbildungsfahrt (45 Minuten)
  • Vorstellung zur theoretischen Prüfung
  • Vorstellung zur praktischen Prüfung
  • Lehrmittel

Die Fahrlehrerverbände empfehlen für einen möglichst genauen Vergleich, die auf alle Fälle auftretenden Einmalpositionen (Grundgebühr, Lehrmittelpauschale, Vorstellung zur theoretischen und Vorstellung zur praktischen Prüfung) zusammenzurechnen und anschließend die Summen zu vergleichen. Da manche Fahrschulen zum Beispiel mit einem niedrigen Grundbetrag locken, zeigt eine solche Rechnung schnell, welches Angebot wirklich günstig ist.


Neu in Schulkind