Handy-Videos
 
Gewalt und Pornos frei Haus

Jugendschützer schlagen Alarm: Auf Schulhöfen kursieren Porno- und Gewaltvideos - von Handy zu Handy. Schon Zwölfjährige sind betroffen. Im Interview erklärt ein Experte, was Eltern dazu wissen sollten.

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Wie jugendgefährdend sind Handy-Videos?

Denken Sie jetzt nicht: Mein Kind aber nicht! Praktisch jeder Schüler über zwölf ist schon mal mit solchen Videos in Berührung gekommen. Wir sprachen darüber mit Martin Pinkerneil, Projektleiter der Website www.handysektor.de, einem Projekt der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) und des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs).
 
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Was für Handy-Videos kursieren auf den Schulhöfen?

Bilder und Videos, die Pornografie zeigen bis hin zu sexuellen Handlungen mit Tieren, und Gewaltvideos, in denen zum Teil sogar das Sterben von Menschen zu sehen ist, so genannte "Snuff"-Videos. Eines zeigt zum Beispiel die Enthauptung eines tschetschenischen Kämpfers.

Warum leiten Kinder und Jugendliche ein solches Handy-Video weiter?

Meist als Mutprobe, Porno-Bilder werden auch als "Kuriositäten" gesammelt. Fast immer sind es Jungen, die die Inhalte weiterschicken. Aber Mädchen kennen sie genauso, sie löschen sie nur wieder.

Wie alt sind die betroffenen Kinder und Jugendlichen?

Wir haben mit zwei Wissenschaftlerinnen gesprochen, die Feldforschung betreiben, also mit den Kindern Kontakt haben. Und wir richten uns nach der KIM- und der JIM-Studie, mit der jedes Jahr das Medienverhalten deutscher Kinder und Jugendlicher erfragt wird. Unser Ergebnis: In der weiterführenden Schule können Eltern davon ausgehen, dass ihr Kind solche Inhalte schon einmal gesehen hat.

Warum glauben so viele Eltern, dass Ihr Kind noch kein Handy-Video mit gewalttägigem oder pornografischem Inhalt gesehen hat?

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Weil sie die Bilder und Videos nie zu Gesicht bekommen. Und meist kennen sie auch die Seiten im Netz nicht, von denen die Inhalte stammen.

Warum schweigen Kinder und Jugendliche über die Handy-Videos, die sie gesehen haben?

Über Mutproben haben Kinder ihren Eltern gegenüber schon immer geschwiegen. Außerdem fürchten sicher viele, dass die Eltern ihnen dann zur Sicherheit das Handy wegnehmen.

Sollte man das Handy wegnehmen, wenn man bemerkt, dass das Kind solche Handy-Videos besitzt?

Nein, das ist kein vernünftiger Weg, denn die Inhalte wird das Kind trotzdem sehen können, und durch das Verbot ist dies vielleicht sogar reizvoller. Außerdem wird das Kind seine Eltern in Zukunft erst recht nicht ins Vertrauen ziehen, wenn es in einer ähnlichen Situation ist. Aber wenn es beim Handy des Kindes technisch möglich ist, kann man zum Beispiel gemeinsam mit dem Kind entscheiden, die Bluetooth-Funktion des Handys zu deaktivieren.

Was können Eltern sonst noch tun, um ihr Kind vor diesen Handy-Videos zu schützen?

Vor allem sollten sie nicht die Augen davor verschließen, dass ihr Kind solchen Inhalten ausgesetzt sein könnte, sondern aktiv das Gespräch suchen und dem Kind erklären, warum es schadet, solche Bilder zu sehen. Dabei aber keine Vorwürfe machen: Das Kind kann selbst nichts dafür, wenn es Bilder zugeschickt bekommt. Fast immer kommen die Dateien ja von Freunden oder Mitschülern.

Eltern können auch mal in der Schule nachfragen: Vielleicht ist das Problem dort schon bekannt, und man könnte eine Veranstaltung dazu organisieren.

Und wenn das eigene Kind ein solches Handy-Video weiterleitet?

Ebenfalls das Gespräch suchen! Aber auch ganz klar sagen: Du begehst eine Straftat, wenn du jugendgefährdende Bilder in Umlauf bringst! Das ist den Jugendlichen meist nicht klar. Hier ist die von uns gratis zum Download angebotene Broschüre "Gewalt auf Handys" (hier downloadbar) eine gute Hilfe.

Wächst hier eine Generation heran, für die solche Handy-Videos normal sind?

Nein. Wir glauben nicht an die "Generation Porno". Die von uns konsultierten Experten gehen sogar unisono davon aus, dass die meisten Jugendlichen super normal und oft konservativ sind, was Liebe und Treue angeht. Sie müssen nur lernen, sich vor pornografi schen und gewalttätigen Inhalte zu schützen und eine eigene und bewusste Haltung zum Thema Pornografie zu entwickeln.

Wo können sich Eltern zum Thema "Handy-Videos" informieren?

Mehr Infos und die Broschüre "Gewalt auf Handys" gibt’s kostenlos zum Herunterladen auf www.handysektor.de. Dort kann man auch den neuen Flyer kostenlos bestellen oder herunterladen.

Haben Sie noch Fragen zur Medienerziehung? Nutzen Sie unseren WhatsApp-Chat.