Nachzügler
 
Wenn die Mutter noch mal schwanger wird

Ob geplant oder unverhofft - Nachzügler mischen die Familie auf. Wie sehr sich das Leben für alle Familienmitglieder durch eine erneute Schwangerschaft der Mutter ändert, erzählen hier Eltern und Kinder.

Manuel - das Maskottchen

Nachzügler: Wenn die Mutter noch mal schwanger wird

"Schwanger - ein Schock! Ich hatte das Gefühl, auf dem Bahnhof zu stehen und der Zug ins Glück rast an mir vorbei!" Marion von Mettenheim war 40 und in Aufbruchstimmung. Ihre drei Kinder, Emilia, damals sechs, und die beiden Söhne Maxim und Moritz, elf und 13, waren bereits relativ selbstständig. Und Marion von Mettenheim hatte sich gerade für ein Zusatzstudium in Sonderschulpädagogik eingeschrieben.

Doch als es losgehen sollte, wurde ihr ein Winzling auf dem Ultraschallbild präsentiert. "Wir schaffen das", tröstete sie ihr Mann. Lieb gemeint, aber aus Erfahrung wusste die Mutter von drei Kindern, dass er ihr nur sporadisch würde helfen können. Als Beamter im Auswärtigen Amt ist er viel unterwegs. Ein Anruf aus dem Ausland kann zwar trösten, aber kein schreiendes Baby beruhigen, Emilia aus dem Kindergarten abholen oder den Buben beim Aufsatz helfen, während sie eine Klausur vorbereiten musste.

Die sonst immer so zupackende Marion von Mettenheim zögerte und zauderte erst, doch dann entschied sie: "Ich will es!" Mit Baby-Bauch besuchte sie die ersten Vorlesungen. Manuel wurde geboren und eroberte als "Klein-Uedi" sofort die Herzen aller.

Wie reagieren elf- und 13-jährige Jungen auf ein Baby? Einmal am Tag "duzi, duzi" und dann ab zum Fußball, möchte man denken. Moritz und Maxim aber waren begeistert. Sie legten Klein-Uedi neben sich, während sie Hausaufgaben machten, wechselten die Windeln oder gaben Fläschchen. Uedi wurde zu ihrem Maskottchen, das sie mit sich herumschleppten.

Die große Unterstützung durch ihre Söhne, aber auch ein gut funktionierendes Netz von Freundinnen halfen Marion von Mettenheim, die tägliche Herausforderung durch vier Kinder plus Studium zu bewältigen. Jede Minute des Tages war ge- und verplant, unerwartete Zwischenfälle brachten ihre Pläne jedoch immer wieder durcheinander. Kleine Katastrophen, die mit der Hilfe von Freundinnen ausbalanciert wurden, und größere wie ihre Hüftoperation. Zwei Koffer mit Unterlagen für ein Referat schleppte eine Freundin für Marion von Mettenheim ins Krankenhaus. Bei ihrer Entlassung hatte sie das Referat fertig,

Mittlerweile, zwölf Jahre später, unterrichtet sie an einer Schule für Sonderpädagogik in Berlin. Maxim und Moritz haben eigene Wohnungen, Emilia bereitet sich auf ihr Abitur vor. Demnächst wird Uedi, als Letzter der vier, allein mit seinen Eltern nach Moskau ziehen.

"Heute bin ich sehr froh, dass ich mich damals für Job und Baby entschieden habe", sagt Marion von Mettenheim. "Ich genieße beides und fühle mich dank Uedi noch immer jung. Ohne ihn würde jetzt ein ganz anderer Lebensabschnitt beginnen."

Manuel, elf Jahre: "Große Geschwister sind - meistens - Klasse. Sie bringen mir Schokolade mit, manchmal darf ich sogar bei einem meiner Brüder übernachten. Allerdings sollte man ältere Geschwister nie ärgern, das ist gefährlich. Doof finde ich auch, dass sie immer über einen bestimmen wollen. Aber daran kann man wohl nichts ändern."

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