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Pubertät bei Jungen Das passiert, wenn Jungen in die Pubertät kommen

Die Pubertät bei Jungen verläuft nicht immer einfach.
© freeskyline / Adobe Stock
In der Pubertät erkennt man Jungen oftmals nicht wieder: Aus einem verspielten, quirligen Kind wird ganz plötzlich ein in sich gekehrter, wortkarger Junge oder ein gereizter Griesgram. Wir erklären dir, was während der Pubertät bei Jungen passiert, damit du und dein Kind gut durch diese Zeit kommen.

Noch vor ein paar Monaten hat er nonstop aufgeregt erzählt, wenn er aus der Schule kam. Nun führt sein Weg nach dem Mittagessen direkt in sein Zimmer. Tür zu und das war's. Die Pubertät bei Jungen ist auch für den Rest der Familie oftmals nicht einfach. Aber auch der Pubertierende befindet sich in einem Prozess, bei dem er Unterstützung gebrauchen kann. Um ihm diese geben zu können, ist es wichtig, dass Eltern zunächst verstehen, was während der Pubertät mit ihrem Sohn passiert. 

Was passiert während der Pubertät bei Jungen?

Die Pubertät beginnt bei Jungen meist etwas später als die Pubertät bei Mädchen. Doch schon mit dem Beginn der Vorpubertät zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr kündigen sich die ersten Veränderungen an, wenn bei ihnen die Produktion des Sexualhormons Testosteron ansteigt. Hier beginnt dann auch der Umbau des Körpers. 

  • Wachstum: Besonders zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr wachsen Jungen sprunghaft. Die pubertierenden Jungs schießen dann nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite, denn insbesondere die Muskelmasse erhöht sich stark. So verdoppelt sich bis zum Ende der Pubertät bei Jungen die Knochen- wie auch die Muskelmasse.
  • Stimmbruch: Zwischen dem 11. und 16. Lebensjahr wächst der Kehlkopf und die Stimmbänder dehnen sich. In dieser Zeit setzt oft auch ein Stimmbruch ein. Das merkst du daran, dass deinem Sohn die Stimme wegbrechen kann oder er urplötzlich besonders hoch oder krächzend spricht. Diese extreme Phase hält meist nur etwa ein halbes Jahr an. Ab dann hat dein Kind auf einmal eine weitaus dunklere, männlichere Stimme.
  • Haut: Durch den starken Anstieg des Sexualhormons Testosteron kommt es oftmals zu einer übermäßigen Talgproduktion, was fettige Haut, Hautunreinheiten oder sogar Akne zur Folge haben kann. 
  • Haare: Auch die Kopfhaut wird durch die verstärkte Talgproduktion schnell fettiger, womit auch die Haare am Ansatz oft ölig aussehen.
  • Körperbehaarung: Nicht nur auf Armen, Beinen und der Brust nimmt nun die Körperbehaarung zu. Auch Schamhaare unter den Achseln und im Intimbereich wachsen sowie der erste Bartwuchs an Oberlippe, Kinn und Wangen – zunächst als ein zarter Flaum, der dann immer stärker wird.
  • Schweißproduktion: Auch diese nimmt während der Pubertät bei Jungen ordentlich Fahrt auf. Und so kommt es bei heranwachsenden Männern oft und schnell zu stärkerem Körpergeruch. Spätestens jetzt ist die Zeit, dass du deinem Sohn erklären solltest, dass er öfter mal unter die Dusche sollte und der Einsatz von Deo sehr hilfreich sein kann.
  • Geschlechtsteile: Penis und Hoden wachsen und die ersten Spermien werden gebildet.
  • Gehirn: Hier finden während der Pubertät viele Prozesse statt. Das limbische System, das für Emotionen verantwortlich ist, reift schneller als der vordere Teil des Gehirns. Daher haben gerade in der Pubertät Gefühle die Oberhand – und nicht die Vernunft. Das führt oft zu Entscheidungen, die für Erwachsene schwer nachzuvollziehen sind. Erst ab dem 14./15. Lebensjahr geht diese "Chaos-Phase" langsam zu Ende und dein Kind wird "vernünftiger". 
  • Schlafrhythmus: Die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus' ändert sich während der Pubertät und so kommt es dazu, dass pubertierende Jungen abends oft noch lange wach und morgens schlecht aus dem Bett zu kriegen sind. Ausreichend Schlaf ist während der Pubertät allerdings wichtig und so holen Teenager ihren Schlaf nicht selten am Wochenende nach.

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Wie verändert sich das Verhalten von Jungen in der Pubertät?

Die Veränderungen des eigenen Körpers und der Gefühlswelt während der Pubertät sind für viele Jungen nicht einfach. Häufig kommt es zu schnell wechselnden starken Emotionen und Stimmungsschwankungen, mit denen die Teenager nur schwer umgehen können. Wut, Aggressivität, Genervtsein, aber auch Unsicherheit und Traurigkeit  – die Zeit der Pubertät kann eine reine Achterbahnfahrt der Gefühle sein.

  • Wutausbrüche: Testosteron nimmt starken Einfluss auf die Empfindungen und kann Aggressionen triggern. Daher kann es während der Pubertät, wenn der Testosteron-Spiegel hoch ist, schnell zu plötzlichen Wutausbrüchen kommen. 
  • Abgrenzung von den Eltern: Während der Pubertät kommt es zu den großen Fragen "Wer bin ich?" und "Was wird aus mir?". Daher suchen sich pubertierende Jungs für die Findung ihrer eigenen Identität nun Vorbilder und experimentieren mit ihrer eigenen Rolle. Das geschieht häufig in Abgrenzung zu ihren Eltern. Um ihren eigenen Weg zu finden, nabeln Jungen sich zunehmend von ihrem Elternhaus ab und Freund:innen werden die wichtigsten Sozialkontakte. Vieles was vorher an Mutter und Vater okay war, ist nun peinlich. Keine Sorge: Das legt sich wieder.
  • Leichtsinnigkeit: Jungen in der Pubertät neigen zu leichtsinnigem Verhalten. Der Grund dafür: Der Präfrontale Kortex im Gehirn, der für Gefahreneinschätzung und Selbstwahrnehmung zuständig ist, wird erst als letztes ausgebildet.
  • Geschwächtes Selbstbewusstsein: In der Pubertät nimmt die Selbstreflexion bei Teenagern zu. Auf einmal wird das eigene Verhalten von allen Seiten beleuchtet und hinterfragt, was nicht selten mit einem geringeren Selbstbewusstsein einhergeht. Pubertierende gehen in der Regel davon aus, dass auch andere ihr Verhalten derart bewerten, was große Verunsicherung schaffen kann.
  • Dazugehören wollen: Gruppenzwang ist ein großes Thema während der Pubertät bei Jungen und Mädchen. Teenager wollen dazugehören und bloß nichts verpassen. Da ein Großteil sozialer Interaktionen heutzutage über soziale Netzwerke wie Whatsapp, Instagram oder Tiktok vonstatten gehen, sind die Jugendlichen eng mit ihrem Smartphone oder Computer verbunden. Hier gilt es, einen guten Kompromiss zu finden, damit sich die Kinder in die Gruppe integriert fühlen können, aber auch nicht nonstop am Bildschirm hängen.
  • Erste Liebe: Während der Pubertät kommt es bei Jungen wie Mädchen höchstwahrscheinlich auch zu den ersten Verliebtheitsgefühlen, Beziehungen und sexuellen Handlungen. Diese Erlebnisse werden in der Regel hauptsächlich mit Freund:innen geteilt und nicht mit den Eltern. 

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10 Tipps, wie du die Pubertät mit deinem Jungen gut meisterst

1. Zeige Verständnis

Wutausbrüche, irrationale Entscheidungen, Rückzug: Du weißt nun, dass dies alles während der Pubertät deines Sohnes völlig normal ist. Sei verständnisvoll, auch wenn es manchmal schwer ist und der erste Impuls ein anderer ist.

2. Konkrete Hilfe bei starken Emotionen

Hat dein Sohn seine Gefühle nicht unter Kontrolle, hilf ihm dabei, wieder zur Ruhe zu kommen. Lass ihn auf sein Zimmer gehen oder einen kurzen Spaziergang machen, damit sich die ersten Wogen glätten. Vielleicht ist er danach zu einem Gespräch bereit. Damit er seine Gefühle zukünftig besser unter Kontrolle hat bzw. diese besser verstehen kann, kannst du ihm Folgendes raten:

  • Sport treiben
  • Musik hören
  • Tagebuch schreiben
  • Emotionen aufschreiben
  • mit Freund:innen sprechen
  • Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Meditation oder Yoga erlernen

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3. Stelle klare Regeln auf

Bei allem Verständnis gibt es natürlich Grenzen und diese sollte dein Sohn kennen. Sie sind genauso wichtig wie ein gewisser gebotener Freiraum, da Regeln und Grenzen deinem Kind Orientierung in dieser turbulenten Zeit geben können. Die Regeln solltest du mit deinem Sohn besprechen, sie sachlich erklären, damit sie für ihn nachvollziehbar sind. Auch Kompromisse können so gemeinsam erarbeitet werden. Somit hat dein Kind das Gefühl, auch mitbestimmen zu können.

Hierzu sollten zum Beispiel auch Regeln bezüglich des gemeinsamen Lebens in einem Haushalt gehören, wie zum Beispiel Wäschewaschen oder Saubermachen.

4. Biete deine Unterstützung an

Auch wenn junge Männer hart und ablehnend reagieren, sehnen sie sich oft nach Geborgenheit und Verständnis. Lasse dein Kind wissen, dass du jederzeit da bist und ihn bei Problemen und Herausforderungen unterstützen wirst.

5. Sei aufmerksam

Auch wenn du deinem Sohn Freiraum gewähren möchtest, bleib wachsam. Pornographie, Drogen, Alkohol – damit wird er nun gegebenenfalls Erfahrungen machen und darüber solltest du einigermaßen im Bilde sein, um eventuell eingreifen zu können. Auch ist es hilfreich zu wissen, was dein Kind im Internet treibt. Du solltest ihm jedoch nicht hinterher spionieren. Kontrolle und Freiraum sollten sich dabei die Waage halten – kein leichtes Unterfangen.

Hilfreich kann es hierbei sein, sich mit anderen Eltern, beispielsweise mit den Vätern und Müttern seiner Freund:innen, auszutauschen.

6. Keine langen Standpauken

Kritikfähigkeit ist bei den meisten Pubertierenden noch nicht sonderlich ausgeprägt und für sie schwer aushaltbar. Daher kannst du dir ausgedehnte Standpauken und Strafpredigten getrost sparen. Bleibe konkret und klar und versuche bestenfalls in Ich-Botschaften zu kommunizieren. Nicht: "Du bist schlecht in der Schule geworden." Lieber: "Ich mache mir Sorgen, weil deine Noten etwas nachlassen."

7. Übertrage deinem Kind Verantwortung

Die Zeiten der bloßen Bevormundung sind vorbei. Dein Junge muss lernen, selber Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Lass ihn daher mehr und mehr selbst entscheiden, biete jedoch deine Hilfe bei einem Entscheidungsprozess an. 

Auch hierzu gehört im Übrigen die Übernahme von bestimmten Aufgaben im Haushalt. Dein Kind sollte als Familienmitglied spätestens jetzt lernen, Verantwortung innerhalb der Familie zu übernehmen und etwas zum gemeinsamen Leben beizusteuern. 

8. Bleib in deiner Rolle

Viele Väter und Mütter machen den Fehler, dass sie sich gern als Freund:innen ihrer Kinder sehen und sich auch so verhalten. Allerdings stehst du in der Erziehungspflicht, was bedeutet, dass du dein Kind in seiner körperlichen und seelischen Entwicklung anleitest. Einfach nur "guter Kumpel" zu sein reicht also nicht. Du solltest ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihm auch deutlich zeigen, wenn er über die Stränge schlägt. 

9. Reden, reden, reden, ...

Klar, du solltest deinem Sohn nicht ständig tiefgreifende Gespräche aufdrängen. Das würde sicherlich das Gegenteil zur Folge haben. Aber nutze bestimmte Situationen zu einem kleinen Plausch und gib ihm somit zu verstehen, dass du an ihm interessiert und für ihn da bist. Das kann beim gemeinsamen Essen oder während einer kurzen Autofahrt sein.

10. Von eigenen Erfahrungen sprechen

Erzähl ihm doch mal aus deiner eigenen Jungend und von deinen Erfahrungen. Dies bietet sich vor allem bei seiner ersten Verliebtheit an. Wenn du ihm erzählst, wie es bei dir damals war, öffnet er sich vielleicht auch und ist in der Lage darüber zu sprechen.

Quellen:

ELTERN

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