Das erste Mal
 
Teenager wissen häufig wenig über Sex

Ein 15-Jähriger weiß nicht, dass Mädchen auch beim ersten Mal schwanger werden können? Das ist bei weitem keine Ausnahme. Auch wenn Jugendliche durch Medieneinflüsse immer früher in Kontakt mit Sexualität kommen - sie brauchen dennoch Rat und Unterstützung von den Eltern.

Das erste Mal: Teenager wissen häufig wenig über Sex

Das theoretische Wissen über Verhütung ist spärlich, das haben Umfragen der BZgA, des Instituts für Jugendforschung in München und eine Bravo-Studie von 2006 gezeigt: So hält jeder vierte 14-Jährige "Aufpassen" für eine sichere Verhütungsmethode, jeder Zehnte verhütet beim ersten Mal nicht. Auch wissen viele Jugendliche - Jungen und Mädchen - nicht, wann die fruchtbaren Tage sind. Gleichzeitig sammeln die Teenager von heute recht früh sexuelle Erfahrungen: Viele Mädchen haben schon mit 13 oder 14 Jahren das erste Mal Geschlechtsverkehr, die Jungen etwa ein Jahr später.

Jetzt ist viel Fingerspitzengefühl gefragt

Gespräche über Sexualität rühren an intimste Verletzlichkeiten

Die Zahlen zeigen: Auch wenn deine pubertierenden Kinder es wahrscheinlich eher uncool finden werden, sich mit ihren Eltern über Sex zu unterhalten, du solltest es dennoch machen. Trotz der ablehnenden Haltung, mit der dein Kind dir dann womöglich gegenübertritt: Zieh dich nicht zurück! Allerdings brauchst du jetzt noch mehr Fingerspitzengefühl, um Informationen so zu vermitteln, dass sie angenommen werden. Gespräche über Sexualität rühren in dieser Phase an intimste Verletzlichkeiten. Außerdem machst du die Liebe, die in der Fantasie zart und zerbrechlich ist, erschreckend medizinisch und technisch. Was also brauchen Jugendliche jetzt? Vor allem Eltern, die die ersten engen Beziehungen ihrer Kinder liebevoll begleiten und nicht moralisch verurteilen. Dabei ist es nicht leicht, die Balance zwischen respektvollem Abstand und Geborgenheit zu halten und zu erkennen, wann sich das Kind nach Austausch sehnt oder Abgrenzung wünscht.

Vor dem "ersten Mal" das Gespräch suchen

Sinnvoll sind Gespräche immer nur dann, wenn Sohn oder Tochter bereit dafür sind. Meist nutzen Eltern - genauer die Mütter - solche Gelegenheiten, um noch einmal über Zeugung und Empfängnis zu sprechen. Verhütung und Intimpartnerschaften sparen sie oft aus. Nicht, weil die Kinder alles darüber wüssten, sondern weil die Eltern glauben: "Mein Kind sagt nichts, also ist es noch nicht so weit." Aber da kann man sich täuschen. Verlasse dich lieber nicht darauf, dass dein Kind vor dem ersten Mal mit Fragen auf dich zukommt. Das tun nur 13 Prozent der Mädchen und acht Prozent der Jungen. Wie kann man also die Informationen, die man für wichtig hält, an seine Kinder weitergeben? Und welche Informationen sind in diesem Alter wichtig?

Darüber solltest du mit deiner Tochter oder deinem Sohn sprechen

  • Wie man sich vor Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Wie man sich im Fall einer Schwangerschaft verhält. (Versichere, dass du alles tun wirst, um zu helfen)
  • Wie der Erregungszyklus bei Mädchen und Jungen verläuft. Wie man herausfindet, ob der Partner einverstanden ist.
  • Welchen Einfluss Gleichaltrige auf das Sexualverhalten haben und wie man sich behaupten kann.
  • Dass es unterschiedliche Wertvorstellungen gibt, die Menschen mit Sexualität verbinden.

Und so kannst du das Gespräch suchen

  • Informationen scheinbar nebenbei fallen lassen:
    Wenn sich Eltern im Auto unterhalten, kann man sicher sein, dass die Kinder hinten jedes Wort mitkriegen. Wenn du deinem Mann zum Beispiel erzählst, dass du von einem 14-Jährigen gelesen hast, der Vater geworden ist, und dass der bestimmt nicht wusste, dass die handelsüblichen Kondomgrößen ihm auf Grund seines Alters nicht passen können, erreicht diese Information garantiert deinen Sohn auf der Rückbank.

 

  • Darauf achten, dass sich dein Kind nicht angegriffen fühlt:
    Vermittle Informationen so, dass dein Kind spürt, meinen Eltern ist es wichtig, dass ich das jetzt weiß. Hilfreich ist es auch, in der Unterhaltung immer die Gefühle von Eltern und Kind anzusprechen: "Ich weiß, dass das jetzt ein blödes Thema ist, aber ich kann es uns beiden nicht ersparen, weil ich mir Sorgen mache." Einigen Jugendlichen geht aber auch das zu weit. Dann kann man "ganz zufällig" ein Aufklärungsbuch liegen lassen.

 

  • Sich in die Denkwelt deines Kindes einfühlen:
    Einen unverkrampften Gesprächseinstieg bieten auch Vorabendserien. Einfach mal eine Folge der Lieblingsserie mit anschauen. Dann versteht man auch, warum sie bei Jugendlichen so beliebt sind. Nirgends lässt sich so gut beobachten, wie Beziehungen entstehen, wie sie scheitern und welche Probleme andere damit haben. Wichtig ist für Teenager doch nur eins: Wie geht das mit der Liebe? Über das Verhalten der Jugendlichen im Fernsehen sprechen eigentlich alle Teenies gern - sogar mit ihren Eltern. Und die können - ganz nebenbei - praktische Informationen weitergeben.

Taktik für Eltern von Mädchen

Mädchen in der Pubertät sprechen oft das Thema Vergewaltigung an. Eine gute Gelegenheit, sie zu ermutigen, offensiv zu ihren Wünschen zu stehen, sich durchzusetzen und Kritik zu äußern. Ermutige deine Tochter, nie über ihre eigenen Gefühle hinwegzugehen, sondern ihnen zu vertrauen. Das ist der beste Schutz.

Taktik für Eltern von Jungen

Jungen plagen oft ganz praktische Fragen: Ist mein Penis groß genug? Funktioniert er richtig? Was sagen die Freunde, wenn ich noch nicht mit meiner Freundin geschlafen habe? Eigene Gefühle bleiben da oft auf der Strecke. Gut tut deshalb eine Art "Gefühlsschule". Sie ermöglicht es Jungen, mehr Gespür für sich selbst und Einfühlungsvermögen für andere zu entwickeln. Konkret heißt das: Jungen sollten lernen, ihre eigenen Bedürfnisse zu spüren und sie auch auszusprechen. Ermutige deinen Sohn deshalb, in Alltagssituationen das zu sagen, was er empfindet. Zum Beispiel: "Ich bin müde." "Ich habe das nicht verstanden." "Du nervst mich jetzt." "Das mag ich gern." Klingt simpel? Ist aber Schwerstarbeit für pubertierende Cowboys. Aber eine, die sich lohnt. Wer als Junge gelernt hat, seine Gefühle wahrzunehmen und zu benennen, schafft es auch als Mann, über kompliziertere Dinge zu reden: die eigene Lebensgeschichte, Enttäuschungen, Ängste - und Sexualität.

Wie soll ich reagieren, wenn mein Kind gefühlskalt über Sex spricht?

In einem bestimmten Alter sprechen manche Heranwachsende (übrigens nicht nur Jungen!) in gefühlskalter Gossensprache über Sexualität. Falls man diese Art von Gesprächen mitbekommt, schreitet man am besten sofort ein. Sprich über Wertschätzung und Respekt. Dass derartige Redereien nicht cool, sondern Ausdruck eines schwachen Selbstbewusstseins sind.

Und was ist mit pornographischen Magazinen oder Filmen?

Es ist völlig normal, wenn sich ein Teenager für nackte Körper interessiert. Pornographische Fotos an den Wänden eines Jugendzimmers musst du aber nicht tolerieren. Sag einfach, dass dir der Anblick unangenehm ist. Bei Sexmagazinen kann man Teenager bitten, die Hefte gut zu verstecken, damit sie nicht jüngeren Geschwistern in die Hände fallen.

Buchtipps

  • Für Mädchen: "Alles über Liebe, das erste Mal, Lust und Frust, Freundschaft und Sex", Bestellnummer: 7 045 000. Kostenlos zu beziehen bei der BZgA, 51101 Köln, oder per Internet über www.bzga.de

 

  • Für Mädchen-Eltern: "Der Trick ist, zu atmen. Erste Liebe, erster Sex und wie du beides überlebst", Simone Buchholz, Kiepenheuer & Witsch, 7,90 Euro

 

  • Für Jungen:"Wie geht's - wie steht's?" Wissenswertes für männliche Jugendliche und junge Männer. Bestellnummer: 13 030 000, kostenlos zu beziehen bei der BZgA, 51101 Köln, oder per Internet über www.bzga.de

 

  • Für Jungen: "In unserer Straße", Jungsgeschichten über Liebe, Freundschaft, Sex und Aids. Bestellnummer: 70 420 000, kostenlos zu beziehen bei der BZgA, 51101 Köln, oder per Internet über www.bzga.de

 

  • Für Eltern von Jungen: "Einsame Cowboys. Jungen in der Pubertät", Cheryl Benard und Edit Schlaffer, dtv, 8 Euro.

 

  • Für Eltern und Jugendliche: "Wenn es ernst wird mit der Liebe. Mit Jugendlichen über die Liebe reden", Nicole Bacharan, Dominique Simonnet, Beltz, 7,90 Euro

  • Für Eltern: "Frühlingserwachen, Pubertät - wie Sex und Erotik alles verändern“, Barbara Sichtermann, rororo, 9,90 Euro