Frühe Schwangerschaft
 
Schwanger mit 16 - was nun?

Ein positiver Schwangerschaftstest, die Entscheidung für das Kind, aber oft auch eine ganze Reihe Probleme: Wie werden die Eltern reagieren? Was wird aus der Schule, der Ausbildung? Welche Unterstützung gibt es? Wir geben Tipps, wie junge Mütter und deren Eltern die Situation meistern können.

Was?! So jung und schon ein Kind?

Frühe Schwangerschaft: Schwanger mit 16 - was nun?
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"Das muss doch heute nicht mehr sein. Es gibt doch so viele Verhütungsmittel." oder "Kein Wunder, dass die schwanger ist, so aufreizend wie die daherkommt." Tuschelnde Klassenkameraden und abschätzige Blicke müssen viele junge Mütter ertragen. Gar nicht so einfach, immer locker damit umzugehen und es nicht an sich ranzulassen.

Oft hilft es, sich mit Mädchen in derselben Situation auszutauschen, rät Eva Zattler von der Schwangerschaftsberatung pro familia in München. Im Internet sind viele junge Mütter in Foren und Chats aktiv, die Kontakt zu anderen Teenie-Müttern suchen, gleichzeitig ein offenes Ohr, Rat und Hilfe anbieten.

Darüber hinaus gibt es in den meisten größeren Städten Gruppen junger Mütter und Schwangerer, die von privaten oder staatlichen Schwangerschaftsberatungsstellen betreut werden. Neben kompetenter Unterstützung und persönlichem Austausch können die Mädchen und ihre Sprösslinge gemeinsam etwas unternehmen, in den Zoo gehen zum Beispiel oder ins Kino.

Auch wenn sie die Umstände nicht wirklich verstehen können, ein offenes Gespräch mit Eltern und Freunden über die Probleme, Sorgen und Ängste kann manchmal trotzdem helfen. Nur so können sie sich besser in die jugendliche Mutter hineinversetzen und sie auch besser unterstützen.

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Wer ist jetzt Mutter, Großmutter und Enkel?

Spätestens mit der Geburt des Kindes ändert sich so einiges. Das weiß die frischgebackene Großmutter am besten. Ob Windelnwechseln, Baden, Füttern - überall möchte sie mitmischen. Meistens ist es gut gemeint, wenn sie vor allem in den ersten Wochen der Tochter über die Schultern schaut, ihre Handgriffe kommentiert und ihr tatkräftig allerlei Aufgaben abnimmt. Der jungen Mutter kann das manchmal zu weit gehen, weiß sie doch selbst, wie sie ihren Schützling zu versorgen hat.

"Es ist sehr wichtig, eine Grenze zwischen den Generationen zu ziehen und sie auch einzuhalten", weiß Eva Zattler. Es sollte von Anfang an klar sein, wer die Großmutter, die Mutter und das Enkelkind ist und wie man sich in der jeweiligen Position verhält. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, die eigene Tochter, den Teenager, plötzlich in der Mutterrolle als Erwachsene wahrzunehmen, ständige Kompetenzstreitigkeiten um die Frage, wer denn jetzt die bessere Mutter ist, sind nervenaufreibend und können das Verhältnis sehr belasten.

Hilfreich kann eine räumliche Trennung sein: Die eigenen vier Wände oder ein eigener Bereich im elterlichen Haus oder der Wohnung, in den sich die Mutter mit ihrem Nachwuchs zurückziehen und allein beschäftigen kann, seien sinnvoll, meint Schwangerschaftsberaterin Eva Zattler.

Jugend ade?

"Jeden Abend Freunde treffen und am Wochenende bis früh morgens in die Disko gehen kannst du ab jetzt vergessen." Eltern sollten sich solche Bemerkungen lieber verkneifen. Natürlich wird sich das Leben ihrer Tochter nach der Geburt ihres Kindes grundlegend ändern und sie wird sicherlich weniger Zeit für eigene Aktivitäten haben, doch sollten die Eltern ihr keine Horrorszenarien von einer freudlosen Jugend ausmalen. Viele junge Mütter wissen es sehr zu schätzen, wenn sie ihren Schützling an einem festen Tag in der Woche in die Obhut von Oma und Opa geben können. Dann können sie entspannen, in Ruhe einkaufen oder mal abends mit Freunden ausgehen.

Und der junge Vater?

Gerade selbst der Kindheit entwachsen, erste eigene Schritte in ein selbstbestimmtes Leben gemacht und in ein paar Monaten kommt das erste eigene Kind zur Welt? Keine leichte Situation - auch wenn für den jungen Vater klar ist, dass er für die Mutter und das Kind da sein und die beiden nach Kräften zu unterstützen möchte. Vor allem dann, wenn die Eltern der Freundin vom ihm gar nicht begeistert sind: "Der kann sich doch nicht mal um sich selber kümmern, geschweige denn um ein Baby. Und außerdem stehst du sowieso bald alleine da. Bei der nächsten Gelegenheit macht der sich aus dem Staub."

Eine solche Haltung macht es dem Vater nicht unbedingt einfach, eine gute Beziehung zu seinem Sohn oder seiner Tochter aufzubauen. Die ist aber wichtig. Wenn ihm der Kontakt zu seinem Kind am Herzen liegt, sollte er es auch sehen und sich mit ihm beschäftigen dürfen. Er muss ja nicht gleich bei der jungen Mutter ins elterliche Heim einziehen, aber regelmäßige Besuche sollten ihm nicht verwehrt werden.

Auf jeden Fall: Schule und Ausbildung beenden

Der kürzlich vorgestellte Armutsbericht der Bundesregierung zeigt: Alleinerziehende Mütter sind eine Risikogruppe und müssen vermehrt mit einem geringen Auskommen leben. Eine gute Bildung kann ein Abrutschen in eine finanziell prekäre Lage verhindern. Junge Mütter sollten ihre unterbrochene Schule oder Ausbildung auf jeden Fall beenden, empfiehlt Eva Zattler dringend.

Dennoch: Acht Wochen nach der Geburt schon wieder die Schulbank zu drücken und den Abschluss schaffen zu wollen, ist nicht sonderlich sinnvoll. Mit den Gedanken beim Kind, fällt es schwer, sich auf Mathematik, Englisch und Biologie zu konzentrieren. Außerdem baut das Baby nur schwer eine enge Bindung zu seiner leiblichen Mutter auf, wenn es viele Stunden am Tag nicht von ihr betreut wird - auch nicht unbedingt wünschenswert.

Und noch eine Sache sollten junge Mütter bedenken, wenn sie ihren künftigen Bildungsweg planen: Schule ist meist leichter mit der Sorge um sein Kind zu vereinbaren als eine Ausbildung. Hält einen das Kind den ganzen Nachmittag auf Trapp oder ist es krank, lässt sich der Stoff leichter nachlernen, eine Schulstunde einfacher streichen. Am Arbeitsplatz hingegen, wo Zuverlässigkeit der Mitarbeiter gefordert wird, kann man weniger flexibler reagieren.

Wo gibt es professionelle Unterstützung?





Wissenschaftliche Beratung
Eva Zattler, pro familia München