Volljährigkeit
 
Das ändert sich, wenn Ihr Kind erwachsen wird

Endlich 18! Mit diesem Geburtstag ist Dein Kind tatsächlich erwachsen. Doch die Volljährigkeit bringt nicht nur die ersehnten Rechte mit sich, sondern auch einige Pflichten. Welche das sind, liest Du hier.

Ab wann gilt die Volljährigkeit?

Volljährigkeit: Das ändert sich, wenn Ihr Kind erwachsen wird

In Deutschland erreicht man mit dem 18. Geburtstag die Volljährigkeit. Von diesem Tage an gilt man als Erwachsener. Das bedeutet: Von nun an ist der junge Mensch selbst für sein Handeln verantwortlich, die Eltern sind nicht mehr seine gesetzlichen Vertreter.

Doch welche konkreten Folgen hat das? Im Folgenden haben wir die wichtigsten Änderungen für Dich zusammengestellt. Klick einfach auf den Link zu dem Thema, das Dich interessiert - oder klick Dich sich durch den Artikel:

Hat mein Kind nach Erreichen der Volljährigkeit noch Anspruch auf Unterhalt?

Unter Umständen ja: Besucht Dein Kind noch eine Schule beziehungsweise befindet es sich in der Ausbildung oder im Studium, so hat es bei getrennten oder geschiedenen Eltern weiterhin Anspruch auf Unterhaltszahlungen. Gleiches gilt, wenn das Kind seinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann - sei es, weil es behindert ist, oder derzeit arbeitslos. Die Ansprüche minderjähriger Geschwister, die noch zu Hause wohnen, gehen jedoch vor.

Das nun volljährige Kind kann dabei durchaus verlangen, sich den Unterhalt auf sein Konto überweisen zu lassen und nicht mehr auf das des Elternteils, bei dem er aufgewachsen ist. Allerdings muss es diese Zahlungen dann auch versteuern. Und: Lebt es noch bei einem Elternteil, so ist dieses durchaus berechtigt, von ihm einen gewissen Unkostenbeitrag zu fordern.

Bekommen wir für unser volljähriges Kind noch Kindergeld?

In der Regel zahlt der Staat nur Kindergeld, solange die Volljährigkeit nicht erreicht ist. Doch auch hier gibt es bestimmte Sonderregelungen: Befindet sich das Kind noch in der Schule oder in der Berufsausbildung, studiert es, ist es arbeitslos oder behindert, dann können die Eltern noch bis maximal zum 25. Lebensjahr ihres Kindes diese Leistung beziehen - so das Kind nicht mehr als 20 Stunden pro Woche jobbt. Beendet das Kind im Laufe des Jahres seine Ausbildung, dann besteht der Anspruch auf Kindergeld übrigens nicht das ganze Jahr über.

Achtung: Während des Wehrdienstes gibt es kein Kindergeld mehr - wohl aber, wenn Ihr Kind ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Der Staat zahlt außerdem noch Kindergeld, wenn der Zeitraum zwischen zwei Ausbildungsabschnitten nicht länger als vier volle Monate dauert - zum Beispiel zwischen Abschluss der Schule und Beginn der Ausbildung.

Muss man volljährig sein, um eine Erbschaft annehmen zu können?

Um eine Erbschaft anzunehmen (oder auszuschlagen) muss man in Deutschland tatsächlich volljährig sein. Auch ein eigenes Testament kann erst mit Erreichen der Volljährigkeit rechtskräftig verfasst werden.

Fliegt mein Kind mit Erreichen der Volljährigkeit aus unserer Krankenkasse?

Nein - es sei denn, Dein Kind verfügt bereits über ein eigenes, steuerpflichtiges Einkommen. BAföG oder das Lehrlingsgehalt liegen meist unterhalb dieser Grenze, beim studentischen Nebenjob kann es aber schon knifflig werden. Am besten klärst Du diese Frage deshalb direkt mit Deiner Krankenkasse ab.

Welche Versicherungen sollte mein Kind nach Erreichen der Volljährigkeit abschließen?

Solange Dein Kind noch bei Dir lebt beziehungsweise Ausbildung oder Studium noch nicht abgeschlossen hat, kann es auch nach Erreichen der Volljährigkeit in Deiner Haftpflicht-, Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung mitversichert bleiben. Besitzt Dein Kind bereits ein eigenes Auto, braucht es jedoch auch eine eigene Pkw-Haftpflicht- sowie eine Kaskoversicherung. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte in Betracht gezogen werden.

Gilt das Jugendschutzgesetz nur bis zum Erreichen der Volljährigkeit?

Auch wenn es manchen Eltern nicht gefällt: Rein vom Jugendschutzgesetz aus betrachtet, entbehrt der Satz "So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, tust du dieses und lässt jenes" mit dem Erreichen der Volljährigkeit jeglicher Grundlage.

Sobald Dein Kind 18 Jahre alt ist, darf es also theoretisch so lange ausgehen, wie es will - und zwar auch, wohin es will. Es darf Filme mit einer FSK-Freigabe ab 18 Jahren im Kino sehen und sich PC-Spiele ohne Jugendfreigabe kaufen. Genauso darf es Alkohol kaufen und trinken. Was nicht heißt, dass Du nicht weiterhin mit Deinem Kind reden kannst und sollst, wenn Du das Gefühl hast, dass es in einem dieser Bereiche das Maß verloren hat.

Kann ein Volljähriger einfach so die Schule hinschmeißen?

Mit Erreichen der Volljährigkeit hat ein Schüler das Recht, Verweise und Zeugnisse zu unterschreiben und sich selbst Entschuldigungen auszustellen. Die Schulpost wird künftig direkt an ihn adressiert. Als Erwachsener darf der Schüler entscheiden, welche Schule er besuchen möchte - und im Extremfall auch beschließen, diese vor dem Abschluss zu verlassen, so er der Schulpflicht, die in den meisten Bundesländern neun Schuljahre vorschreibt, Genüge getan hat.

Kann mein Kind von zu Hause aus ziehen, sobald es volljährig ist?

Eine häufige Drohung, wenn es zwischen Teenagern und ihren Eltern kracht: "Wenn ich 18 bin, ziehe ich sofort hier aus!" Und tatsächlich darf jeder mit Erreichen der Volljährigkeit frei über seinen Wohnsitz bestimmen und dementsprechend auch von zu Hause ausziehen.

Darf mein volljähriges Kind einfach so heiraten?

Wenn beide Partner volljährig sind, dürfen sie auch heiraten. Sollte einer der Partner noch minderjährig sein, genügt jedoch nicht einmal die Erlaubnis der Eltern - in diesem Fall muss das Familiengericht zustimmen.

Haften Eltern noch für Schäden, die ihr volljähriges Kind verursacht?

Klare Antwort: Mit Erreichen der Volljährigkeit ist das Kind für alle verursachten Schäden selbst verantwortlich. Es kann nun auch zivilrechtlich belangt werden. Ist es also nicht mehr in Ihrer Haftpflichtversicherung mitversichert, sollte es sich eine eigene Privathaftpflicht zulegen.

Was passiert, wenn mein volljähriges Kind etwas richtig Schlimmes angestellt hat?

Mit Erreichen der Volljährigkeit gilt man vor dem Gesetz als voll strafmündig, kann also als Erwachsener verurteilt werden. Bis zum 21. Lebensjahr gilt man zumindest vor dem Gericht jedoch noch als Heranwachsender. Das bedeutet: Es liegt im Ermessen der Richter, je nach Art und Schwere der Straftat sowie der geistigen Reife des Straftäters das Jugend- oder das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. Hier findet sich übrigens noch ein Anklang an die in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahre 1975 geltende Regelung: Dort erreichte man bis dahin erst mit 21 Jahren die Volljährigkeit. In der ehemaligen DDR dagegen galt man bereits seit 1950 mit 18 Jahren als erwachsen.

Umgekehrt hat übrigens jeder Volljährige auch das Recht, einen Gerichtsprozess zu führen oder einen Anwalt als Vertreter zu bestellen - er ist voll prozessfähig.

Bekommt man den Führerschein tatsächlich erst, wenn man volljährig ist?

Den Führerschein können Jugendliche mittlerweile bereits mit 17 Jahren machen. Anschließend dürfen sie jedoch nur in Begleitung eines Erwachsenen Auto fahren. Sobald sie volljährig sind, dürfen sie dann auch alleine im Auto unterwegs sein. Der Führerschein gilt zunächst zwei Jahre lang auf Probe. In dieser Zeit gilt ein absolutes Alkoholverbot am Steuer.

Tatsächlich erst ab 18 Jahren erlaubt ist in Deutschland das Motorradfahren - und auch dann gilt dieser Führerschein der Klasse A zwei Jahre lang nur für Motorräder mit einer Leistung bis zu 25 KW. Wer mag, kann anschließend eine unbegrenzte Fahrerlaubnis beantragen.

Gelten nach Erreichen der Volljährigkeit sofort die ganz normalen Arbeitszeiten?

Ja, die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes gelten ab der Erreichung der Volljährigkeit nicht mehr. Es kann also sein, dass auf Ihr Kind 40 Stunden-Wochen, Schicht- und Akkordarbeit sowie Arbeiten am Wochenende und an Feiertagen zukommen.

Was ändert sich mit der Volljährigkeit, wenn ein minderjähriges Kind bereits ein Kind hat?

In der Regel erhalten minderjährige Mütter mit Vollendung ihres 18. Lebensjahres das Sorgerecht für ihr Kind. Ist der Kindsvater ebenfalls volljährig, können beide auch beim Jugendamt das gemeinsame Sorgerecht beantragen.