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Zeugnis Schlechte Noten, schlechte Stimmung? So sollten Eltern NICHT reagieren

Zeugnis: Schlechte Noten, schlechte Stimmung? So sollten Eltern NICHT reagieren
© Lukassek / Adobe Stock
Das Zeugnis ist nicht so ausgefallen, wie erhofft? Dann bitte erstmal durchatmen, statt Vorwürfe hageln zu lassen. Wie Eltern besser reagieren können, verraten unsere Expertinnen. 

Und schon wieder ist ein halbes Schuljahr rum: Die Halbjahreszeugnisse stehen an. Für viele Schüler:innen ein wichtiger Tag, schließlich zeigt sich jetzt schwarz auf weiß, wie gut oder schlecht die Noten wirklich sind. Die Angst, ein schlechtes Zeugnis nach Hause zu bringen, macht vielen Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Damit zu Hause der Haussegen nicht komplett in Schieflage gerät, sind vor allem die Eltern gefragt. Psychologin Heike Reuber und Gymnasiallehrerin und Lernexpertin Tanja Szyska verraten, wie Eltern besser nicht reagieren sollten, auch wenn das Zeugnis nicht so ausfällt, wie sie sich das wünschen würden. Ein Grund dafür können nach wie vor die Auswirkungen der Corona-Pandemie sein. Wie auch kürzlich das Schulbarometer aufzeigte, gehen die befragten Schulleiter:innen im Schnitt davon aus, dass mehr als ein Drittel der Schüler:innen aktuell "deutliche Lernrückstände" hat, die sich auch in den Zeugnissen zeigen werden.

Erstmal sacken lassen, statt direkt vorpreschen

Es kann schnell passieren, dass Eltern sich im Falle schlechter Noten direkt an die  Ursachenforschung machen. Ein "Warum?" kann aber auch vorwurfsvoll und beschuldigend aufgenommen werden. Besser: Dem Kind Zeit und Raum geben, alle Gefühle da sein zu lassen. Auch unangenehme wie Enttäuschung. Nach ein paar Tagen können Eltern mit ihrem Kind dann gemeinsam überlegen, wie die Lernsituation in Zukunft verbessert werden kann, empfiehlt Psychologin Heike Reuber.

Die Sicht aufs Positive lenken

Die Evolution hat unser Denken mit einer Negativtendenz geprägt. Eltern können diese aushebeln und aktiv den Fokus auf Positives legen. Du kannst dein Kind zum Beispiel fragen: "Was lief gut? Was hast du gerne gelernt? Was hat dir Spaß gemacht? Worauf freust du dich im kommenden Halbjahr?"

Weder Bestrafung noch Belohnung

Ein Kind sollte für Noten weder bestraft noch belohnt werden, erklärt Lernexpertin Tanja. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es lernt, sein Selbstwertgefühl über erbrachte Leistungen zu definieren. Um das zu vermeiden, sollte der Lernaufwand gefeiert werden, statt die Note.

Noten sind nicht alles

Das Bewertungs- bzw. Notensystem ist nur teilweise aussagekräftig. Wie eine Note eingeschätzt werden kann, hängt vom Leistungsniveau des Kindes ab. Für ein Kind, das eher schlechte Noten in einem Fach erzielt, kann eine drei durchaus gut sein. Deshalb wird in Niedersachsen zum Beispiel aktuell darüber diskutiert, im Zeugnis künftig die individuelle Lernentwicklung in den Vordergrund zu stellen.

Doof reagiert? 

Vielleicht hast du im ersten Moment nicht so reagiert, wie du es eigentlich wolltest und dir tut es im Nachhinein leid? Dann kannst du deinem Kind ein gutes Vorbild sein, indem du dich für dein Verhalten entschuldigst. Übrigens: Studien deuten darauf hin, dass eine achtsame Haltung mit einem erhöhten Wohlbefinden einhergeht - das gilt sowohl für Eltern als auch für Kinder. Sich in Achtsamkeit zu üben ist nicht nur am Zeugnistag hilfreich, sondern auch an allen anderen Tagen im Jahr.

Tanja Szyska
Lehrerin und Lernexpertin Tanja Szyska
© PR

Tanja Szyska hat mehrere Jahre als Gymnasiallehrerin der Fächer Mathe und Physik gearbeitet und ist jetzt als Lernexpertin bei der Online-Lernplattform sofatutor beschäftigt. 

heike Reuber
Psychologin Heike Reuber
© PR

Heike Reuber ist Psychologin bei der Meditations-App 7Mind. Dort entwickelt sie zertifizierte Online-Präventionskurse zur Förderung der mentalen Gesundheit und hält digitale Workshops. In Achtsamkeit sieht Heike eine Chance für individuelle, gesellschaftliche und ökologische Balance.

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