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Trost spenden Schlechtes Zeugnis? 7 Dinge, die deinem Kind jetzt guttun

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© Pixel-Shot / Adobe Stock
Juhu, die Sommerferien sind da – und mit ihnen auch das Zeugnis. Wie Eltern damit umgehen können, wenn die Noten nicht so prickelnd sind, und was das Kind jetzt besonders braucht, verrät Expertin Anke Elisabeth Ballmann. 

In vielen Bundesländern haben die Sommerferien gerade angefangen – in den anderen ist es in wenigen Wochen so weit. Dann winkt auch immer das Zeugnis. Zur Freude mancher, zum Graus anderer. Doch gerade bei einem eher schlechten Zeugnis ist es wichtig, deinem Schatz tröstend und ermutigend zur Seite zu stehen – und das Schimpfen oder sogar Bestrafen sein zu lassen.

Happy Sommerferien – oder?

Eigentlich schön: Das lange, spannende, aber auch nervenaufreibende Schuljahr ist geschafft, und es winken die wohlverdienten Sommerferien. Wäre da nicht das Zeugnis, das deinem Kind Bauchschmerzen bereitet. 

Und auch du kannst dir nicht helfen und grummelst innerlich schon vor dich hin, weil du dir ein besseres Ergebnis gewünscht hattest. Nur: Was du dir gewünscht hast, ist in diesem Moment nicht wichtig – und deinem Kind hilft es so gar nicht, wenn du ihm gegenüber angefressen bist. Schlucke das Grummelmonster also schnell hinunter und schenke deinem Kind deine volle Aufmerksamkeit. 

Empathie hilft!

Klar könntest du dich aufregen, die Moralkeule schwingen und betonen, wie wichtig Noten sind und das Lernen in der Schule ist, aber: Das bringt weder dir noch deinem Kind etwas und entfernt euch nur voneinander. Was dein Kind jetzt vor allem braucht, ist dein Verständnis und deinen Trost. Nimm dein Kind in den Arm, vergleiche es auch nicht mit den Geschwistern und versichere ihm, dass es wegen eines schlechten Zeugnisses nicht weniger geliebt ist.

Anke Elisabeth Ballmann, Expertin für kindgerechtes Lernen und gewaltfreie Pädagogik, betont: “Noten sagen nichts darüber aus, wie viel Mühe sich ein Kind gegeben hat. Wenn das Klassenklima schlecht ist, Unterricht ausfällt und die Beziehung zwischen der Lehrperson und dem Kind brüchig ist, leiden oft die messbaren Leistungen.“

Ein schlechtes Zeugnis resultiert also meist aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Und dann hat natürlich auch noch das Alter deines Kindes eine mehr oder weniger tragende Rolle. Auch hier weiß Ballmann: "In der Pubertät haben Jugendliche Interessen, die oft mit der Schule kollidieren und Durchhänger sind vollkommen normal." Schlechte Noten sind also schon Strafe genug, da braucht dein Kind nicht auch noch einen negativen Kommentar von Mama und Papa.

7 Tipps für einen guten Umgang mit schlechten Noten

Ein schlechtes Zeugnis ist demütigend und enttäuschend, für die Kinder und oft auch für die Eltern. Hier kommen Tipps unserer Expertin, was ihr gemeinsam tun könnt, damit das nächste Zeugnis vielleicht schon etwas anders aussieht – ohne Druck, dafür mit viel Empathie.

#1 Bleibe ruhig und bedenke, dass es sich "nur" um Noten handelt und nicht um eine Katastrophe. Stehe zu deinem Kind, es ist viel mehr als nur Schüler:in. Wenn dir das schwerfällt, überlege dir, ob ein schlechtes Zeugnis auch noch Bedeutung hätte, wenn morgen die Welt untergehen würde.

#2 Überlege, wie es deinem Kind jetzt geht. Was fühlt es und was braucht es jetzt von dir? Auch wenn dein Kind cool wirkt, die Noten sind ihm oder ihr nicht egal. Stehe deinem Kind bei und sage ihm, was es alles gut kann. Schreibe eine “Was-ich-alles-an-dir-liebe-Liste“ und tröste es, bis das Lächeln wieder siegt.

#3 Bitte bestrafe dein Kind nicht, denn das wirkt demotivierend und vermutlich willst du genau das Gegenteil erreichen. Motiviert sind Menschen dann, wenn sie sich für etwas interessieren, wenn sie etwas gerne tun und aktiv sind. Wenn dein Kind gerne Sport macht oder malt, ermuntere es dazu – dadurch kann es wieder Selbstvertrauen aufbauen

#4 Mache deinem Kind keine Vorwürfe und denke daran, dass schlechte Noten sich negativ auf das Selbstbild auswirken können. Dein Kind braucht jetzt positive Erfahrungen. Übertrage ihm altersangemessene Verantwortungen und lasse es eigene Entscheidungen treffen, damit es Selbstwirksamkeit erfahren kann.

#5 Wenn du an einer guten Eltern-Kind-Beziehung interessiert bist, baue keinen Druck auf, indem du deinem Kind unrealistische Ziele für das kommende Schuljahr setzt. Dein Kind hat vermutlich keine Strategie, wie es seine Noten verbessern kann, dafür braucht es Zeit und Mut. Vielleicht gönnst du deinem Kind Unterstützung durch einen Lern-Coach?

#6 Frage dein Kind, ob es Ideen hat, wie es in der Schule weitermachen will und biete deine Hilfe an. Erzähle von deinem eigenen Scheitern und wie du es immer wieder geschafft hast, dich aufzurappeln. Zeige deinem Kind, wie man mit Tiefschlägen umgeht, sei der Fels in der Brandung.

#7 Wenn dein Kind aus eigenem Antrieb in den Ferien zum Beispiel Vokabeln üben will, dann ist das für 20 Minuten pro Tag sicher nicht schädlich. Prinzipiell sind Sommerferien aber nicht für das Lösen von Schulproblemen gedacht, sondern fürs Schwimmbad, für Freunde und zum Entspannen. Lass dein Kind viel Spaß haben, dadurch kann es Kraft tanken und stark ins neue Schuljahr starten.

Ganz egal, ob gutes oder schlechtes Zeugnis: Der Ferienanfang sollte trotzdem gefeiert werden – vielleicht mit einem schönen Grillabend im Garten oder einem Essen im Lieblingsrestaurant. 

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Anke Elisabeth Ballmann
© Hannelore Kirchner

Dr. Anke Elisabeth Ballmann setzt sich seit fast 30 Jahren für kindgerechtes Lernen und gewaltfreie Pädagogik ein. 2007 gründete sie das Institut "Lernmeer" für die Beratung, Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte und Eltern. Die Bestseller-Autorin hat einen Lehrauftrag an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg und ist Gründerin der Stiftung Gewaltfreie Kindheit. 

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