Schulprobleme
 
Warum bekommen Jungs schlechtere Noten?

Schneiden Jungs in der Schule schlechter ab, weil sie vom weiblichen Lehrpersonal benachteiligt werden? Oder sind Mädchen einfach klüger? Ein Expertenstreit.

Jungs in der Krise

Schulprobleme: Warum bekommen Jungs schlechtere Noten?

Die Frauen ziehen an den Männern vorbei. Nicht nur im Job und in der Uni. Schon in der Schule erzielen Mädchen die anspruchsvolleren Abschlüsse und sind dabei auch noch schneller als die Jungs. 13 Prozent der Jungs einer Jahrgangsstufe verlassen die Schule ganz ohne Abschlusszeugnis. Gleichzeitig weisen Jungs wesentlich häufiger Verhaltensauffälligkeiten auf und neigen immer öfter zu Gewalt. Nicht erst seit den Amokläufen in Erfurth oder Emsdetten kursieren in der Fachliteratur Schlagwörter wie "Boys Crisis" und "Jungenkatastrophe". Über die Gründe für diese Entwicklung wird heftig diskutiert.

Sind Lehrerinnen schuld?

Mädchen können besser still sitzen als die lebhafteren Jungs

Das Schulsystem sei ungerechtet, weil der Unterricht vorwiegend von Frauen nach weiblichen Kriterien gestaltet werde, behauptet der Hamburger Pädagoge Frank Beuster, selber Vater von zwei Söhnen und Autor des Buches "Die Jungenkatastrophe - das überforderte Geschlecht". So könnten Mädchen beispielsweise besser still sitzen, als die lebhafteren Jungs. Zudem seien zum Zeitpunkt der Einschulung die Mädchen den Jungs in ihrer Entwicklung meistens ein Jahr voraus, was sich vor allem beim Lesen und Schreiben bemerkbar macht. Jungs hätten vom ersten Tag den Eindruck, nur an zweiter Stelle zu sein. Dadurch würden sie frustriert und entsprechend aggressiv. Diesen Verhaltensauffälligkeiten wiederum könnten Lehrerinnen nicht genug Verständnis entgegen bringen. Es fehlten männliche Bezugspersonen.

Die These der "schuldigen Lehrerin" kann jedoch durch keine handfesten Untersuchungsergebnisse belegt werden, betont Waltraud Cornelißen, Leiterin der Abteilung Geschlechterforschung am Deutschen Jugendinstitut in München. "Dagegen spricht zum Beispiel, dass die Leistungen von Jungs und Mädchen vor allem in den höheren Klassen auseinander gehen. Hier sind aber die männlichen Lehrer in der Überzahl. In den Grundschulen mit 85 Prozent weiblichem Lehrpersonal sind die Leistungsunterschiede hingegen marginal." Es gebe auch keine Studie, so Cornelißen weiter, die belege, dass Lehrer mit den Problemen der Jungs besser umgehen könnten, als Lehrerinnen.

Lehrer können mit Jungs besser umgehen

Der Münchner Diplom Psychologe und Kinder- und Jugendpsychotherapeut Jürgen Wolf räumt ein, dass Lehrer mit Jungs möglicherweise leichter klar kommen, "weil ihnen die Strategien und Verhaltensweisen bekannt sind." Dafür würden dann die etwas schüchterneren Mädchen durchs Raster fallen. Während Jungs meist laut und dadurch auffällig sind, verhalten sich Mädchen in der Regel ruhiger. "Sie fressen ihre Probleme in sich rein und suchen durch Leistung Zuwendung. Die Folgen können Depressionen und z.B. Essstörungen sein", so Wolf. "Das nehmen dann Lehrerinnen eher wahr."

Getrennte Schulklassen - was halten Sie davon?

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