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Schulfähigkeit Woran erkenne ich, dass mein Kind reif für die Schule ist?

Mädchen meldet sich im Unterricht in der Schule
© Africa Studio / Adobe Stock
Ist mein Kind schon reif für die Schule? Eine Frage, die sich wohl alle Eltern im letzten Kita-Jahr stellen. Wir verraten euch, welche Kriterien für die Schulfähigkeit erfüllt sein sollten.

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Ob ein Kind reif für die Schule ist, hängt von mehreren Kriterien ab. Wir verraten euch, was eure Kinder bereits können müssen, um die Schulfähigkeit zu erlangen. 

Schulreife und Schulfähigkeit: Was verstehen wir unter den Begriffen?

Der Begriff "Schulreife" stammt aus dem vorigen Jahrhundert und ist im Grunde veraltet. Denn: Ob ein Kind "reif" für die Schule ist, hat nichts mit dem Alter oder biologischen Prozessen zu tun, sondern basiert auf den Umwelteinflüssen, die auf das Kind einwirken. Sprich: Wie wird mein Kind in der Kita oder zu Hause gefördert? Wie geht es mit Konflikten um? Erst wenn euer Kind die körperlichen, kognitiven und sozialen Voraussetzungen mitbringt, ist es fähig, eine Schule zu besuchen. Der Begriff "Schulfähigkeit" bezeichnet also nur, dass euer Kind bereit ist, eingeschult zu werden, – ohne bereits das Alphabet zu kennen oder mathematische Formeln zu lösen.  

Fünf, sechs oder sieben Jahre: Wann ist mein Kind schulreif?

In Deutschland besteht für alle Kinder ab dem vollendeten 6. Lebensjahr die Schulpflicht. Ab einem bestimmten Zeitpunkt – dem sogenannten Stichtag – müssen sie eingeschult und von ihren Eltern zum neuen Schuljahr in der Grundschule angemeldet werden. Dieser Stichtag ist von Bundesland zu Bundesland verschieden – und variiert zwischen dem 30. Juni und dem 30. September des jeweiligen Jahres. Ist das Kind bis zum Stichtag noch keine sechs Jahre alt, gehört es zu den "Kann-Kindern". Kann-Kinder können bereits mit fünf Jahren in die Schule kommen, obwohl sie eigentlich noch nicht schulpflichtig sind. Die Eltern müssen dafür einen Antrag auf vorzeitige Einschulung stellen. Muss-Kinder sind schulpflichtig, wenn sie zum besagten Stichtag bereits sechs Jahre alt sind. Wenn Kinder in diesem Alter noch nicht bereit für die Schule sind, können Eltern einen Antrag auf Zurückstellung des Kindes stellen.

Wer beurteilt, ob mein Kind reif für die Schule ist?

Neben den Eltern sind natürlich die Erzieher:innen eine wichtige Instanz, um die Schulreife einschätzen zu können. Sie haben euer Kind in den vergangenen Jahren intensiv begleitet und können deren Fähigkeiten gut einschätzen. Neben ihrem Fachurteil ist auch die Einschulungsuntersuchung unerlässlich, die von Kinderärzt:innen durchgeführt werden. Der Arzt oder die Ärztin überprüft, inwieweit die individuellen Fähigkeiten des Kindes mit dem Entwicklungsstand des Durchschnitts übereinstimmt. Ziel ist es, zu ermitteln, ob euer Kind alle Voraussetzungen mitbringt, die es für den Schulstart benötigt. Als Eltern solltet ihr zudem realistisch einschätzen können, ob euer Kind bereit ist für die Schule. Wie gut kann sich euer Kind konzentrieren? Ist es wissbegierig? Langweilt es sich bereits in der Kita? Fragen, die ihr euch ehrlich beantworten müsst.

Welche Voraussetzungen muss mein Kind für die Schule erfüllen?

Wenn ein Kind schon mit fünf Jahren das Alphabet beherrscht, ist das zwar eine tolle Leistung. Das Können eures Kindes sagt aber nichts darüber aus, ob es bereits schulfähig ist. Denn für die Einschulung spielen auch andere Faktoren wie etwa soziale und körperliche Fähigkeiten eine entscheidende Rolle.
Folgende Voraussetzungen muss euer Kind für die Schulfähigkeit mitbringen:
  • Körperliche Entwicklung: Neben der Größe und dem Gewicht beurteilt der Arzt oder die Ärztin auch das Seh- und Hörvermögen der Kinder. Großes Augenmerk wird auch auf die motorischen Fähigkeiten gelegt: Kann das Kind balancieren? Kann es mit einem Ball spielen und diesen fangen? Wie sieht es mit dem Schneiden mit einer Schere aus? Denn Körpergefühl und Koordination sind wichtig und unterstützen die Feinmotorik des Schreibenlernens.
  • Kognitive Fähigkeiten: Grundvoraussetzung für den Schulstart sind zudem einige geistige Voraussetzungen – etwa dem Herstellen von Zusammenhängen, der Fähigkeit des Problemlösens und der Konzentration. Ihr solltet euer Kind selbst beobachten: Bleibt mein Kind am Ball, wenn ich ihm eine Aufgabe gebe? Fällt es meinem Kind leicht, Zusammenhänge zu erkennen? Kann es fokussiert mindestens 15 bis 20 Minuten bei einer Sache bleiben? Der Grundstein für diese Fähigkeiten sollte bereits im Kindergarten gelegt werden.
  • Emotionale und soziale Voraussetzungen: Das Vorschulkind sollte in der Lage sein, seine Aufmerksamkeit selbst zu steuern – und störende Impulse auszublenden. Darüber hinaus ist Selbstbewusstsein wichtig, um angstfrei mit unterschiedlichen Situationen umzugehen. Euer Kind sollte in der Lage sein, sich in eine Gruppe integrieren und dort auch behaupten zu können. Wichtig ist auch, dass euer Kind bereits relativ selbstständig ist und keiner permanenten Zuwendung von Erwachsenen mehr bedarf.

Wie sinnvoll ist eine Vorschule für Kinder im letzten Kita-Jahr?

Im letzten Kindergarten-Jahr sollte die Förderung der Kinder an oberster Stelle stehen. Da es keine gesetzlich festgelegten Vorschulprogramme gibt, handhabt jedes Bundesland das Thema "Vorschule" anders. In manchen Kindertagesstätten gibt es für die Vorschulkinder ein gesondertes Programm, bei dem die Kinder ans Lernen herangeführt werden. In manchen Bundesländern ist die Vorschule an die jeweilige Grundschule angeschlossen, in die euer Kind geht. In jedem Fall kann es helfen, den Kindern ihre Rolle als „älteste Kinder“ bewusst zu machen und sie auf die Veränderung im kommenden Jahr einzustimmen. Wichtig ist es dabei, eine Balance zwischen Überforderung und Unterforderung zu finden, um die Kinder bestmöglich auf den kommenden Lebensabschnitt vorzubereiten.

Quellen:

Familienhandbuch.de: Schulreife oder Schulfähigkeit – was ist darunter zu verstehen?
ELTERN

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