Amoklauf in einer Schule
 
Wie rede ich mit meinem Kind darüber?

Mama, kann das auch in meiner Schule passieren? Mit Fragen wie diesen werden Eltern von ihren Kindern nach dem schrecklichen Amoklauf von Winnenden konfrontiert. Wie kann man die furchtbaren Ereignisse Kindern erklären, wie kann man sie beruhigen?

Amoklauf in einer Schule: Wie rede ich mit meinem Kind darüber?

Wieder einmal gab es einen Amoklauf in Deutschland. Vor zwei Tagen drang ein 17-Jähriger in seine ehemalige Realschule in Winnenden in Baden-Württemberg ein - er erschoss neun Schüler und drei Lehrerinnen. Weitere drei Passanten starben, bevor er sich selbst tötete. Fragt Ihr Kind Sie beim Frühstück, ob denn so was auch in seiner Schule vorkommen kann? Sie haben keine Antwort und sind selbst verunsichert - wissen nicht so recht, was Sie denn nun erwidern sollen? Besser die Wahrheit sagen und mit dem Kind darüber reden oder einfach nur kurz beruhigen und zur Tagesordnung übergehen?

Soll ich mit meinem Kind über die schrecklichen Ereignisse sprechen?

Wenn Ihr Kind das Bedürfnis hat, über den Amoklauf zu sprechen, dann tun sie es. Prof. Dr. Johannes Hedebrand, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Duisburg-Essen: "Es ist vor allem wichtig, die Fragen und Sorgen des Kindes ernst zu nehmen, es damit nicht alleine zu lassen, aber auch keine neuen Ängste zu schüren."

Nehmen Sie sich Zeit, um ihrem Kind zu erklären, was passiert ist. Fragen Sie es auch, von wem und was es möglicherweise über den Amoklauf erfahren hat: War in der Schule davon die Rede? Wie hat die Lehrerin reagiert? Hat es vielleicht Bilder im Fernsehen gesehen, als Sie nicht dabei waren? Fragt Ihr Kind jedoch gar nicht nach, dann sprechen Sie es auf diese Thematik nicht an.

Wie soll ich erklären was passiert ist?

Versuchen Sie die Ereignisse des Amoklaufs möglichst einfach und klar zu erklären. Geben Sie ruhig zu, wenn Sie etwas nicht beantworten können und sagen sie warum. Sie müssen keine Antwort darauf wissen, warum der Junge diese Tat begangen hat. Vermeiden Sie lieber Verallgemeinerungen und Klischees.

Mich beschäftigt und ängstigt das Vorgefallene sehr, darf ich das mein Kind spüren lassen?

Es bringt nichts, Ihre eigenen Ängste zu verstecken. Denn Kinder spüren auf jeden Fall, dass Sie etwas bedrückt. Das Gefühl, die eigenen Eltern sind nicht ehrlich, verheimlichen etwas oder wiegeln ab, ist für Kinder am schlimmsten. Geben Sie Ihre eigene Unsicherheit ruhig zu, aber relativieren Sie diese, indem Sie bei den Tatsachen bleiben: Weitere Schreckensszenarien, die Ihnen vielleicht durch den Kopf gehen, sollten Sie nicht mit Ihrem Kind besprechen.

Wie reagieren Kinder auf die schrecklichen Bilder?

Kleinere Kinder spielen oft das nach, was sie beschäftigt oder was sie zum Beispiel im Fernsehen gesehen haben. Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn Ihr Kind mit einer erdachten Pistole ballernd durch die Wohnung läuft. Andere Kinder verarbeiten Ihre Gedanken, Ängste und Gefühle beim Malen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um mehr über die Gefühle Ihres Kindes zu erfahren - eine Ideale Gelegenheit um mit Ihrem Kind ins Gespräch zu kommen.