Tatort Pausenhof
 
"Eine Schule ohne Drogen gibt es nicht"

Lehrer wissen Bescheid

Eltern haben oft keine Ahnung, womit ihre Kinder konfrontiert werden

Bevorzugter Ort zum Tauschen und Dealen ist, nach Erfahrungen von Drogenfahndern, der Bus zur Schule. So mancher Schüler kommt morgens schon zugedröhnt in die Klasse. Daten aus der Schweiz zeigen, dass etwa ein Drittel der Lehrer der achten und neunten Jahrgangsstufen allein im Laufe eines Jahres Erfahrungen mit bekifften oder alkoholisierten Schülern im Unterricht machen. Etwa 15 Prozent der Lehrer geben an, den Konsum von Drogen oder Alkohol selbst auf dem Schulgelände beobachtet zu haben. In Bayern wurden kürzlich sogar zwei Elfjährige mit Joints vom Schulhof eines Gymnasiums gepflückt.

Die Eltern haben nach Beobachtungen von Jugendschützern oft keine Ahnung, womit ihre Kinder auf dem Schulhof in Berührung kommen. Auch nicht davon, dass überraschend oft Gewaltvideos auf Handys von Schulkinder kursieren. "Da gibt es die schlimmsten Bilder, von Enthauptungen bis hin zu Menschen, die angezündet werden", sagt etwa der Leiter vom Mainzer Jugendschutz, Friedemann Schindler.

Laut einer Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest hat jeder dritte Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren mindestens einen (Schul-)Freund, der brutale Videos auf dem Handy hat. Noch schlimmer: Fast jeder zehnte 6- bis 14jährige hat schon einmal ein Gewaltvideo auf dem Handy gesehen. Unglaublich, dachte ein Rektor einer bayerischen Schule und hörte sich auf eigene Faust um, nachdem bei einer Polizeirazzia fünfzehn Handys mit Gewalt- und Porno-Videos entdeckt wurden.

Der Umgang mit gefilmter Gewalt gehört fast zum Alltag

Die Recherche des Rektors ergab: 90 Prozent der Zehntklässler hatten brutale Handy-Bilder bereits gesehen, wenn sie sie auch nicht unbedingt toll fanden. Doch der Umgang mit der gefilmten Gewalt per Handy gehört für viele Schüler inzwischen schlicht zum Schulalltag. Unabhängig davon, ob sie das zuhause erzählen oder nicht.